Neue Regeln Transparenz schaffen

Menschenrechte und Umweltschutz: Unternehmen müssen auch über soziale Belange Auskunft geben. Wer einen aussagekräftigen Nachhaltigkeitsbericht vorlegt, kann auch Vorteile bei der Finanzierung haben.

Von Norbert Hofmann

Zinn, Tantal, Wolfram und Gold sind wertvolle Rohstoffe, die in Autos und Maschinen ebenso Verwendung finden wie in Elektrogeräten oder am Bau. Andererseits stammen sie häufig aus Krisenregionen und werden nicht selten in einem Umfeld von Menschenrechtsverletzungen oder bewaffneten Konflikten gefördert. Unternehmen, so will es die EU-Verordnung zu Konfliktmineralien, sollen davor nicht die Augen verschließen. Ab Januar 2021 müssen Importeure, die diese vier Mineralien in größeren Mengen einführen, nachweisen, dass sie bei verantwortungsvollen Quellen einkaufen.

Die Verordnung ist ein weiterer Baustein der EU-Strategie, die Wirtschaft noch stärker in die gesellschaftliche, soziale und ökologische Verantwortung zu nehmen. Wer die Konfliktmineralien nur verarbeitet und nicht importiert, ist zwar ausgenommen. Dennoch müssen etwa auch kleinere Maschinenbauer davon ausgehen, dass größere Kunden zur eigenen Absicherung solche Auskünfte auch bei ihnen anfragen. Auslöser dafür wiederum ist die von der EU initiierte Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, die größere kapitalmarktorientierte Unternehmen erstmals für das Geschäftsjahr 2017 anwenden mussten. Dies geht zurück auf die CSR-Richtlinie der EU, das Kürzel steht für Corporate Social Responsibility, es geht also um soziale Verantwortung von Unternehmen. "Aufgrund der durch den Gesetzgeber hervorgehobenen Bedeutung dieses Aspekts im Lagebericht der Unternehmen ist davon auszugehen, dass auch Banken verstärkt nicht finanzielle Informationen dazu in die Kreditvergabe einbeziehen werden", sagt Christian Maier, Associate Partner bei der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner.

Autobauer sollen nachweisen, woher sie Rohstoffe beziehen.

(Foto: imago stock&people)

Noch spielt das Kriterium beim Kreditrating zwar eine untergeordnete Rolle. Einige Investmentfonds aber geben schon heute nur noch solchen Kapitalgesellschaften Geld, die bestimmte nachhaltige Aspekte nachweisen können. "Im Bereich der Investoren lässt sich schon seit einer Weile beobachten, dass CSR und Nachhaltigkeitsthemen immer stärker in die Investmententscheidung einfließen", sagt Maier.

Der deutsche Gesetzgeber hat mit der Umsetzung der CSR-Richtlinie im HGB die Grundlage für mehr Informationen geschaffen. Große kapitalmarktorientierte Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, aber auch Banken und Versicherungen, müssen seit 2017 - in einem besonderen Abschnitt des Lageberichts oder in einem gesonderten Nachhaltigkeitsbericht - regelmäßig eine Erklärung abgeben. Dabei geht es um Umweltthemen wie Treibhausgasemission, Wasserverbrauch oder Luftverschmutzung ebenso wie um Geschlechtergleichstellung, Entgelttransparenz und Arbeitsbedingungen. Hinzu kommen die Achtung der Menschenrechte sowie die Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Es ist jedoch nicht verpflichtend, auf alle im Gesetz genannten Aspekte einzugehen. Sie sind nur zu erläutern, soweit dies für das Verständnis der Lage des Unternehmens, des Geschäftsverlaufs oder des -ergebnisses erforderlich ist. Die Angaben sind zudem notwendig, wenn sich die Tätigkeit auf CSR- oder Nachhaltigkeitsaspekte auswirkt. "Die Unternehmen haben damit Ermessensspielräume darin, was sie erläutern", sagt Christoph Brauchle, Partner bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz.

Die Erwartungen sind hoch, die Umsetzung gelingt aber noch nicht immer

Entsprechend hoch ist bislang die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Umsetzung. Einer Studie von Ebner Stolz zufolge haben nur rund 47 Prozent der Firmen in ihrem ersten Berichtsjahr alle Aspekte eindeutig berücksichtigt. Insbesondere Sozialbelange und die Achtung der Menschenrechte wurden - vor allem von Firmen unterhalb des Dax-Segments - nicht klar benannt oder definiert. "Eine Nachjustierung von Seiten des Gesetzgebers wäre sinnvoll, um das Grundverständnis für diese Aspekte zu erhöhen und die Themen inhaltlich zu konkretisieren", sagt Brauchle.

Auch mittelständische Betriebe, die nicht unter die CSR-Verpflichtungen des HGB fallen, sind von den gesetzlichen Vorgaben indirekt betroffen. Sie werden zum Beispiel als Lieferanten zunehmend von Konzernen in die Pflicht genommen, weil diese auch nachhaltigkeitsrelevante Aussagen zu ihrer Wertschöpfungskette machen wollen. "Berichtspflichtige Unternehmen haben Nachhaltigkeitskriterien in die Vertragsbedingungen aufgenommen", so Brauchle.

Der Informationsbedarf der Berichtsadressaten zum Thema Nachhaltigkeit, das belegt die Studie von Ebner Stolz, ist hoch. Die CSR-Richtlinie will insbesondere auch Kapitalgeber bei der Entscheidungsfindung unterstützen. "Vor allem private Anleger und institutionelle Investoren sollen ein besseres Bild von den Unternehmen bekommen und Gefahren für die Nachhaltigkeit erkennen können" erläutert Hans-Werner Grunow, Chef der Unternehmensberatung Capmarcon. Hat das aber auch positive Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung? Zunächst einmal nur sehr bedingt, und das gilt insbesondere für die Fremdkapitalbeschaffung. Denn Firmen winken Vorteile nur dann, wenn sich für die Kapitalgeber das Finanzierungsrisiko verändert.

Allein Informationen zu Nachhaltigkeitsaspekten helfen da kaum weiter. Allerdings kann die Analyse von Schwachstellen und darauf basierend die Entwicklung eines umfassenden Nachhaltigkeitskonzepts zu weniger Risiken führen. So sind bei mehr Produktqualität weniger Zahlungsausfälle und Haftungsrisiken zu befürchten. Eine bessere Reputation stärkt die Kundenbindung, und ein wirksames Compliance-System schützt vor potenziellen Strafen bei Gesetzesverstößen etwa wegen Korruption und Bestechung. "Wenn nachhaltige Prävention möglichen Krisenfällen vorbeugt und damit die Risiken im Unternehmen sinken, kann das zu günstigeren Finanzierungskonditionen führen", sagt Grunow.

Zu einem aussagekräftigen Nachhaltigkeitsbericht, so betont er, gehört deshalb auch das Aufzeigen realistischer Ziele sowie der zu ihrem Erreichen notwendigen Maßnahmen. "Transparenz in den essenziellen Bereichen Umwelt und Personal hilft, das Unternehmen in der Gesellschaft zu stärken, als Arbeitgeber attraktiver zu machen und mittelbar die Türen zu weiterer Finanzierung zu öffnen", sagt auch Christian Maier von Rödl & Partner.

Investoren und die Kreditprüfungsabteilungen der Banken stehen vor dem Problem, dass sich die CSR-Angaben der Unternehmen nur schwer vergleichen lassen. Eine wichtige Orientierungshilfe immerhin sind die international etablierten Standards der Global Reporting Initiative (GRI) für die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten. Die Firmen haben damit quasi eine Checkliste zur Erfassung sämtlicher Nachfrageaspekte in der Hand. Und wer möglichst viele Informationen hat, kann viel verbessern. "Die freiwilligen GRI-Standards als das mit Abstand beste Rahmenwerk helfen damit auch, Risiken im Unternehmen zu reduzieren und positive Effekte bei der Finanzierung zu erzielen", sagt Experte Grunow.

Nachhaltige Finanzierung

Verantwortlich: Peter Fahrenholz

Redaktion: Katharina Wetzel

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