Neue Regeln für Elektrogeräte in Flugzeugen Daddeln beim Landeanflug

Handynutzung in der Luft: Sofern der "Flugzeugmodus" an ist, soll das bald den ganzen Flug lang erlaubt sein.

Flugreisende müssen Handy oder Tablet bald gar nicht mehr aus der Hand legen, wenn sie nicht wollen: Die Luftsicherheitsbehörde lockert ihre Regeln für Elektronikgeräte.

Von Javier Cáceres, Brüssel

Ein Klassiker unter den Sicherheitshinweisen von Flugzeugbegleitern wird schon bald der Vergangenheit angehören. Er lautet: "Bitte schalten Sie nun auch Ihre elektronischen Geräte aus." Der Grund: Wie die Europäische Behörde für Luftfahrtsicherheit (EASA) am Mittwoch in Köln mitteilte, soll der Gebrauch von Smartphones, Tablets, tragbare Videospielgeräte oder E-Book-Readern erheblich ausgeweitet werden.

Gemäß neuen Sicherheitsempfehlungen für Fluggesellschaften und nationale Aufsichtsbehörden, die noch vor Ende November offiziell veröffentlicht werden sollen, werden Flugreisende ihre elektronischen Geräte nun in allen Flugphasen, also auch in der Start- und Landephase, im so genannten "Flugzeugmodus" nutzen dürfen. Bis die entsprechenden Sicherheitsprüfungen abgeschlossen sind, bleibt das Telefonieren und das Surfen im Internet, also die Nutzung elektronischer Geräte im Onlinemodus, in Europa verboten.

Patrick Ky, der Chef der EASA , bejubelte gleichwohl "eine erhebliche Stärkung der Freiheit, elektronische Geräte zu nutzen. Das ist nachvollziehbar: Der "Flugzeug"- oder "Offlinemodus", der bei Smartphones oder Tablets wie dem iPad zur Grundausstattung gehört, deaktiviert zwar alle Kommunikationsfunktionen, er schaltet aber die restlichen Anwendungsmöglichkeiten nicht ab. Das heißt, man kann in diesem Modus zwar keine Telefonate tätigen oder im Netz surfen, wohl aber Musik hören, Zeitungen oder elektronische Bücher lesen, die man sich zuvor auf seinen Datenträger heruntergeladen hatte. Zurzeit ist das prinzipiell nur genehmigt, wenn das Flugzeug seine Reiseflughöhe erreicht hatte.

Umsetzung bleibt Fluglinien überlassen

Das aktuell geltende Verbot, elektronische Geräte auch bei Start oder Landung zu nutzen, war mit Sicherheitsbedenken begründet worden, die nun als ausgeräumt gelten. Die Flugzeugtypen, die üblicher Weise von den Passagiermaschinen genutzt werden, halten nach Ansicht der Sicherheitsbehörden die Funkstrahlen der elektronischen Geräte problemlos aus.

Ende Oktober war dann auch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA vorgeprescht - und hatte die gleichen Lockerungen angekündigt wie nun die EASA. Seinerzeit erklärten die US-Amerikaner, dass die technischen Erkenntnisse, die dem Verbot zugrunde lagen, aus den sechziger Jahren stammten, mithin aus einer Zeit, in der zwar an die Mondlandung, nicht aber an den massiven Gebrauch intelligenter Telefone oder Tablets zu denken war. Die Sicherheit werde "nicht beeinträchtigt", unterstrich nun auch EASA-Chef Ky, dessen Behörde für die Mindest-Sicherheitsstandards in der europäischen Luftfahrt zuständig ist.

Wie die EASA weiter mitteilte, wird die Umsetzung der neuen Vorschriften den Fluglinien überlassen bleiben. Das heißt, jeder Airline wird freigestellt sein, die ausgeweitete Nutzung elektronischer Geräte an Bord zuzulassen - oder weiterhin zu untersagen. Jenseits dessen dürften die Fluglinien eine Übergangsphase in Anspruch nehmen müssen - allein schon weil sie die Sicherheitshinweise, die in verschiedenen Sprachen ergehen, an die neuen Regeln anpassen müssen. Laptops müssen übrigens bei Start und Landung verstaut bleiben, weil zu sperrig.