Neue Öko-Labels für Haushaltsgeräte So sind Stromfresser künftig zu erkennen

  • Die EU-Kommission will neue Ökokennzeichen für Haushaltsgeräte einführen.
  • Damit soll für den Käufer leichter zu entscheiden sein, wie viel Energie das Produkt verbraucht.
  • In Zukunft soll es keine Labels mehr wie A+++ geben, sondern lediglich A (am effizientesten) bis G (am ineffizientesten).
Von Alexander Mühlauer, Brüssel

Eine Waschmaschine ist eine Waschmaschine, aber es kommt immer auf das Plus an: Wer ein Gerät kaufen will, hat zurzeit die Wahl zwischen A+++, A++, A+ und A. Seit Jahren gibt es schon keine Maschinen mehr, die nicht mindestens zur Energie-Effizienzklasse A gehören. Bei den Spülmaschinen ist es genauso. Trotzdem stehen auf den Geräten noch immer mehrere Buchstaben. Es geht von einem grünen A+++ weiter bis zum dunkelroten G, aber bei den meisten Waschmaschinen hört das Ökolabel ohnehin schon bei einem ebenfalls in Rot markierten D auf.

Als Übergang sollen beide Öko-Labels zu sehen sein

Kein Wunder also, dass die Europäische Kommission das EU-Ökolabel für Haushaltsgeräte reformieren will. Die Skala soll, wie ursprünglich schon einmal geplant, von A für das effizienteste bis G für das ineffizienteste Gerät reichen. So steht es in einem Verordnungsvorschlag, den die Brüsseler Behörde an diesem Mittwoch vorgestellt hat. Auch das Plus-Problem soll damit gelöst werden: Nach einer Übergangszeit von einem halben Jahr soll die Klassifizierung von A+ bis A+++ wegfallen. Bis es soweit ist, werden es die Kunden in den Geschäften nicht gerade leichter haben: Beide Öko-Labels sollen parallel zu sehen sein, um die Verbraucher auf die Umstellung vorzubereiten. Ob das nicht noch für mehr Konfusion sorgt, wird sich zeigen.

Die EU-Kommission ist jedenfalls der Meinung, dass die derzeitigen Energie-Kennzeichnungen bei der Kaufentscheidung nicht mehr viel helfen. "Die Kennzeichnung ist das Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden", sagte EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete. "Die Verwirrung ist also komplett." Vielen Verbrauchern sei nicht bewusst, dass der Unterschied zwischen den Klassen A+ und A+++ ebenso groß sei wie zwischen A und C. Nach der neuen Skala werde deshalb aus der bisherigen Kategorie A mindestens die Klasse D. A+ werde zu C, A++ zu B und A+++ zu A. Es kann auch passieren, dass die Geräte in noch schlechtere Kategorien eingestuft werden - das kommt darauf an, welche Maßstäbe die Kommission bei der Neueinstufung der Haushaltsgeräte festlegt. Genau damit hängt ein Ziel des Brüsseler Vorschlags zusammen: Die Haushaltsgeräte-Hersteller sollen neue Anreize haben, ihre Geräte noch umweltfreundlicher zu machen. Sie sollen den Energieverbrauch noch weiter senken.

Energieeffizientere Geräte - aber auch immer mehr

Für die Hersteller und Händler würden die neuen Ökolabel zunächst vor allem eines bedeuten: mehr Kosten. Genau das kritisiert der CDU-Europaabgeordnete Herbert Reul. Aus seiner Sicht, müsste man die Gesetze gar nicht ändern. "Die bestehenden Probleme einzelner Labels, die eine Reskalierung notwendig machen, hätten auch individuell mit delegierten Rechtsakten behoben werden können", sagt Reul.

Die SPD sieht den Kommissionsvorschlag deutlich positiver. Die derzeitigen Kennzeichnungen seien irreführend und längst überholt, moniert Martina Werner, sozialdemokratische Abgeordnete im Europaparlament. Sie ist der Meinung, dass man nach der neuen Regelung zunächst kein Gerät in die beiden besten Energie-Effizienzklassen A und B einordnen sollte.

Wie es aussieht, könnte die Verordnung nach ein paar Jahren wieder reformbedürftig sein. Denn der technische Fortschritt hat eines gezeigt: Kühlschränke und Waschmaschinen sind in den vergangenen Jahren sehr viel effizienter geworden.

Und das ist doch mal eine gute Nachricht: Sie brauchen in der Tat immer weniger Strom. Trotzdem werden die Energiekosten in Privathaushalten tendenziell nicht geringer werden. Die Zahl an Smartphones, Tablets und Computer aller Art steigt stetig. Es ist also gut möglich, dass die Europäische Kommission bald über ein neues Ökolabel nachdenken muss - eines für Smartphones.