Neue Konzernstrategie "Einen intelligenten Stromzähler kann nur einbauen, wer den Kunden mit Strom versorgt"

Wann immer man Vertreter von Stadtwerken zuletzt fragte, ob ein Internetkonzern wie Google, der in anderen Ländern bereits mit seinem intelligenten Rauchmelder Nest in die Haushalte vordringt, ihnen das Geschäft streitig macht, wurde darauf verwiesen, wie viel Vertrauen die Stadtwerke in der Bevölkerung genießen. Und tatsächlich halten 80 Prozent der Deutschen ihren Stadtwerken die Treue. Es könnte aber auch schlichtweg an der Bequemlichkeit liegen.

"Viele haben die Haltung, dass Strom aus der Steckdose zu kommen hat, Nur wenige haben Lust, sich mit dem Wechsel des Anbieters zu beschäftigen", sagt Jan Oetjen, Geschäftsführer von web.de. VKU-Chefin Reiche verweist zwar darauf, dass Kunden in den eigenen vier Wänden ein Höchstmaß an Sicherheit verlangen. Aber zieht dieses Argument noch, wenn der Rivale kein übergriffiger Konzern aus dem fernen Silicon Valley ist? Sondern ein deutsches Unternehmen, das bei seinen Angeboten ausdrücklich darauf hinweist, dass die persönlichen Daten verschlüsselt übertragen werden - nach den hohen Anforderungen des hiesigen Datenschutzes?

Seit 1998 können die Deutschen ihren Stromversorger frei wählen. Zwar zählen zu den neuen Anbietern, die seit der Liberalisierung ihr Glück in diesem Geschäft versuchten, mit Flexstrom und Teldafax auch zwei Unternehmen, die spektakuläre Pleiten hingelegt haben. Kein anderes Unternehmen, das in Deutschland Insolvenz anmeldete, hinterließ so viele Gläubiger wie Teldafax im Jahr 2011 und Flexstrom drei Jahre später. Dennoch gebe es viele Unternehmen, die mit neuen Ansätzen die Möglichkeiten ausloten - und damit durchaus wie der ehrliche Kaufmann agieren, heißt es bei der Bundesnetzagentur, wo sich jeder neue Stromanbieter anmelden muss.

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Stromkosten

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Als Beweis postet der Fotograf auf Facebook ein Bild mit einer Riesenkopie. Er habe seine Rechnungen immer gezahlt, sagt er.

Unter den privaten Haushalten wechselt nicht einmal jeder zehnte im Jahr den Stromanbieter. Auch deshalb setzt der Neuling auf die 60 Millionen E-Mail-Postfächer, die sie nun für ihre Angebote nutzen können. Damit erreiche man rein rechnerisch jeden zweiten Haushalt, schwärmt Oetjen. Und das in einem Moment, in dem die Menschen ohnehin gerade online sind, vielleicht den Newsletter zum Winterschlussverkauf gesucht haben- und dann den Stromanbieter wechseln.

Das langfristige Ziel, das United Internet verfolgt, ist das Geschäft mit neuen Diensten rund um ein vernetztes Haus. Intelligente Stromzähler werden in Privathaushalten von 2020 an zur Pflicht. In ein paar Jahren, sagt Oetjen, könne man mit dieser Technologie womöglich den Stromverbrauch an das mit dem Wetter schwankende Angebot von Ökostrom anpassen. Batterien fürs Elektroauto könnten zum Puffer werden, ein Chip die Waschmaschine in Gang setzen, wenn die Sonne scheint. Das Geschäft mit solchen Diensten macht nach Ansicht von Oetjen derjenige, der den Kontakt zum Kunden hat. "Einen intelligenten Stromzähler kann nur einbauen, wer den Kunden mit Strom versorgt. Diesen Zugang wollen wir uns nun mit einem ersten Schritt sichern."