Netzbetreiber und die Energiewende:"Haben wir eine Energiewende oder nicht?"

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Damit droht in der deutschen Energiepolitik neuer Krach. Vor allem der Koalitionspartner SPD ist genervt. Das Wirtschaftsministerium von SPD-Chef Sigmar Gabriel wies den Vorstoß der CSU am Mittwoch schroff zurück. "Nein, die Geschäftsgrundlage hat sich natürlich nicht geändert", sagte ein Sprecher Gabriels. Eigentlich gebe es einen breiten Konsens zwischen Bund und Ländern. Es wäre nun vermutlich nicht sehr hilfreich, die gesamte Netzarchitektur infrage zu stellen.

Auch die Netzbetreiber gehen auf Konfrontationskurs. Man werde den Dialog mit den Bürgern erst mal aussetzen, kündigte Tennet-Chef Lex Hartman an. Der Trassenvorschlag sollte eigentlich in den nächsten Wochen mit Bürgern diskutiert werden. Zuvor aber müssten sich Berlin und München wohl auf einen gemeinsamen Kurs einigen, sagt Tennet. "Wir brauchen klare Aussagen der Politik: Haben wir eine Energiewende oder nicht? Sonst können wir nicht bauen."

Die Rechtslage ist klar. Netzbetreiber und Berlin sind im Recht. Denn 2013 hatten Bundestag und Bundesrat auch mit CSU-Beteiligung das Bundesbedarfsplangesetz beschlossen, das den Bau vieler Tausend Kilometer Stromtrassen umfasst. Doch immer klarer wird auch: Die Wende ist ohne das Wohlwollen der Bürger nicht zu schaffen. Gesetze helfen nicht, wo die Überzeugung fehlt. Die Akzeptanz wird darüber entscheiden, ob Berlin das Versprechen einlösen kann, in vier Jahrzehnten 80 Prozent des Stroms aus sauberer Wind-, Wasser- oder Solarenergie zu gewinnen.

Den Planern der Wende läuft derweil die Zeit davon. "Wir haben keinen Puffer", sagt Tennet-Chef Hartman. "Was wir am Anfang an Verspätung mitnehmen, kommt am Ende auf die Bauzeit drauf." Im Klartext: Der Strom, der Atomkraftwerke ersetzen soll, könnte im Süden fehlen und eine sichere Stromversorgung gefährden.

Und doch sind die Debatten um die Trassen von einigen Hundert Kilometern wohl nur der Anfang. An insgesamt 10 000 Kilometer Stromleitungen wollen die Netzbetreiber in den nächsten Jahren arbeiten. Bei knapp der Hälfte handelt es sich um die Ertüchtigung des bestehenden Systems. So können höhere Strommasten mehr Leitungen tragen. Auch sollen entlang bestehender Trassen 2800 Kilometer neue Leitungen verlegt werden. Hinzu kommen 3800 Kilometer gänzlich neuer Trassen. Netzplaner und Tennet-Chef Hartman ist indes überzeugt, dass seine Trasse gen Süden in ein paar Jahren steht: "Technisch gesehen ist das eine Autobahn ohne Ausfahrt."

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