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Pandemie:Bei Netflix ist der Corona-Boom vorbei, bei Zalando nicht

Diana auf Netflix: "Die Krone" erzählt die Geschichte des britischen Königshauses.

(Foto: Des Willie/AP)

Die geimpften Amerikaner schauen weniger Serien, in Deutschland sind Modeläden noch geschlossen. Beides hat Folgen an der Börse.

Der Boom zu Beginn der Corona-Krise hatte Netflix im Vorjahr Rekordergebnisse beschert - nun flaut der Kundenandrang stark ab. Aufgrund pandemiebedingter Produktionsprobleme fehlen zudem neue Streaming-Hits. Netflix hat somit zuletzt deutlich weniger Nutzer hinzugewonnen als erwartet. Im ersten Quartal 2021 legte die Anzahl der Abonnenten um vier Millionen auf knapp 208 Millionen zu, wie Netflix am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Damit verfehlte der Online-Videodienst sowohl sein eigenes Ziel von rund sechs Millionen neuen Kunden als auch die Erwartungen der Wall-Street-Analysten klar. Anleger reagierten enttäuscht und ließen die Aktie nachbörslich zeitweise um mehr als zehn Prozent fallen.

Dabei steigerte Netflix Erlöse und Gewinn in den drei Monaten bis Ende März. Unterm Strich verdiente das Unternehmen 1,7 Milliarden Dollar und damit rund 140 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz wuchs um 24 Prozent 7,2 Milliarden Dollar.

Zudem kämpft Netflix mit wachsender Konkurrenz, so macht etwa der Hollywood-Riese Walt Disney immer stärker Druck. Disney Plus, der im November 2019 gestartete Streaming-Dienst, hatte im März bereits die Marke von 100 Millionen Abos übertroffen. Zwar hat Netflix immer noch mehr als doppelt so viele Nutzer, doch Disney holt rasant auf und ist bislang auch noch in deutlich weniger Ländern vertreten.

Zalando dagegen sei "stärker als jemals zuvor"

Anders sieht die Lage dagegen beim Online-Modehändler Zalando aus. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin ist mit Schwung in das zweite Corona-Jahr gestartet. Der Umsatz im ersten Quartal sei um maximal 48 Prozent auf bis zu 2,26 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Konzern unter Berufung auf vorläufige Zahlen mit. Vom Unternehmen befragte Analysten hatten im Schnitt mit gut 45 Prozent Zuwachs gerechnet.

Dies bestätige, Zalando sei "stärker als jemals zuvor", urteilten die Analysten von Baader Helvea. Mit einem Plus von vier Prozent waren die Aktien am Mittwoch nach Handelsbeginn der größte Gewinner im M-Dax. Der Konzern gilt inzwischen als aussichtsreicher Kandidat für den Leitindex Dax. Zalando profitiert ähnlich wie Konkurrenten wie About You aus Hamburg sowie Asos und Boohoo aus Großbritannien davon, dass immer mehr Menschen wegen vielerorts geschlossener Läden im Internet ihre Kleidung kaufen.

Das sogenannte Bruttowarenvolumen, der Wert aller verkauften Waren, legte von Januar bis März um bis zu 56,5 Prozent auf maximal 3,17 Milliarden Euro zu. Bis 2025 soll es auf jährlich mehr als 30 Milliarden Euro steigen, wie Zalando im März ankündigte. Der Konzern will sich als Plattform etablieren, über die Händler, Modemarken oder stationäre Geschäfte ihre Waren verkaufen und dafür wie auch für Logistik-Dienstleistungen Provisionen an sie zahlen.

Nach einem bereinigten Betriebsverlust von fast 100 Millionen Euro im ersten Quartal 2020 rechnet Zalando nun mit einem Betriebsgewinn (Ebit) von maximal 100 Millionen Euro. Dazu trugen unter anderem weniger Retouren bei und ein guter Start in die Frühjahrssaison.

© SZ/dpa/Reuters
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