Fernsehen:Netflix führt billigeres Abo mit Werbung ein

Lesezeit: 2 min

Der Streamingdienst will künftig seinen Kunden maßgeschneiderte Werbeclips zeigen - und hofft, so endlich aus der Krise zu kommen.

Von Caspar Busse

Die Aktie von Netflix ist im vergangenen Frühjahr deutlich nach unten gegangen. Der Grund: Der Streamingdienst aus den USA hat zu kämpfen, die zunehmende Konkurrenz etwa von Disney+, Amazon Prime und anderen setzt Netflix zu. Im vergangenen Quartal war die Zahl der zahlenden Kunden erneut gesunken. Zuletzt hatten rund 220 Millionen Menschen weltweit ein Netflix-Abo.

Jetzt kündigt das US-Unternehmen einen neuen Kurs an, um die Wende einzuleiten und wieder neue Abonnenten zu gewinnen. Von Anfang November an soll in zunächst zwölf Ländern ein neues Abo mit Werbung eingeführt werden. Dieses ist dann deutlich billiger als bisher. In Deutschland wird das Werbeabo am 3. November starten, es werde für knapp fünf Euro im Monat erhältlich sein, teilte Netflix am Donnerstag mit. Derzeit ist das Basisabo für acht Euro zu haben, das Standardabo ab zwölf Euro, der Preis war Anfang 2022 erhöht worden.

Künftig sind dann in dem neuen Abo durchschnittlich vier bis fünf Minuten Werbung pro Stunde zu sehen, eine begrenzte Anzahl von Filmen und Serien sei aus Lizenzgründen nicht verfügbar. Die Nachfrage der Werbekunden sei hoch, so können etwa individuelle Spots geschaltet werden, abgestimmt auf den Inhalt, je nachdem, ob es sich etwa um eine romantische Komödie oder einen Actionfilm handelt. Politische Werbung oder solche für Zigaretten oder Waffen werde es nicht geben. Die einzelnen Werbespots sollen zwischen 15 und 30 Sekunden lang sein und vor und während der Serien und Filme laufen.

In den USA ist das neue Abo teurer als in Deutschland

Damit dringt Netflix auch in das Geschäft der Privatsender vor. In Deutschland finanzieren die RTL-Gruppe oder Pro Sieben Sat 1 ihr lineares Fernsehprogramm mit Werbung, zuletzt wurde befürchtet, dass angesichts von Ukraine-Krieg, Energiekrise und schlechten Konjunkturaussichten die Werbeausgaben eher sinken werden. Jetzt gibt es auch noch neue Konkurrenz durch Netflix.

Netflix reagiert aber auch auf die wachsende Zahl von Konkurrenten auf dem deutschen Streamingmarkt - bei gleichzeitig sinkender Konsumlaune der Verbraucher. Amazon etwa hat das werbefinanzierte Angebot Freevee gestartet, Filme und Serien werden dort auch mit Werbeunterbrechungen gezeigt. Nach den USA und Großbritannien ist Deutschland das dritte Land, in dem Amazon das Angebot platziert hat. Auch bei den Bezahlangeboten Sky oder Dazn ist bereits zusätzlich Werbung zu sehen, vor den Sendungen oder den Sportübertragungen.

Netflix führt das neue Angebot neben Deutschland jetzt auch in Australien, Brasilien, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Südkorea, Mexiko, Spanien, im Vereinigten Königreich und den USA ein. Weitere Länder sollen folgen. Die Preise sind überall unterschiedlich und teilweise höher als in Deutschland. In den USA wird das Werbe-Abo beispielsweise für sieben Dollar angeboten. Bislang galt es als großer Vorteil der Streamingdienste, dass die Kunden Serien und Filme ohne Werbeunterbrechungen sehen konnten. Netflix teilte mit, dass man nun für jeden "maßgeschneiderte Angebote" schaffen wolle. Netflix-Filme und Serien in besserer Bildqualität, auf mehreren Geräten gleichzeitig und mit Download-Möglichkeit, so dass man Filme und Serien auch offline sehen kann, sind auch künftig nur mit den teuren Abos möglich.

Zur SZ-Startseite

Streamingtipps
:Mit dem Kopf durch Wände

"Pistol", "Die Kaiserin", "The Old Man", "Eine ganz gewöhnliche Frau", "Trom - Tödliche Klippen" und "Another Monday": die neuen Streamingserien.

Lesen Sie mehr zum Thema