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Netflix:Enttäuschung nach dem Boom

Der Streamingdienst Netflix gewinnt nicht mehr so viele Kunden, die Aktie sinkt.

Von Caspar Busse

Die Neuauflage des Klassikers "Rebecca" soll neue Abonnenten anlocken. Das Original von Alfred Hitchcock gewann 1940 den Oscar.

(Foto: Kerry Brown/Netflix/AP)

Ist der große Boom bei den Streamingdiensten schon wieder vorbei? Netflix, der weltweit größte Anbieter, hat nun Zahlen vorgelegt, die mit Enttäuschung aufgenommen wurden. Die Aktie ging am Mittwoch deutlich um fast sieben Prozent nach unten. Die Netflix-Papiere hatten seit Jahresanfang bereits mehr als 60 Prozent zugelegt, das Unternehmen aus Kalifornien, das als Online-Videothek begonnen hatte, wird an der Börse höher bewertet als viele andere Konkurrenten.

Im ersten Halbjahr hatte Netflix noch 25,9 Millionen neue zahlende Abonnenten hinzugewonnen, so viele wie noch nie zuvor und auch mehr als im gesamten Jahr 2019. Der Grund: Weltweit saßen die Menschen wegen der Corona-Pandemie zuhause vor dem Fernseher und suchten Zerstreuung. Dazu kamen Serienhits wie "Tiger King" und einige andere. Nun, von Juli bis September, kamen nur noch 2,2 Millionen neue Kunden hinzu, weniger als von vielen und auch vom Unternehmen selbst erwartet. Der Gewinn von Netflix legte im Jahresvergleich dagegen um 19 Prozent auf 790 Millionen Dollar zu. Der Umsatz stieg sogar um rund 23 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar und übertraf die Prognosen.

Für das laufende Quartal rechnet Netflix nun mit sechs Millionen neuen Kunden, bis Ende 2020 soll damit die Marke von 200 Millionen Abonnenten weltweit überschritten werden. Zum einen dürfte sich das Geschäft des Streaminganbieters nach dem überdurchschnittlich starken Wachstum normalisieren, dazu kommt, dass seit dem Frühsommer wieder viele Sportveranstaltungen stattfinden können und im Fernsehen laufen, das ist durchaus eine Konkurrenz, Netflix hatte zuvor auch sehr von der Sportflaute profitiert. Zum anderen wird die Konkurrenz stärker. Der erst vor kurzem gestartete Streamingdienst Disney + etwa ist überraschend erfolgreich. Gerade erst hat Disney einen grundlegende Konzernumbau verkündet mit dem Ziel, den Online-Videodienst zum klaren Schwerpunkt des Geschäfts machen soll. Netflix wolle seinen Service so schnell wie möglich weiter verbessern, um "Jedermanns erste Wahl für Online-Unterhaltung" zu sein, teilte das Unternehmen dazu am Mittwoch mit.

Befürchtungen, die Pandemie könne das Angebot des Streaming-Anbieters dauerhaft beeinträchtigen, trat Co-Vorstandschef Ted Sarandos entgegen. Die Produktionspipeline für 2021 sei annähernd "intakt", versicherte er. "Die Produktionen könnten etwas langsamer vorangehen, als wir geplant hatten, aber im Wesentlichen sind wir zurück im Geschäft", sagte er in einem Video-Interview. So hätten etwa die Produktionen der neuen Staffeln von Serienhits wie "Stranger Things" schon wieder gestartet werden können. Netflix investiert stark in Inhalte, auch in Deutschland.

© SZ vom 22.10.2020
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