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Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider:Der Wasser-Mann

Bilanzpressekonferenz Nestle

Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider: "Etwas gesünderes als Wasser kann man nicht trinken."

(Foto: picture alliance/dpa)

Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider will dem Konzern ein nachhaltigeres Image verpassen, doch das ist nicht so einfach.

Von Caspar Busse

Mit Wasser kennt sich Ulf Mark Schneider, 55, seit seiner Kindheit aus. Der Mann ist seit 2017 Vorstandschef von Nestlé, dem weltweit größten Lebensmittelkonzern, er wuchs im idyllischen Neuwied am Rhein auf, nördlich von Koblenz. Seine Mutter stammte aus Andernach auf der anderen Rheinseite und bevorzugte deshalb Gerolsteiner Mineralwasser. Sein Vater aber kam aus Neuwied und favorisierte die Marke Selters. "Wir hatten zu Hause früher immer beide", erzählte Schneider jetzt beim Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Dass Wasser nicht einfach gleich Wasser ist, beschäftigt Schneider noch heute bei Nestlé. Der Konzern mit Hauptsitz im schweizerischen Vevey am Genfer See, der mit mehr als 2000 Marken in 190 Ländern präsent ist, steht als einer der großen Anbieter von Mineralwasser immer wieder in der Kritik. Das Unternehmen pumpe Wasser dort ab, wo es ohnehin knapp ist, und verdiene Geld damit, so ein Vorwurf. Zudem werde Nestlé-Wasser quer durch die Welt transportiert und belaste so die Umwelt, obwohl es überall meist lokale Anbieter gebe. Zum Unternehmen gehören Weltmarken wie Perrier, Vittel, S. Pellegrino und Acqua Panna. Schneider sagt, der Konzern nehme die Kritik ernst, besonders in Deutschland sei die Diskussion um das Wasser intensiv.

"Wir verkaufen eine besondere Geschmacksrichtung aus einer besondere Quelle", argumentiert Schneider. Es gehe bei Wasser eben auch um "Präsentation" und "Geschmack". Er kündigte gleichzeitig an, dass von 2023 an alle Nestlé-Mineralwasser klimaneutral angeboten werden sollen, die Umweltbelastung, die durch Transport und Erzeugung entstehe, also ausgeglichen würde. Wasser ist ein wichtiger Geschäftsbereich für Nestlé. "Etwas gesünderes als Wasser kann man nicht trinken", sagt Schneider. Erst vor wenigen Wochen hatte Nestlé den Verkauf des Wassergeschäfts in Nordamerika abgeschlossen. Verschiedene Marken wurden für mehr als vier Milliarden Dollar an Finanzinvestoren abgegeben. Künftig werde man sich vor allem auf hochpreisiges Premiumwasser konzentrieren.

A Swiss flag is pictured on the headquarters building of world food giant Nestle in Vevey

Arbeitsplatz mit Aussicht: Die Zentrale von Nestlé liegt direkt m Genfer See.

(Foto: DENIS BALIBOUSE/REUTERS)

Die Diskussion um gutes Wasser passt in die Bemühungen von Schneider, der Nestlé ein neues und nachhaltigeres Image verpassen will. Weniger Zucker, weniger Kalorien, weniger Müll, weniger Plastik, weniger Fleisch und mehr pflanzenbasierte Produkte sind das Ziel. Doch das ist schwierig, noch immer verdient Nestlé gut mit Marken wie Nespresso, Nestea, Nesquik, mit Schokolade, Süßigkeiten und Snacks, mit Eis und Fertigprodukten. Schneider sagt, Nestlé müsse mit dem Zeitgeist gehen und auch für jüngere Konsumenten attraktiver werden. Das Gesundheitsbewusstsein, das zuletzt auch in der Pandemie gestiegen ist, werde auch in Zukunft hoch bleiben, glaubt Schneider. Gesündere Ernährung, mehr Schlaf, mehr Bewegung - das werde auch nach dem Ende von Corona so bleiben.

Schneider hat in St. Gallen und Harvard Betriebswirtschaft studiert und dann eine steile Karriere gemacht. Er fing beim Mischkonzern Haniel an und wurde 2001 Finanzvorstand bei Fresenius Medical Care, 2003 stieg er im Alter von nur 37 Jahren zum Chef des Mutterkonzerns Fresenius auf. Er baute das Gesundheitsunternehmen auch mit Übernahmen zielstrebig und geschickt aus, 2009 stieg Fresenius sogar in den Dax auf. Anfang 2017 übernahm Schneider überraschend und als erster Externer die Führung von Nestlé. Während der Pandemie konnten die Schweizer massiv um fast acht Prozent Umsatz zulegen, weil nun viele mehr Lebensmittel zu Hause konsumieren. Man sei für die weitere Entwicklung auch nach der Normalisierung der Corona-Lage optimistisch, sagt Schneider. Auch für ihn wird es bald normaler: Der Nestlé-Chef wird in dieser Woche geimpft.

© SZ
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