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Geldanlage:Negativzins kommt beim normalen Sparer an

Volksbank Fürstenfeldbruck

Die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck legt derzeit keinen Wert auf Neukunden, die bei ihr Geld parken wollen.

(Foto: Günther Reger)
  • Wer bei der Volksbank Fürstenfeldbruck ein Tagesgeldkonto eröffnet, zahlt seit dem 1. Oktober Strafzinsen.
  • Experten vermuten, dass auch andere Kreditinstitute Sparern bald vom ersten Euro an Negativzinsen berechnen.

Das gab es noch nie in Deutschland: Die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck hat Negativzinsen schon ab dem ersten Euro eingeführt. Betroffen sind neu eröffnete Tagesgeldkonten seit dem 1. Oktober. Von jedem Kunden, der neu bei ihr Geld anlegt, verlangt die Volksbank jetzt 0,5 Prozent Minuszinsen. Sie sendet damit das Signal, dass sie keine neuen Kunden haben will, die ihr Geld bringen.

Vorstand Robert Fedinger begründete dies mit den Strafzinsen von 0,5 Prozent, die Geschäftsbanken zahlen, wenn sie Geld kurzfristig bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Andere Kunden seien nicht betroffen. "Wir wollen unsere langjährigen Kunden schützen, so lange dies möglich ist", sagte er.

"Dammbruch"

Das Internetportal Verivox spricht trotzdem von einem "Dammbruch". Denn lange Zeit waren nur vermögende Privatkunden und Firmenkunden von Negativzinsen betroffen. Dabei gab es aber in der Regel einen hohen Freibetrag von einer Million Euro, 500 000 Euro oder 100 000 Euro. Anfang November unterschritt die Volksbank Magdeburg erstmals diese Grenze und führte einen Freibetrag von 75 000 Euro ein. "Nun verzichtet mit der Volksbank in Fürstenfeldbruck die erste Bank bei ihren Neukunden komplett auf einen Freibetrag", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer von Verivox. "Damit sind Negativzinsen endgültig beim durchschnittlichen Sparer angekommen."

"Wir beobachten aktuell sehr viel Bewegung am Markt", sagt Maier. Er erwartet, dass diese Entwicklung noch weitergeht: Immer mehr Geldhäuser in Deutschland dürften in nächster Zeit generell Negativzinsen einführen, bestehende Negativzinsen weiter erhöhen oder die Freibeträge senken.

Ursache sei die Entscheidung der EZB im September, den Einlagenzins von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent zu senken. Sie führte dabei zwar auch Freibeträge für die Institute ein, gleichzeitig sandte sie damit aber das Signal aus, dass die Negativzinsen noch längere Zeit bestehen bleiben. Die Banken in Deutschland, die zunehmend darunter leiden, stellen sich nun darauf ein und geben die Minuszinsen an immer mehr Kunden weiter.

Sieben Banken berechnen Gebühren für Tagesgeldkonten

Verivox untersucht die Preisaushänge von rund 800 Banken und Sparkassen in Deutschland. Davon verlangen derzeit 21 Institute ab hohen Summen Negativzinsen von ihren Kunden. Sieben Banken berechnen Gebühren für Tagesgeldkonten, die sehr gering oder gar nicht verzinst sind, wodurch ein faktischer Negativzins entsteht. Über weitere 19 Banken gab es Berichte über Negativzinsen in den Medien, diese stehen aber nicht in den Preisaushängen.

Bekannt ist auch, dass Banken bei Firmenkunden und Kommunen, besonders ab höheren Summen, häufig Minuszinsen berechnen. Mit vermögenden Privatkunden führen sie oft auch individuell Gespräche, in denen sie ihnen raten, das Geld als Festgeld oder in Wertpapieren anzulegen; wenn sie es auf dem Girokonto oder dem Tagesgeldkonto liegen lassen, werden Negativzinsen fällig.

Die Deutsche Bank und die Commerzbank kündigten erst kürzlich an, Negativzinsen auch für vermögende Privatkunden einzuführen oder individuelle Gespräche zu führen. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken verschickte jüngst ein Schreiben an alle Mitgliedsinstitute. Darin empfahl er einen Vierstufenplan, wie die Volks- und Raiffeisenbanken bei der Einführung von Minuszinsen rechtlich vorgehen sollten. Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis sagte in diesen Tagen zwar: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Negativzinsen oder Verwahrentgelte für die breite Kundschaft ein Thema werden." Er fügte aber hinzu: Kein Institut könne auf Dauer gegen die Marktbedingungen und die betriebswirtschaftliche Logik agieren. Deshalb wäre es "nicht seriös, heute für alle Zukunft gültige Erklärungen abzugeben".

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