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Geldanlage:Weitere Bank verlangt Negativzinsen ab dem ersten Euro

Genossenschaftsbanken sind Kreditinstitute, die in der Rechtsform einer Genossenschaft oder Aktiengesellschaft geführt

Schild einer Volks- und Raiffeisenbank: Zwei genossenschaftliche Institute haben inzwischen Negativzinsen für normale Sparer eingeführt.

(Foto: imago images/Manngold)
  • Nach der Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck verlangt nun auch VR-Bank Westmünsterland Negativzinsen von Sparern.
  • Hintergrund sind die Zinsen, die die Europäische Zentralbank seit 2014 von Geschäftsbanken verlangt, wenn diese bei ihr Geld kurzfristig parken.

Normale Bankkunden müssen sich zunehmend auf Negativzinsen einstellen: Mit der VR-Bank Westmünsterland verlangt ein weiteres Kreditinstitut Strafzinsen von Privatkunden - und zwar ab dem ersten Euro. Die Bank weist in ihrem Preisaushang einen Zins von minus 0,5 Prozent aus, wenn Kunden bei ihr Tagesgeld neu anlegen, teilte das Finanzportal Verivox am Dienstag mit. Auch auf dem Girokonto wird der Minuszins fällig, allerdings gibt es dabei einen individuellen Freibetrag, bis zu dem keine Negativzinsen anfallen. Das Geschäftsgebiet der VR-Bank Westmünsterland liegt nahe der niederländischen Grenze, Hauptsitz ist Coesfeld.

Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck seit 1. Oktober für Tagesgeld ab dem ersten Euro einen Zins von minus 0,5 Prozent berechnet. Damit waren erstmals normale Sparer von Negativzinsen betroffen. Andere Banken hatten sie zwar vorher schon eingeführt, allerdings erst ab Freibeträgen von 100 000 Euro oder mehr.

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Hintergrund sind die Strafzinsen, die die Europäische Zentralbank seit 2014 von Geschäftsbanken verlangt, wenn diese bei ihr Geld kurzfristig parken. Im September senkte sie diesen Einlagensatz von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent und signalisierte damit, dass die Phase negativer Zinsen noch länger anhalten wird.

"Lange waren vor allem vermögende Privatkunden von Negativzinsen betroffen, doch dieser Damm ist gebrochen", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer von Verivox. Er rechnet damit, dass in den nächsten Wochen und Monaten weitere Banken dem Beispiel der beiden Institute folgen. "Spätestens wenn Kunden im großen Stil anfangen, Einlagen zu verschieben, wird es für Banken schwerer, sich dem Trend zu Negativzinsen zu entziehen", sagt Maier.

Am Ende dieser Spirale könnte die breite Masse der Sparer betroffen sein

Genauso hatte die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck ihren Schritt begründet: "Wir müssen das tun, weil in jüngster Zeit vermehrt Kunden anderer Banken zu uns kommen, die dort ihren Freibetrag ausgeschöpft haben", sagte der Vorstand. Je mehr Institute Negativzinsen einführen, desto mehr Kunden werden versuchen, ihr Geld bei anderen Banken unterzubringen. Diese schützen sich davor, indem sie selbst Negativzinsen verlangen. Am Ende dieser Spirale könnte die breite Masse der Sparer betroffen sein.

Führt eine Bank Negativzinsen ein, gilt dieser erst einmal nur für Neukunden. Will ein Institut von bestehenden Kunden Minuszinsen erheben, muss sie dies individuell vereinbaren. Nach Erkenntnissen von Verivox verlangen derzeit 23 Banken laut Preisaushang Negativzinsen von Kunden, meist mit einem hohen Freibetrag. Über 19 Banken gab es Medienberichte zu Negativzinsen, sie weisen diese aber nicht im Preisaushang aus.

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