bedeckt München 17°
vgwortpixel

Nahaufnahme:Zoff ums Ritz

Sir Frederick Barclay: „Wir sind überrascht und beunruhigt über die Ankündigung, dass das Ritz Hotel angeblich verkauft worden ist.“

(Foto: Kirsty O'Connor/PA)

Der Milliardär Sir Frederick Barclay will den Verkauf des Luxushotels durchkreuzen - und droht seinem Zwillingsbruder mit einer weiteren Klage.

Vor 25 Jahren kauften zwei Brüder das Ritz in London. Die beiden bezahlten damals 75 Millionen Pfund für das Luxushotel, in dem sich einst Winston Churchill, Dwight D. Eisenhower und Charles de Gaulle während des Zweiten Weltkriegs zu Treffen verabredet hatten. Nun wird ein neues Kapitel in der über hundertjährigen Geschichte des Ritz aufgeschlagen: Ein Investor aus Katar soll die Immobilie gekauft haben, angeblich für 750 Millionen Pfund. Viel zu wenig, findet Sir Frederick Barclay, einer der beiden Brüder. Er hatte mindestens eine Milliarde Pfund für das Ritz gefordert und droht nun, mit rechtlichen Schritten gegen den Deal vorzugehen.

"Wir sind überrascht und beunruhigt über die Ankündigung, dass das Ritz Hotel angeblich verkauft worden ist", sagte ein Sprecher von Sir Frederick. Man sei nicht konsultiert worden und habe den Verkauf auch nicht genehmigt. Dann fügte er noch hinzu: "Jeder potenzielle Käufer wird mit erheblichen Rechtsstreitigkeiten konfrontiert, wenn dieser Deal nicht von allen Seiten genehmigt wird." Im Klartext heißt das: Der Verkauf an den arabischen Investor ist aus Sir Fredericks Sicht praktisch nichtig, schließlich fehlt sein Einverständnis und das seiner Tochter Amanda.

Mit dem Streit um das Ritz spitzt sich eine Familienfehde zu, über die sich die Londoner Hautevolee schon länger das Maul zerreißt. Im Mittelpunkt stehen Sir Frederick und sein Zwillingsbruder Sir David, beide 85 Jahre alt, geschätztes Vermögen: etwa drei Milliarden Pfund. Die Barclay Brothers, wie man sie im Vereinigten Königreich nennt, zählen zu den reichsten Briten. Sie haben ihr Leben lang stets zusammengearbeitet und sich so ein Imperium erschaffen, das seinesgleichen sucht. Neben dem Ritz sticht vor allem ein Investment heraus: die Telegraph Media Group, jenes einflussreiche Verlagshaus, das die Zeitung Daily Telegraph herausgibt.

Sir Frederick und Sir David wurden im Herbst 1934 in London geboren. Ihr Vater war Handelsreisender; er starb als die beiden gerade mal zwölf Jahre alt waren. In den 1950er-Jahren arbeiteten die Zwillinge als Dekorateure, ehe sie einen Laden namens Candy Corner betrieben, der Tabak- und Konditoreiwaren verkaufte. In den Sechzigern und Siebzigern erwarben die Barclays mehrere Unternehmen, darunter Brauereien, Hotels und Kasinos. So ging es weiter. Die Brüder schufen ein Vermögen, mit dem sie sich 1993 sogar eine gemeinsame Kanalinsel kauften. Auf Brecqhou steht noch immer ein Herrenhaus mit 60 Zimmern. Doch Sir Frederick war offenbar schon lange nicht mehr dort.

Dem Guardian zufolge soll er in den vergangenen Jahren zumindest zeitweise in Monaco gewohnt haben. Auf die Frage, ob er im Steuerexil lebe, entgegnete Sir Frederick einst, dass er aus gesundheitlichen Gründen im Ausland lebe. Anscheinend hat ihm an der Côte d'Azur aber nicht nur das Klima besser behagt als auf den britischen Inseln, sondern auch die ein oder andere steuerliche Vergünstigung. Nun dürfte er die meiste Zeit wieder in London verbringen. Denn die britische Hauptstadt ist nun der Schauplatz eines Familienzwists, der die Barclays zu zerreißen droht. Und das Luxushotel Ritz bietet dafür die passende Kulisse.

Ausgerechnet dort soll Sir Frederick im Januar abgehört worden sein, als er sich mit seiner Tochter Amanda bei einer Zigarre über die Zukunft des Familienvermögens unterhielt. Frederick macht dafür seinen Bruder David und dessen Kinder verantwortlich. Es läuft bereits ein Gerichtsverfahren. Wie es aussieht, dürfte nun ein weiteres in Sachen Ritz hinzukommen. Die Erfolgsaussichten für Sir Frederick sind ungewiss, denn die Mehrheit des Barclay-Besitzes gehört dem Familienzweig seines Bruders.

© SZ vom 01.04.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite