Nahaufnahme:Was auf den Teller soll

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Nahaufnahme: "Wir wollen erst einmal fragen, was die Menschen brauchen", sagt Margareta Büning-Fesel.

"Wir wollen erst einmal fragen, was die Menschen brauchen", sagt Margareta Büning-Fesel.

(Foto: David Maupilé)

Margareta Büning-Fesel leitet das Bundesernährungszentrum. Sie hat viel Netzwerk-Arbeit vor sich, denn wichtige Felder wie Schulessen sind Sache der Länder.

Von Kristiana Ludwig

Wenn doch mal alles im Leben so einfach wäre wie eine Pyramide. Mit ihr lässt sich selbst das große Rätsel der gesunden Ernährung auf ein simples Klötzchendiagramm bringen: Ganz oben steht ein einsamer Klotz, darauf die Zeichnungen einer Tüte Pommes und eines Bonbons. Unten liegen sechs Klötze mit Wassergläsern - und dazwischen solche mit Getreide und Gemüse. Die Lebensmittelpyramide ist so etwas wie das Aushängeschild des Auswertungs- und Informationsdienstes für Ernährung (AID). Deren Leiterin, Margareta Büning-Fesel, wird nun ab Mittwoch dafür verantwortlich sein, dass alle Deutschen Gesundheitsformeln wie diese verinnerlichen. Sie wird die Chefin des neu gegründeten Bundeszentrums für Ernährung, das im Februar seine Arbeit aufnimmt.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und seine Vorgänger im Amt haben in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Initiativen gestartet, um den Bürgern zu erklären, wie sie richtig essen sollen. Da ist das Abnehmprogramm "In Form", mit dem Landwirtschaft- und Gesundheitsministerium Sport- und Ernährungsprojekte finanzieren. Die staatliche "Beste-Reste-Box", in der die Leute ihre halb verzehrten Portionen verstauen sollen. Oder das nationale Qualitätszentrum für Schulessen, das wiederum die Bundesländer ermuntert, in Schulkantinen auf eine gute Küche zu achten. Margareta Büning-Fesel soll mit dem Bundeszentrum für Ernährung jetzt all diese Ideen unter einen Hut bringen, am besten, ohne eine von ihnen ganz zu verwerfen. Sie muss für die unterschiedlichen Konzepte, Mitarbeiter und Projekte eine Struktur finden, die endlich stimmig ist. Mit einer Pyramide wird es da nicht getan sein.

Margareta Büning-Fesel ist 54 Jahre alt und eigentlich Ernährungswissenschaftlerin. Beim AID-Infodienst fing sie als Redakteurin an, heute lehrt sie an verschiedenen Universitäten. Auch der AID entwickelt Broschüren und Lehrmaterialien für den Unterricht. Er bietet Pakete an, mit denen Lehrer ihren Schülern einen "Ernährungsführerschein" abnehmen können. Mittlerweile gibt es auch eine AID-App, die digitale Pyramide. Im Jahr 2001 stieg Büning-Fesel zum geschäftsführenden Vorstand des AID auf. Eine Organisation zu managen, war für sie "learning by doing", sagt sie.

Mit der Gründung des Bundeszentrums für Ernährung wird der Infodienst nun aufgelöst. Statt rund sieben Millionen Euro hat Büning-Fesel in Zukunft 20 Millionen zur Verfügung. Das ist die Summe für alle Bundesprojekte. Allerdings ist das Geld zunächst auch in den alten Konzepten gebunden. Wenn das Ernährungszentrum startet, wird sich Büning-Fesel deshalb vortasten: "Wir wollen erst einmal fragen, was die Menschen brauchen", sagt sie.

Ideen? Möglicherweise könnte es für viele Menschen hilfreich sein, wenn der Salat in der Kantine griffbereit am Eingang steht, sagt Büning-Fesel. Und zwar noch vor den Pommes und dem Nachtisch. Genauso wie in Supermärkten Quengelkassen und psychologisch geschickt drapierte Sonderangebote den Appetit der Leute wecken, könnten Schulküchen und Betriebskantinen gesund gestaltet werden. "Nudging" nennen das Marketingexperten - die Lebensmittelpyramide als Raumkonzept.

Um als oberste Ernährungsaufklärerin so eine Idee umzusetzen, hat Büning-Fesel bislang allerdings nur ihre Stimme. Schließlich gibt es in Deutschland 16 verschiedene Vernetzungsstellen für Schulessen. Manche Bundesländer setzen zudem Kontrolleure ein, andere wiederum verzichten darauf. Sicher ist, das sich die wenigsten Landesregierungen gerne von Berlin hineinreden lassen. Vor Margareta Büning-Fesel liegt also "Netzwerkarbeit", sagt sie. Ein Netzwerk ist immerhin auch eine Struktur.

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