NahaufnahmeVorbereitet und offen

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Ann-Kristin Achleitner: "Ich bin dankbar, für die Gelegenheiten, die ich bekommen habe."
Ann-Kristin Achleitner: "Ich bin dankbar, für die Gelegenheiten, die ich bekommen habe."
Stephan Rumpf

Ann-Kristin Achleitner sieht Chancen und packt kräftig zu. Heute sitzt die Frau im Aufsichtsrat von Linde und Munich Re. Sie ist dankbar, dass sie einst gefördert wurde.

Von Elisabeth Dostert

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Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft. Der Satz stammt nicht von Ann-Kristin Achleitner, 53. Er wird dem Philosophen Seneca zugeschrieben, aber die Professorin und Aufsichtsrätin Achleitner zitiert ihn beim Plan-W-Kongress in Berlin, und Achleitner lebt ihn. Und es ist auch ihr Rat an andere Frauen, vorbereitet und inhaltlich offen zu sein und Chancen zu sehen. "Ich bin dankbar für die Gelegenheiten, die ich bekommen habe." Aber sie war auch gut vorbereitet, sehr offen, und packte kräftig zu.

Heute sitzt Achleitner im Aufsichtsrat von Linde und Munich Re. Dass sie solche Mandate hat, erklärt Achleitner so, dass einst jemand den Mut gehabt habe, ihr relativ jung die Gelegenheit für ein solches Mandat bei einem börsennotierten Unternehmen zu bieten. Das war Mitte der 90er-Jahre die Depfa-Bank. Achleitner hatte schon mal mehr Kontrollposten, aber Mandate kosten sehr viel mehr Zeit als früher. Und sie setzt andere Schwerpunkt in ihrer Arbeit. Sie sitzt in einem Beratergremium der Investmentgesellschaft Investcorp und im Präsidium von Acatech, der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften, die Politik und Gesellschaft berät. Auf alle Aufgaben habe sie sich gut vorbereitet.

Ann-Kristin Achleitner hat in St. Gallen in Betriebswirtschaft und Jura promoviert. Dort wurde sie habilitiert. Dort lernte sie ihren Mann kennen, Paul Achleitner, 62, heute Chef des Aufsichtsrats der Deutschen Bank, Mitglied der Kontrollgremien von Bayer und Daimler. Ein einflussreicher Mann, der seit Monaten heftig von Investoren kritisiert wird. Aber über Privates will sie nicht reden, "weder in guten noch in schlechten Zeiten." Die Familie ist ihr wichtig. Auch dafür hat sie ihre Arbeitszeit reduziert. "Ich bin 70 Prozent berufstätig: 20 Prozent Uni und 50 Prozent anderes", das ist ihre Formel. Sie redet schnell und dicht, als gelte es, maximales Wissen in jeden Satz und jede Minute zu pressen.

Achleitner hat als Beraterin gearbeitet, in St. Gallen und an der European Business School in Oestrich-Winkel gelehrt und seit 2001 an der Technischen Universität München. Die Themen Innovation und Frauenförderung liegen ihr am Herzen. "Aber die Zeiten, in denen ältere Frauen jüngeren Ratschläge geben, sind vorbei. Ich sehe momentan eher das Lernen in die andere Richtung." Sie redet viel mit Gründern, die Begeisterung für Neues ist ihr anzusehen. Sie webt ihr Netzwerk beständig und fleißig weiter.

© SZ vom 07.06.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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