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Nahaufnahme:Sicher ist sicher

Louis Gritzo: "Das größte allgemeine Risiko, auf das sich Unternehmen einstellen müssen in den nächsten Jahren, sind Unwetter."

(Foto: oh)

Der Versicherungsmanager Louis Gritzo leitet ein Zentrum, das Naturkatastrophen und Brände simuliert. Firmen lernen so, Risiken zu vermeiden.

Louis Gritzo spielt mit dem Feuer. Erst vor Kurzem haben er und seine Leute ein Warenlager in Brand gesetzt. Nicht etwa, weil ihnen dergleichen besonderen Spaß macht, sondern weil sie herausfinden wollen, wie sich Flammen in einer solchen Umgebung ausbreiten - und wie sich das verhindern lässt. "Es war sehr eng da drin, in den Hochregalen lagerte viel Plastik", erzählt der 55-jährige US-Amerikaner. Er ist Vizepräsident der Versicherung FM Global und leitet ein großes Forschungszentrum in dem sich Stürme, Überschwemmungen, Erdbeben und Brände simulieren lassen. Das Gelände in West Glocester im US-Bundesstaat Rhode Island gilt mit einem Investitionsvolumen von 125 Millionen Dollar als eines der modernsten und größter Einrichtungen seiner Art weltweit.

Wenn es auf dem Testgelände kracht und qualmt, ist der Chef oft ganz in der Nähe. "Unser Research-Campus ist extrem wichtig, um unseren Kunden zu zeigen, wie solche Gefahren in ihrem Fall aussehen könnten", erklärt er. Zu Gritzos Aufgaben gehört es auch, Gefahren zu bewerten, die nach Einschätzung von Experten mit dem Klimawandel zunehmen werden. "Das größte allgemeine Risiko, auf das sich Unternehmen einstellen müssen in den nächsten Jahren, sind Unwetter." Bei FM Global befassen sich allein 1800 Ingenieure mit Extremwetterschäden. Es werde mehr starke Stürme geben, die höhere Schäden verursachen, sagt Gritzo. "Und damit steigt die Gefahr von Fluten und Hochwasser." In Küstenregionen komme der steigende Meeresspiegel hinzu. Zuletzt verursachte Hurrikan Dorian auf den Bahamas gewaltige Schäden. Wäre er mit voller Wucht auf das amerikanische Festland gestoßen, hätte er vermutlich noch weitaus größere Verwüstungen angerichtet.

Für die Unternehmen können solche Unwetter neben beträchtlichen Schäden an Anlagen auch einen längeren Produktionsausfall bedeuten, der leicht die Existenz gefährden kann. "Jeder Dollar, der in Schutzmaßnahmen investiert wird, kann im Krisenfall drohende Verluste um ein vielfaches verringern", erklärt der Versicherungsmann, der auch außerhalb seines Unternehmens ein gefragter Experte für Brand- und Erdbebenrisiken ist. Bevor er 2006 zu FM Global stieß, war er Manager einer Forschungseinrichtung für Feuerschutz in New Mexico.

Mit knapp sechs Milliarden Dollar Jahresumsatz und Kunden in fast 150 Ländern, gut 100 davon in Deutschland, ist FM Global einer der bedeutendsten Industriesachversicherer der Welt mit einem besonderen Ansatz. Er ist eine Art Verein. Die Kunden des Versicherers sind zugleich seine Miteigentümer.

Schäden schon im Vornherein durch Schutzmaßnahmen möglichst gering zu halten, das ist Zweck der Einrichtung in Rhode Island. "Die meisten Menschen haben noch nie erlebt, wie etwa ein Hochwasser ihr Firmengelände flutet", sagt Gritzo. Viele Manager könnten sich gar nicht vorstellen, dass ein solcher Fall überhaupt eintrete, und wenn doch, glaubten sie, es werde schon nicht so schlimm werden. "Wenn die Verantwortlichen auf unserem Campus erleben, wie vernichtend Wassermassen sein können, erkennen sie, wie wichtig es ist, Schutzmaßnahmen zu ergreifen."

Doch wie schützt sich ein Experte wie Gritzo selbst? "Ich bin sehr gut versichert als Privatmann, kümmere mich aber auch darum, mögliche Risiken zu vermeiden." Zu Hause habe er deshalb Äste von einem großen Baum, der nahe am Haus steht, mithilfe eines Krans entfernen lassen. "Das war teuer. Sicher hätte man da jetzt diskutieren können, ob einer der Äste nun das Haus getroffen hätte oder nicht." Aber er habe an den nächsten Winter und die kommenden Stürme gedacht. "Also habe ich getan, was ich konnte."