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Nahaufnahme:Plötzlich im Mittelpunkt

„Wir müssen uns Fragen stellen wie: Was bedeutet Sparkasse für die Menschen“, Thomas Mang, Sparkassenpräsident von Niedersachsen.

(Foto: oh)

Der Sparkassen-Vize Thomas Mang muss die Neufindung des Sparkassen- und Girodachverbandes DSGV moderieren.

Von Meike Schreiber

Noch vor einer Woche hätte sich Thomas Mang wohl nicht vorstellen können, dass er nur wenige Tage später derart im Mittelpunkt steht. Zumindest in der Sparkassenwelt, also Deutschlands größter Bankengruppe, aber auch darüber hinaus.

Bis dato hielt sich der 57-jährige Sparkassenpräsident von Niedersachsen nämlich gerne dezent im Hintergrund. Da er zugleich aber Vizepräsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) ist, fällt ihm nach der Steueraffäre von Präsident Georg Fahrenschon nun die undankbare Aufgabe zu, die Weichen für einen Neuanfang bei den Sparkassen zu stellen. Für Dienstag, elf Uhr, hatte Mang die übrigen zehn regionalen Sparkassenpräsidenten zusammengerufen, nicht etwa wie üblich in Berlin in der Friedrichstraße, wo der DSGV seinen Sitz hat, sondern in Hannover, dort wo Mang der Hausherr ist. Nach mehreren Stunden Sitzung drang am Abend heraus: Es werde sich eine Lösung finden, wie man Fahrenschon bewegen könne, sein Amt bis Mai 2018 ruhen zu lassen. Dann läuft sein Vertrag aus. Ob er dazu sogar gekündigt werden muss, war am Abend indes noch offen. Außerdem soll nun offenbar sein Vize Mang interimistisch die Verbandsführung übernehmen. Offiziell beschlossen sei jedoch noch nichts, hieß es in Sparkassenkreisen.

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer chaotischen Woche, in der sich der seit 2012 amtierende Fahrenschon binnen Tagen vom einzigen Kandidaten für eine zweite Amtszeit ins Karriere-Aus manövrierte. Vergangenen Mittwoch hätte Fahrenschon gewählt werden sollen, so war es lange geplant. Doch just am Tag zuvor war lanciert worden, dass ihn die Staatsanwaltschaft der Steuerhinterziehung verdächtigt, und zwar seit Monaten, ohne dass es im DSGV bekannt war. Bayerns Ex-Finanzminister hatte seine Steuererklärung für 2012 bis 2014 erst 2016 abgegeben.

Zunächst sprachen ihm Mang und Kollegen noch das Vertrauen aus und begnügten sich damit, die Wahl zu verschieben, um die Sache durch ein Gericht klären zu lassen. Dann aber wuchs die Empörung von Tag zu Tag. Fahrenschon müsse eigentlich bis Dienstag zurücktreten, hieß es.

Für die Institute steht viel auf dem Spiel: Ihr Präsident ist mehr als nur ein x-beliebiger Lobby-Vertreter. Er ist der Anführer der roten Truppe. Die Vorstände der 390 Sparkassen können grundsätzlich selbst entscheiden über die Institute. Der Präsident aber gibt die Strategie vor; er verteidigt sie gegen die als übermäßig empfundene Regulierung. Derzeit muss er auch noch die komplizierte Privatisierung der HSH Nordbank mitbegleiten.

Kein Wunder, dass seit Tagen nicht mehr nur Fahrenschon Gesprächsthema ist, sondern um die Nachfolger gerungen wurde. Kein einfaches Unterfangen, schließlich kommen mehrere der elf Regionalpräsidenten infrage, sowie Kandidaten von außen. Traditionell ist der DSGV fest in CDU-Hand; was für Michael Breuer, den rheinischen Präsidenten sprechen würde.

Völlig offen ist daher, wer nach Mai 2018 die Verbandsführung übernimmt. Das soll in Ruhe entscheiden werden, hieß es. Für Mang als dauerhaften Präsident spricht zwar, dass er kein Parteibuch hat und daher mit allen Beteiligten der neuen Bundesregierung zurecht kommen sollte. Andererseits wird die CDU das prestigeträchtige Amt nicht einfach aus der Hand geben.

Mang ist Urgestein der Branche, gleichwohl wissen selbst Insider wenig über ihn. Ausbildung bei der Bremer Sparkasse, Studium an der Sparkassenakademie, seit 2003 steht an der Spitze des Regionalverbandes: ein Eigengewächs. Präsidiale Reden beherrscht er aus dem Effeff. "Wir müssen uns Fragen stellen wie: Was bedeutet Sparkasse für die Menschen?", sagte er gerade in Hannover.

© SZ vom 15.11.2017

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