Nahaufnahme Optimal gestimmt

Dan Glotter: „Die Deutschen sind neugierig und halten die Augen offen. Dieses Verständnis sehe ich in den USA nicht.“

(Foto: oh)

Warum der Israeli Dan Glotter, dessen Firma Optimal Plus Daten-Analysen für die Halbleiterindustrie und den Elektronikbereich durchführt, die deutsche Autoindustrie mag.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Dan Glotter hat ein Motto: "Wenn man nicht startet, dann schafft man auch nichts." Der hemdsärmelig auftretende Israeli hat einiges geschafft in seinem Leben. Nach seinem Ingenieurstudium am renommierten Technion in Haifa war der inzwischen 55-Jährige einer der Wegbereiter für die Chipindustrie in Israel. Elf Jahre lang hat er für Intel in Israel gearbeitet, für den US-Konzern eine Fabrik in Kiryat Gat aufgebaut und daneben noch einen MBA-Abschluss gemacht. 2005 verwirklichte er dann seinen Traum: ein eigenes Unternehmen. Optimal Plus zählt heute zu den führenden Unternehmen im Bereich Big Data-Analysen für die Halbleiterindustrie und den Elektronikbereich. "Milliarden Chips werden von uns analysiert, Terrabytes um Terrabytes: die ganze Lieferkette und der Produktionsbereich", erläutert Glotter.

Er wohnt in einem der Hochhäuser im Zentrum von Tel Aviv, von wo aus man einen grandiosen Blick über die Stadt hat. Sein Unternehmen mit 250 Mitarbeitern hat er in der Nachbarstadt Holon angesiedelt, etwa 15 Autominuten entfernt. Vor drei Jahren hat Optimal Plus damit begonnen, sich auf die Automobilbranche zu spezialisieren. "Die großen Veränderungen passieren in diesem Bereich und alle Entwicklungen hängen mit der Elektronik in Fahrzeugen zusammen. Wir helfen den Unternehmen, den Herstellungsprozess zu optimieren, sodass eine bessere Qualität herauskommt und weniger Rückrufe vorgenommen werden müssen", sagt Glotter. Bei der Produktion von rund 75 Prozent aller Fahrzeuge weltweit kommt Software von Optimal Plus zum Einsatz, heißt es in der Selbstdarstellung des Unternehmens.

7000 Halbleiter sind in jedem Fahrzeug enthalten. Je mehr die Entwicklung selbstfahrender Autos voranschreitet, desto komplizierter und auch fehleranfälliger werden die Systeme, weil auch noch die Sensorik berücksichtigt werden muss.

Zugeknöpft gibt sich der ansonsten redselige Israeli, wenn es um Kennzahlen seines Unternehmens und Kunden geht. "Die größten arbeiten mit uns, nicht alle darf ich nennen", erklärt er. Zum Umsatz: "Ganz nett und im hohen zweistelligen Bereich, noch nicht dreistellig" - Millionen Dollar natürlich.

Aus Deutschland sind seit Jahren Bosch und Continental Kunden, aber auch mehrere Dutzend kleinere Unternehmen. Überhaupt ist Glotter voll des Lobes über die Vertreter der deutschen Autobranche. Die Deutschen würden die Veränderungen mit der notwendigen Ernsthaftigkeit angehen, viele Delegationen würden sich in Israel an Ort und Stelle informieren. "Die Deutschen haben verstanden, worum es geht. Sie wissen, wenn sie wettbewerbsfähig sein wollen, müssen sie innovativ sein. Sie sind neugierig und halten die Augen offen. Dieses Verständnis sehe ich in den USA nicht."

In München gibt es eine Vertretung von Optimal Plus mit derzeit sechs Mitarbeitern. Glotter kann sich vorstellen, eine Entwicklungsabteilung in Deutschland aufzubauen. "Die deutsche Kultur zu nehmen und sie mit der israelischen mixen, das ist es!" Ob er jemanden finden würde, der von Israel nach Deutschland zieht? "Für den Automobilbereich ja, im Halbleiterbereich wäre das schon schwieriger."

Gutes Personal zu halten sei eines der wichtigsten Themen in der Branche, meint Glotter, der auch im Board der israelischen Hightech-Association sitzt. Er selbst gibt seinen Mitarbeitern jede Woche einen halben Tag frei, in dieser Zeit können sie sich fortbilden, Kurse werden vom Unternehmen bezahlt. Aus eigener Erfahrung wisse er: "Man muss vor allem die zwischen 20 und 40 Jahren gut behandeln, man muss ihre Wünsche und Träume respektieren. Das ist für die meisten wichtiger als eine Prämie oder noch ein Yogaraum."