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Nahaufnahme:Neu an Bord

Simone Menne: "Ich plane keine Kandidatur oder auch nur ein Amt".

(Foto: Jürgen Heinrich/imago)

Die ehemalige Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne ist vor allem als Aufsichtsrätin gut im Geschäft. Jetzt ist sie Mitglied bei den Grünen geworden.

Von Jens Flottau

Simone Menne hatte da einmal eine Frage. Sich in Parteien zu engagieren, das sei doch "ganz viel Kärrnerarbeit, ganze viele Sitzungen, man muss sich das erdienen - und das schreckt doch ganz viele ab. Ist das noch so in den Parteien?"

Gefragt hat Menne eine gute Bekannte, Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, in ihrem Podcast "Die Boss". Sie hat allerdings die Antwort der ehemaligen CDU-Chefin nicht abgewartet, sondern gleich hinzugefügt, dass sie "vor zwei, drei Wochen bei den Grünen eingetreten" sei. Menne also, die ehemalige Finanzchefin der Lufthansa, die auch davor schon Jahrzehnte in der Luftfahrt gearbeitet hat, einer Branche bislang überschaubaren Umweltengagements. Die bei BMW (noch) im Aufsichtsrat sitzt.

Überzeugt hat sie nach einem langen Gespräch Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Auf den ersten Blick ist es ein ungewöhnlicher Schritt, dass eine ehemalige Spitzenmanagerin, eine der ersten Frauen in einem Dax-Vorstand, sich ausgerechnet den Grünen anschließt. Schließlich genießt die Partei nicht gerade den Ruf, die Interessen der Wirtschaft in den Vordergrund zu stellen, und war lange Zeit in der Luftfahrt ein Feindbild, auch wenn die Autoindustrie mit dem Kurs von Winfried Kretschmanns grün-schwarzer Koalition in Baden-Württemberg nun gut leben kann. Auf den zweiten Blick ist er aber konsequent. Denn Menne ist in ihrem Berufsleben in der Regel ihren eigenen Weg gegangen, ohne allzu viel Rücksicht auf Verluste. Und für Themen, die den Grünen wichtig sind, engagiert sich die 60-Jährige auch schon seit langem.

Menne wurde 2012 erstmals jenseits des eigenen Unternehmens bekannt, als sie als Nachfolgerin des ziemlich mächtigen Stephan Gemkow und als erste Frau Finanzchefin wurde. Dass sie selbst für sich eine ähnlich herausgehobene Rolle reklamierte, bekam nicht zuletzt Carsten Spohr zu spüren. Der heutige Lufthansa-Vorstandschef leitete damals das Passagiergeschäft des Konzerns und musste sich von Menne öffentlich sagen lassen, dass es vor allem die schlechte Marge seines Bereiches sei, die es zu verbessern gelte. Später machte sie in einem Interview deutlich, dass sie es sich selbstverständlich zutraue, Vorstandschefin in einem Unternehmen zu sein.

Dass die Konstellation nicht auf Dauer gutgehen würde, war jedem klar, der die beiden auch nur ein bisschen kannte. Gut zwei Jahre hielt sie es noch an der Seite ihres neuen Chefs Spohr, der 2014 aufrückte, aus. Dann wechselte Menne als Finanzchefin zum Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, nur um dort schon nach einem guten Jahr wieder zu gehen. Dem Vernehmen nach hatte sie sich mit Boehringer-Chef (und Erbe) Hubertus von Baumbach nicht in Sachen Strategie einigen können.

Seither ist Menne raus aus dem aktiven Management. Zurück in ihrer Heimatstadt Kiel führt sie eine kleine Galerie und konzentriert sich auf eine stattliche Zahl von Aufsichts- und Beiratsmandaten, unter anderem bei BMW, Deutscher Post und Henkel. Bei BMW scheidet sie demnächst aus. Und die Umwelt? Schon als Lufthansa-Finanzchefin sorgte sie dafür, dass der Konzern das Bio-Treibstoff-Start-up Caphenia mitfinanziert. Nach dem Ausstieg der Airline blieb sie als Privatinvestorin mit einigen Kollegen an Bord, nachdem der Konzern die Unterstützung kappte.

Was die Grünen angeht, so hat Menne bislang keine weitergehenden Vorstellungen: "Ich plane keine Kandidatur oder auch nur ein Amt", sagt sie. Kramp-Karrenbauer hatte zur Eingangsfrage in Sachen Kärrnerarbeit auch eher Ernüchterndes beizutragen: "Zum Teil ist das noch so." Und damit nichts für Menne.

© SZ
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