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Nahaufnahme:Motorhaube auf

"Unter den Teilnehmern des Triathlon finden sich besonders viele Unternehmer und Freiberufler", freut sich Datev-Chef Robert Mayr. Das Unternehmen sponsort den Wettbewerb.

(Foto: Kurt Paulus/Datev/oh)

Robert Mayr öffnet das IT-Unternehmen Datev. Das ist für den Chef des Nürnberger IT-Dienstleisters für Steuerberater nicht immer einfach.

Kurz nach dem Morgengrauen nahm Robert Mayr die Pistole in die Hand und drückte ab. Gut acht Stunden später überreichte er den Siegern die Pokale. So lange brauchen die besten Triathleten für die Ultra-Distanz, um 3,8 Kilometer zu schwimmen, ein Radrennen über 180 Kilometer zu fahren und anschließend einen Marathon zu laufen. Beim beliebtesten Wettkampf dieser Art in Roth bei Nürnberg tun das jedes Jahr etwa 6000 Teilnehmer. Seit 2013 ist Datev Hauptsponsor des Spektakels.

"Für mich ist das pure Emotion mit Gänsehauteffekt", sagt Mayr, der Startschütze. "Mich beeindruckt immer wieder, wie die 250 000 Zuschauer zum Teil schon seit dem frühen Sonntagmorgen und bei jedem Wetter an der Strecke mit den Athleten aus aller Welt mitfiebern." Große Emotionen und Leidenschaft also, die Außenstehende nicht unbedingt mit dem Unternehmen verbinden, das Robert Mayr seit gut drei Jahren als Vorstandschef anführt.

Als IT-Spezialist für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte gilt die Datev für Menschen außerhalb dieser Berufsstände nicht sonderlich als sexy. Auch wenn sie längst zu den großen, deutschen Adressen der Branche zählt und stärker wächst als der Markt. Allein im ersten Halbjahr legte der Umsatz um 6,6 Prozent zu.

Vieles bei der Datev passiere "unter der Motorhaube und ist von außen nur indirekt zu erkennen", sagt Robert Mayr. Er hat begonnen, die Haube zu lüften. 1966 in München geboren, ist er so alt wie das genossenschaftliche Unternehmen mit Sitz in Nürnberg. Unter seiner Führung sprang die Datev 2018 erstmals über die Milliardengrenze beim Umsatz. 7800 Menschen arbeiten für die Firma, die allein seit Anfang 2018 um fast 500 Mitarbeiter wuchs.

Robert Mayr ist dabei, die Datev neu auszurichten. Das fordert dem passionierten Pferdesportler Ausdauer und Durchhaltevermögen ab. So zuletzt in Zusammenhang mit jener Online-Plattform, die 2020 freigeschaltet wird. Dort können Otto Normalsteuerzahler ihre Erklärungen für das Finanzamt anfertigen. Wo Bedarf ist, können sie sich mit Steuerberatern verlinken. Unter den 40 300 Datev-Genossenschaftlern war es umstritten, dass die Firma erstmals auch Endverbrauchern IT-Lösungen anbietet. Manch Steuerberater wähnte dadurch sein Geschäft untergraben. Erst im zweiten Anlauf gelang es Mayr, die nötige Satzungsänderung durchzudrücken.

Wie jeder gute Sportler hat er sich für seine Aufgabe warmgelaufen. 2011 wurde der Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und frühere Deloitte-Mitarbeiter in den Datev-Vorstand berufen, wo er als Vize-Chef ab 2014 zwei Jahre lang aufgebaut wurde. Als Nummer eins schaffte Mayr erst einmal die Krawattenpflicht ab. Seine Umgangsformen sind salopp; einmal im Monat lädt er Mitarbeiter zum Pizzaessen ein. Er pflegt einen kommunikativen Stil; also verabschiedet sich die Datev auch von Bürowaben und schafft offene Arbeitszonen. Mayr schwärmt von "enormen Potenzialen", die interdisziplinäre Teams freisetzen.

So durchlüftet der Familienvater den IT-Riesen, der lange für alte, deutsche Unternehmerschule stand, samt strengen Hierarchien und festen Regeln. Einher öffnet sich das Geschäftsmodell. Beispiel Datev-Cloud. Sie steht nicht nur der Kern-Klientel offen, sondern auch ihrer Kundschaft. Firmen können ihre Daten dort hinterlegen - und ihr Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer damit arbeiten.

So erneuert sich die Datev, und damit das alle mitbekommen, helfe das Sponsoring beim Triathlon. "Er ist eine gute Plattform, um uns als Unternehmen breiter bekannt zu machen", sagt Robert Mayr. Und ganz abgesehen davon: "Unter den Teilnehmern finden sich besonders viele Unternehmer und Freiberufler." Kundenpotenzial also.