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Nahaufnahme:Modemann in der Politik

Luciano Benetton: „Das Ziel muss es doch sein, Alitalia wirklich eine Zukunft zu geben und nicht wieder nur eine Übergangslösung zu finden.“

(Foto: Getty Images)

Luciano Benetton sorgt bei der Alitalia-Rettung für Wirbel. Der Modeunternehmer verspricht sich Hilfe - ausgerechnet von der Lufthansa. Die Cinque-Stelle-Populisten sind entsetzt.

Italien ist ein merkwürdiges Land. Wo sonst gibt es einen Unternehmer wie Luciano Benetton, der im Alter von 84 Jahren Spaß an der Provokation hat? Von Altersmilde keine Spur. In Anzeigen posiert der alte Herr mit schneeweißem Lockenkopf neben der 18-jährigen Sudanesin Ayak Mading und wirbt für sein Unternehmen: die United Colors of Benetton. Beide lachen in die Kamera, in Jeans und im gleichen roten Strickpulli - und könnten dabei unterschiedlicher nicht sein. Die Botschaft ist klar. Im Mittelmeer ertrinken Afrika-Flüchtlinge zu Tausenden, Benetton kämpft wie früher gegen Rassismus. Und jetzt mischt er sich auch noch in die Rettung von Alitalia ein.

Benettons Auftritt als Model sollte auch Botschaft in eigener Sache sein: Schaut her, ich bin wieder da! Eigentlich hatte er sich 2008 in den Ruhestand verabschiedet. Lange hörte man nichts von ihm. Er war per Boot rund um die Erde gekreuzt. Dabei hatte er Tausende Kunstwerke für seine Sammlung Imago Mundi in Auftrag gegeben. Im Format zehn mal zwölf, Postkarten aus aller Welt. Vor zwei Jahren kehrte er überraschend zurück, um sein 1965 gegründetes Unternehmen von Verlusten zu befreien und dem belanglos gewordenen Label seine alte Markenidentität wiederzugeben. Er heuerte den Designer Jean Charles de Castelbajac an.

Für Wirbel in Italien aber sorgt der Milliardär heute in einer hochpolitischen Angelegenheit. Als der Kunstsammler neulich in London eine Partnerschaft der Stiftung Fondazione Benetton mit der Aga Khan Foundation ankündigte, ließ er sich lobend über die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa aus. In Rom war man schockiert. Noch nie hatte sich Benetton öffentlich in die Endlos-Saga um den Pleiteflieger Alitalia eingemischt. Die italienischen Steuerzahler kostete der Versuch, die marode Fluggesellschaft in der Luft zu halten, schon zehn Milliarden Euro. Jetzt steht sie zum dritten Mal in einem Jahrzehnt vor der Insolvenz - und wird seit 28 Monaten mit einem neuen Überbrückungskredit des Staates in Höhe von 1,25 Milliarden Euro am Leben gehalten. Warum also soll nicht Lufthansa an der Rettung beteiligt werden, fragte Benetton. "Das Ziel muss es doch sein, Alitalia wirklich eine Zukunft zu geben und nicht wieder nur eine Übergangslösung zu finden", sagte er. "Lufthansa hat bei der Übernahme von Wettbewerbern viel Erfahrung, und auch bei Alitalia sollten diesmal technische und strategische Erfahrung zum Zuge kommen", sagte der Unternehmer. Wenn das keine Provokation war. Zumal wenige Stunden später bekannt wurde, dass Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem Brief an Rom Interesse bekundet hatte.

Die Regie beim Rettungsversuch von Alitalia führen seit 17 Monaten die Verstaatlichungsfans der regierenden Cinque Stelle. 2018 hatten sie Lufthansa, die den Abbau von 3000 Stellen vorsah, abblitzen lassen. Es gibt mit uns keine Entlassungen, hatte der junge Industrieminister Luigi Di Maio versprochen. Überhaupt habe man genug andere Bewerber. Der Bluff flog schnell auf. Die Regierung musste in ihrer Not sogar den Infrastrukturkonzern Atlantia, der von der Familie Benetton kontrolliert wird, beknien, mit 37,5 Prozent bei Alitalia einzusteigen. Dabei galt den Populisten die Unternehmerfamilie seit dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua im August 2018 als "das absolut Böse". Die Mautfirma der Benettons soll sogar die Lizenz verlieren.

Doch nun musste Rom die Frist zur Abgabe eines Übernahmeangebots für Alitalia zum siebten Mal verlängern. Denn solange das Konsortium um die Staatsbahnen FS keinen tragfähigen Sanierungsplan vorlegt, scheut Benetton das Abenteuer. Sieht aus, als säße der Lufthansa-Sponsor am längeren Hebel.