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Nahaufnahme:Israel digital

„Israel ist gut in Innovationen, Deutschland ist gut in der Herstellung, Medikamentenentwicklung und Diagnostik.“ Yair Schindel

(Foto: oh)

Yair Schindel investiert in Gründer aus dem Gesundheitswesen. Die Unternehmen, die in dem Bereich tätig sind, kennt er gut - aus mehreren Perspektiven.

Sein Großvater war Arzt, sein Vater ebenso und auch er hat mit Medizin zu tun. "Nur eben anders", meint Yair Schindel. Der 43-jährige Israeli ist Mitgründer von Amoon, dem bald größten israelischen Fonds, der Kapital auftreibt für Unternehmen, die im Bereich digitale Gesundheit, Medizin- und Biotech sowie Pharma tätig sind. Die Schweizer Bank Credit Suisse ist gerade eine strategische Partnerschaft mit der Investitionsplattform eingegangen und hat 250 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Interessierte Kunden und institutionelle Anleger der Credit Suisse und von Credit Suisse Asset Management sollen sich beteiligen können, die erste Investitionstranche über 200 Millionen Euro wurde bereits geschlossen.

Weil bereits zuvor private Investoren in Israel die gleiche Summe aufgebracht haben, ist eine halbe Milliarde an Kapital schon gesichert. Das Ziel sei aber, in den nächsten Monaten insgesamt 750 Millionen Dollar aufzutreiben, sagt Schindel. Damit ist Amoon der größte Risikokapitalfonds für den Bereich digitale Gesundheit in Israel.

Amoon mit Sitz in Ra'anana wurde 2016 von Schindel und Marius Nacht gegründet, der mit der auf Cybersecurity spezialisierten Firma Check Point Software Technology zum Millionär geworden ist. Nacht stellte Amoon in der ersten Phase 200 Millionen zur Verfügung, um Start-ups im Gesundheitsbereich zu fördern. Jetzt konzentriert sich Amoon auf Firmen, die schon länger am Markt sind und Kapitalbedarf haben, um mit ihren Produkten am Markt den Durchbruch zu schaffen.

Die Unternehmen, die in dem Bereich tätig sind, kennt Schindel gut - aus mehreren Perspektiven. Er diente bei Spezialkräften in der Marine der israelischen Armee, studierte an der Ben-Gurion-Universität und bekam den Titel Chief Medical Officer. Er führte selbst zahlreiche medizinische Fallstudien durch. Nach seinem Ausstieg nach fünfeinhalb Jahren Militärdienst absolvierte er noch ein MBA-Programm an der Harvard Business School.

Sein erstes Unternehmen gründete er in Boston zusammen mit zwei Professoren von der MIT: Omniguide, das darauf spezialisiert ist, mit Hilfe von Lasertechnologien Tumore zu entfernen. Das Unternehmen war rasch 300 Millionen wert. Nach fast sieben Jahren in den USA kehrte Schindel nach Israel zurück und engagierte sich bei zwei Gesundheits-Start-ups.

Dann kam die Anfrage aus dem Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu, ob er nicht Digital Israel aufbauen wolle, eine Initiative, mit der die Regierung durch ihre Politik das digitale Potenzial im Land fördern will. Nach zwei Jahren wandte er sich an Nacht, und sie gründeten Amoon. Schindel ist überzeugt davon: "Die digitale Revolution im Gesundheitssektor wird größer sein als alles bisher Bekannte, denn alle Bereiche des Lebens sind betroffen und es ist der größte Kostentreiber. Es gibt wissenschaftliche Fragen und ökonomische und die sind nur mit Technologie lösbar."

In Israel gibt es rund 1500 Start-ups, die sich mit Gesundheitsthemen beschäftigen. Zehn Prozent davon, so schätzt Schindel, könnten interessant für eine Investition sein. Amoon will zwar den Großteil des Kapitals, aber nicht nur in Israel investieren. Er sieht auch Potenzial für eine Zusammenarbeit mit Firmen in Deutschland - einem Land, mit dem er trotz seines Namens bisher nichts direkt zu tun hatte.

"Israel ist gut in Innovationen, Deutschland ist gut in der Herstellung, Medikamentenentwicklung und Diagnostik." Mit Amoon will der verheirate Familienvater die Arbeit seiner Vorfahren in der Medizin im 21. Jahrhundert fortsetzen: "Wir wollen unseren Traum erfüllen, etwas ganz Großes zu bauen zwischen Gesundheit und Technik."

© SZ vom 11.06.2018
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