Nahaufnahme Immobilienunternehmer Benko bietet für Galeria Kaufhof

René Benko, 36, hat mit Anfang 20 seine erste Immobilienfirma gegründet. Mittlerweile besitzt er Dutzende Immobilien und die Mehrheit an Karstadt.

(Foto: dpa)
  • Der Immobilienunternehmer René Benko bietet drei Milliarden Euro für die Übernahme von Galeria Kaufhof.
  • Seit der Übernahme durch die kanadische Hudson Bay Group sinken bei der Kaufhauskette die Umsätze, die Verluste steigen.
  • Benko hat 2014 bereits den Konkurrenten Karstadt übernommen. Er träumt von einer gemeinsamen deutschen Warenhaus AG.
Von Michael Kläsgen

René Benko hat zielstrebig auf diesen Moment hingearbeitet. Anfang Oktober verkündete er in der hauseigenen Zeitung das Eigenkapital seiner Signa Holding um eine Milliarde Euro erhöht zu haben. Damit waren die Finanzen für eine Übernahme der angeschlagenen Kölner Warenhauskette geregelt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Benko mit dem Angebot an die aufwarten würde. Am Mittwoch war es soweit. Benko bietet für Galeria Kaufhof drei Milliarden Euro und damit nach eigenem Dafürhalten 300 Millionen mehr, als die kanadische Hudson's Bay Company (HBC) vor gut zwei Jahren für Kaufhof zahlte.

Aus Benkos Sicht ist das ein großzügiges Angebot. Es fällt höher aus, obwohl es Kaufhof schlechter geht. Seit der Übernahme durch die Kanadier sinken bei Kaufhof die Umsätze, die Verluste steigen. Auf Seiten von HBC kommt das Angebot nicht überraschend. Bislang lehnte das Management von HBC es beharrlich ab, mit Benko auch nur Gespräche aufzunehmen.

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Benko träumte von der deutschen Warenhaus AG

Für Benko aber ist die Sache klar. Er glaubt fest daran, dass Kaufhof am Abgrund steht und dem finanziellen Druck bald nicht mehr standhalten kann. HBC gab vergangene Woche den Verkauf einer Top-Immobilie in New York bekannt. Über den Verkauf einer weiteren Top-Immobilie in Vancouver wird spekuliert. In Deutschland dringt das Management darauf, den etwa 21 000 Beschäftigten die Löhne und Gehälter zu kürzen. Gleichzeitig sollen Beschäftigten länger arbeiten.

Ein ähnlicher Sanierungsfall war Kaufhof-Konkurrent Karstadt noch vor wenigen Jahren. 2014 übernahm Benko Karstadt und stellte mit Stephan Fanderl einen erfahrenen Einzelhandelsfachmann an die Spitze von Signa Retail. Karstadt hat seither die Trendwende geschafft und verdient an der Ladenkasse wieder Geld. Dafür mussten die Beschäftigen aber harte Einschnitte hinnehmen. Benko träumte schon bei der Bieterschlacht um Kaufhof 2015 von der deutschen Warenhaus AG, von einem gemeinsamen Gebilde von Karstadt und Kaufhof. Nur: Ob das für die Beschäftigten eine bessere Lösung wäre, als zwei getrennt geführte Warenhausketten, ist zweifelhaft. Die Warenhaus AG dürfte zu Einschnitten führen, so viel steht fest.

Andererseits ist auch klar, dass es auf Dauer für zwei große Warenhausketten in Deutschland keinen Platz gibt. Viele Käufer shoppen lieber im Internet. Das Konzept "Alles unter einem Dach" klingt zwar verlockend, die Realität in den Kaufhäusern ist aber ernüchternd. Von einem besonderen Einkaufserlebnis kann dort kaum ein Kunde berichten.

Benko gilt vielen als halbseidener Emporkömmling

Gegenüber Benko haben viele Vorbehalte, weil er als halbseidener Emporkömmling gilt. "Die Ferraris gibt es nicht mehr. Ich fahre jetzt normale Mercedes S-Klasse", sagte er mal dieser Zeitung. Angesichts der erfolgreichen Sanierung von Karstadt kann er aber nun zurecht von sich behaupten, nicht nur an Immobilien interessiert zu sein, sondern auch etwas vom Warenhaus-Geschäft. Zumindest hat er Leute eingestellt, die etwas davon verstehen.

Aber natürlich geht es bei dem Angebot für Kaufhof im Wesentlichen auch um Immobilien. Von den drei Milliarden Euro inklusive Schulden, die Benko für die Gesamtheit von Galeria Kaufhof bietet, gehen gut 2,6 Milliarden auf das Konto der Immobilien. So hoch bewertet Signa sie. Benko erwartet von den HBC-Managern, die bislang nicht mit ihm verhandeln wollten, eine Antwort bis Mitte November.

Diesmal müsse sich jedenfalls niemand Sorge um die Seriosität von Benkos Angebot machen. Vor gut zwei Jahren war das noch anders. Damals verkaufte die Metro AG Kaufhof. Metro-Chef Olaf Koch optierte für die Kanadier, vor allem auch, wie es hinterher hieß, weil er Benko nicht sonderlich mochte.

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