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Rüdiger Grubes Vertrag als Bahnchef läuft Ende 2017 aus. Unumstritten ist er nicht. Und doch wird der Aufsichtsrat seine Amtszeit wohl verlängern.

Von Markus Balser

Der Terminkalender von Rüdiger Grube ist derzeit voll gepackt wie selten. Am Montagabend präsentierte der Chef der Deutschen Bahn im Berliner Vorzeigebahnhof Südkreuz den Prototypen der neuen DB-Information, samt großen Monitoren und neuen Selbstbedienungsterminals. Am Donnerstag wird der 65-Jährige Großkunden und Politikern Neuheiten des Konzerns wie die künftige ICE-Generation vorstellen. Grube lässt derzeit keine Gelegenheit aus, die Bahn als zukunftsfähiges und modernes Unternehmen zu präsentieren.

Der Chef von 310 000 Mitarbeitern in 130 Ländern weiß schließlich, dass es um viel geht. Denn im Aufsichtsrat der Bahn geht es derzeit hinter den Kulissen darum, was passiert, wenn Grubes Vertrag Ende 2017 ausläuft. Noch ist keine Entscheidung gefallen. In ihrer Sitzung am 14. Dezember sollen die Kontrolleure bereits über die Spitzenpersonalie beschließen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung zeichnet sich klar ab: Der Vertrag des zuletzt oft kritisierten Bahn-Chefs soll verlängert werden, voraussichtlich um weitere zwei Jahre. Die Vorentscheidung dafür werde wenige Tage vor der Dezember-Sitzung der Kontrolleure fallen, wenn sich die kleine Runde des Personalausschusses im Aufsichtsrat trifft.

Zuletzt hatten auch immer wieder Spekulationen die Runde gemacht, Grube könnte wegen Kritik an der Bahnstrategie abgelöst werden. Gegner warfen ihm vor, keinen klaren Kurs zu haben. Grubes Börsenpläne für zwei lukrative Töchter waren am Widerstand der Politik gescheitert. "Ich bin meinem Vertrag noch nie hinterhergelaufen", sagte Grube entnervt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte noch im Frühsommer einen Kommentar zur Frage abgelehnt, ob Grube auch nach Auslaufen seines Vertrags noch Chef des Staatskonzerns bleiben soll. Die Begründung für das Festhalten an Grube klingt in Teilen des Aufsichtsrats entsprechend leidenschaftslos: Angesichts der aktuell komplizierten politischen Lage wolle die schwarz-rote Regierungskoalition beim Staatskonzern schlichtweg keine zusätzliche Personaldebatte anzetteln.

Dass Grube sich auch in schwierigen Zeiten als Bahn-Chef halten kann, hat mit seiner Fähigkeit zum Netzwerken zu tun. Nach seiner Ausbildung zum Flugzeugbauer ging es für Grube meist steil nach oben. Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, damals Chef der Deutschen Airbus, machte Grube zum Büroleiter, Grube ihn später zu seinem Trauzeugen. Bei Daimler entwickelte Grube ein enges Verhältnis zu Konzernchef Jürgen Schrempp, der damals nach der Chrysler-Übernahme die "Welt AG" gründete. Enge Drähte zu den Mächtigen pflegt Grube auch in der Politik. Trauzeuge bei seiner Hochzeit mit Starköchin Cornelia Poletto 2015 war Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Grube dürfte also bleiben, aber der Vorstand der Bahn um ihn herum wird sich verändern. Ersetzt werden muss in jedem Fall der scheidende Grube-Rivale und Infrastrukturvorstand Volker Kefer, dessen Vertrag ausläuft. Neben dem internen Kandidaten Frank Sennhenn, Chef der Netzsparte, prüft ein Headhunter externe Kandidaten. Auch für den bei der Bahn geschätzten Personalvorstand Ulrich Weber, der noch die laufenden Tarifverhandlungen zu Ende führen soll und den Vorstand danach aber verlassen will, muss das Kontrollgremium einen Nachfolger suchen.

Ob der inzwischen bei der Bahn einflussreiche CDU-Mann Ronald Pofalla dann 2019 Grubes Erbe antreten darf? Das hänge entscheidend von der politischen Konstellation nach der Bundestagswahl im Herbst 2017 ab, sagt ein Insider. Klar scheint bislang nur zu sein: Spätestens Ende 2019 dürfte die Ära Grube bei der Bahn endgültig enden.