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Prozess:Familienfehde im Fleischwerk

Clemens Tönnies

"Ich kann doch nicht für das, was ich aufgebaut habe, noch mal bezahlen." Clemens Tönnies.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Der Fleischkonzern Tönnies ist in Familienbesitz. Die eine Hälfte des Unternehmens gehört Robert Tönnies, die andere seinem Onkel, Clemens Tönnies.
  • Jetzt stehen sich die beide vor Gericht gegenüber - mal wieder. Im aktuellen Prozess geht es darum, dass Robert seinem Onkel Clemens zehn Prozent der Firmenanteile geschenkt hatte. Jetzt will er der Jüngere fünf davon wieder zurück.
  • Bekommt Robert recht, hätte er eine Stimmenmehrheit. Bisher soll vor allem der Ältere die Geschicke der Firma leiten. Er soll, so Roberts Vorwurf, hinter seinem Rücken eine Art Schattenreich aufgebaut haben.

Wo einmal eine heile Familie war, da ist heute nur noch Wut. Clemens Tönnies, 58, verliert nach der ersten Stunde der Verhandlung die Fassung. "Robert Tönnies, bist du verrückt?", ruft er seinem Neffen von der Beklagtenbank aus quer durch Saal 255 des Bielefelder Landgerichtes zu. Robert, 36, hat seinen Onkel verklagt und ihm gerade vorgeworfen, den Fleischkonzern Tönnies schlecht zu führen, der beiden je zur Hälfte gehört. Clemens unterstellt nun Roberts Anwälten, "den Jungen" gegen ihn aufgehetzt zu haben. Einer von ihnen schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch, und Robert haut vor Ärger über den Onkel gegen sein Mikrofon.

Der Umgangston wäre sanfter, ginge es lediglich um die Macht in dem Unternehmen, das 8000 Menschen beschäftigt und jedes Jahr 15 Millionen Schweine schlachtet. Was aber in Bielefeld verhandelt wird, ist auch ein Kapitel in einer Familienfehde, in der es um Stolz geht, um Enttäuschungen und um ein Versprechen zwischen zwei Brüdern. Clemens Tönnies ist Geschäftsführer, er ist auch Aufsichtsratschef von Schalke 04. Ein Journalist nannte ihn einmal einen "Mettmogul". Vor sechs Jahren schenkte Robert seinem Onkel zehn Prozent der Firmenanteile. Nun will er erstreiten, dass er davon fünf zurückbekommt - wegen "groben Undanks", wie es juristisch heißt. Bedeutet: Clemens Tönnies soll sich so schlimm benommen haben, dass die Schenkung widerrufen werden kann. Das würde Robert zum Mehrheitseigner, zum Mächtigeren der beiden machen.

"Ich kann seit drei Jahren nicht mehr in mein eigenes Unternehmen"

Bernd Tönnies - Bruder von Clemens und Vater von Robert - starb 1994. Seit der Schenkung 2009 halten beide je 50 Prozent der Anteile. Roberts Vorwurf ist nun: Clemens soll hinter seinem Rücken eine Art Schattenreich aufgebaut haben; er übernahm die Wurstfirma Zur Mühlen und baute das Russlandgeschäft aus. Wie frustriert Robert darüber ist, dass Clemens und seine Vertrauten in der Firma den Ton angeben, wird im Gerichtssaal deutlich: "Ich kann seit drei Jahren nicht mehr in mein eigenes Unternehmen", sagt er, das E-Mail-Konto bei der Firma sei gelöscht. Dann sagt er traurig: "Und mich zu keiner Weihnachtsfeier mehr einzuladen, ist auch eine Sauerei." Der Beschuldigte sagt, sein Neffe habe von den Investitionen gewusst. Dass er 50 Prozent an dem Unternehmen halte, sei selbstverständlich. Es sei nicht nur das Lebenswerk seines Bruders, sondern auch von ihm. Also sei es nur vernünftig, dass er die Anteile nicht finanzieren musste: "Ich kann doch nicht für das, was ich aufgebaut habe, noch mal bezahlen." Bernd habe ihn vor seinem Tod gebeten, das Unternehmen weiterzuführen.

Clemens Tönnies Niederlage für den Großschlachter
Familienstreit bei Tönnies

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Fleischfabrikant Clemens Tönnies und sein Neffe Robert streiten sich vor Gericht - wieder einmal. Das doppelte Stimmrecht des Chefs wird gekippt, der Zoff aber geht weiter.   Von Elisabeth Dostert

In Liechtenstein läuft noch ein Verfahren wegen auffälliger Geldflüsse zugunsten von Clemens aus einer Stiftung, die Bernd Tönnies einst gründete. In weiteren Prozessen stritten Robert und sein Onkel darüber, ob Clemens doppeltes Stimmrecht im Konzern habe - ein Gericht wies dies zurück. Am Freitag wurde ein neues Verfahren bekannt: Es geht darum, wie viele Millionen aus dem Unternehmen Roberts Bruder Clemens Junior zustehen, der seine Anteile auf Robert überschrieben hat. Ein Ende der Fehde ist nicht absehbar.

Der Bielefelder Gerichtstag endet als Punktsieg für Onkel Tönnies. Der Richter gibt zu verstehen, dass er zumindest im Fall der Liechtensteiner Affäre keinen Schaden erkennen könne, den Clemens Robert zugefügt habe. Der Firmenchef, passenderweise in schweinchenrosafarbener Krawatte erschienen, lächelt nun wieder, wirft seiner Frau von der Anklagebank aus einen Kuss zu. Weiterverhandelt wird im September. Dann soll auch der Steuerberater Josef Schnusenberg aussagen, Vertrauter von Bernd wie Clemens. Er kennt die Geheimnisse der Familie Tönnies.