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Nahaufnahme:Endlich Chefin

Alison Rose: "Früher habe ich in Teams gearbeitet, die alle männlich waren, aber es war nichts, was mir damals besonders bewusst gewesen wäre."

(Foto: AFP Photo/Coutts; Bearbeitung: SZ)

Erstmals steht eine Frau an der Spitze einer britischen Großbank. Alison Rose wird am 1. November neue Chefin der Royal Bank of Scotland. Seit 27 Jahren arbeitet sie bei der Bank.

Es gibt gewiss schönere Aussichten, als am 1. November einen neuen Job in Großbritannien anzutreten. Der Tag nach dem Brexit verspricht ein Tag maximaler Unsicherheit zu werden - wobei natürlich völlig offen ist, ob die Briten die EU auch tatsächlich wie geplant am 31. Oktober verlassen. Doch egal wie das Brexit-Drama ausgeht, Alison Rose dürfte sich auf dieses Datum jedenfalls sehr gut vorbereiten. Der 1. November ist ihr erster Arbeitstag als neue Chefin der Royal Bank of Scotland (RBS). Die 49-Jährige wird dann die erste Frau sein, die an der Spitze einer britischen Großbank steht.

Seit 27 Jahren arbeitet Alison Rose bei der RBS. Sie hat dort als Trainee angefangen und den wundersamen Aufstieg des schottischen Geldhauses genauso miterlebt wie den denkwürdigen Absturz in der Finanzkrise. Und sie hat erfahren, was es heißt, sich als Frau in einer männerdominierten Branche durchzusetzen. Es ist noch nicht lange her, gerade einmal drei Monate, da sprach sie mit einem schottischen Wirtschaftsmagazin über ihre Sicht der Dinge. Anfangs, so erzählte Rose, sei es ihr nicht besonders bewusst gewesen, dass sie die meiste Zeit in Teams gearbeitet habe, in denen sie die einzige Frau war. Auch bei Kundengesprächen saßen meistens nur Männer mit am Tisch. Als sie dann immer weiter aufstieg, gab es diesen Moment, in dem sie sich umsah und dachte: "Mensch, wo sind all die Frauen hin?"

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Rose, derzeit noch Chefin des Inlandsgeschäfts der Bank, setzte sich in den vergangen Jahr sehr für mehr Vielfalt ein. Im Auftrag der britischen Regierung leitete sie etwa eine Untersuchung, warum Frauen sehr viel stärker als Männer davon abgehalten werden, Firmen zu gründen. Als der sogenannte Rose-Report im Frühjahr vorgestellt wurde, sagte die damalige Premierministerin Theresa May zum Widerstand, den viele Frauen spüren: "Alison und ihr Team haben einen ehrgeizigen Weg eingeschlagen, um diese Glasdecke zu zerschlagen, damit wir das volle Potenzial von Unternehmerinnen ausschöpfen und das Wirtschaftswachstum ankurbeln können." Laut dem Rose-Report ist das größte Problem, auf das Frauen, die eine eigene Firma gründen wollen, stoßen, das fehlende Kapital. Frauen erhalten seltener Kredite und sind dem Bericht zufolge auch schlechter über mögliche Zugänge zu Fremdkapital informiert.

Gut möglich, dass so manche Gründerin künftig ihr Glück bei der Royal Bank of Scotland versucht. Das Geldhaus wirbt natürlich mit Roses Einsatz für Unternehmerinnen. Und sie ist damit auch nicht allein. Neben Rose ist bereits seit vergangenem Jahr eine weitere Frau in der Führungsspitze der Bank vertreten: Katie Murray, ihrerseits Chief Financial Officer (CFO). Die RBS ist damit das einzige von den 100 im britischen Aktienleitindex FTSE notierten Unternehmen, das zwei Frauen auf dieser Ebene beschäftigt. Die RBS ist hinter HSBC, Lloyds und Barclays zwar die kleinste unter den sogenannten "Big Four", den vier großen britischen Banken, aber sie ist der bedeutendste Kreditgeber für kleine und mittlere Unternehmen im Königreich.

Um genau dieses Geschäft hat sich Alison Rose bis zuletzt gekümmert. Nun muss sie vor allem den Brexit bewältigen. Die Unsicherheit in der britischen Wirtschaft ist groß, das Pfund leidet schon jetzt darunter. Und die No-Deal-Szenarien gleichen einem Albtraum. Kein Wunder, dass auch die Zukunftsaussichten der RBS nicht gerade erfreulich sind. Bis 2024 will die britische Regierung ihren Staatsanteil an der Bank von 62 Prozent loswerden. Das setzt aber voraus, dass die neue Chefin Gewinne erwirtschaftet und den Aktienkurs steigert. Ob ihr die aktuelle Regierungspolitik in Sachen Brexit dabei hilft, darf bezweifelt werden.