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Nahaufnahme:Ende einer Hängepartie

Stephan Winkelmeier

Stephan Winkelmeier: „Wir haben nicht vor, hier zu sitzen, bis wir alle Verwesungsgeruch haben.“

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Von der Abwicklungsbank FMS zur Bayern-LB: Stephan Winkelmeier wird neuer Chef der Landesbank. Er muss das Institut neu ausrichten.

Eigentlich hätte der 9. April Stephan Winkelmeiers nächster großer Tag im Kalender sein sollen. Dann nämlich legt die Münchener FMS Wertmanagement, die Bad Bank der früheren Hypo Real Estate, ihre Zahlen für 2018 vor. Man kann durchaus annehmen, dass diese positiv ausgefallen sind. Die FMS kommt unter ihrem Chef Winkelmeier gut voran beim Abbau der Altlasten der früheren Skandalbank HRE.

Aber jetzt produziert Winkelmeier selbst schon früher Nachrichten: Der Banker wechselt als neuer Chef zur Bayern-LB. Spätestens zum 1. August 2019 werde der 51-Jährige sein Amt antreten, teilte die Landesbank am Mittwoch mit. Bis dahin wird das Kreditinstitut weiterhin übergangsweise von Edgar Zoller geführt, der nach dem Amtsantritt des Neuen wieder stellvertretender Vorstandschef wird, an diesem Donnerstag aber noch einmal die Bilanzpressekonferenz leiten darf. Damit geht eine monatelange Hängepartie um den Chefposten bei der derzeit gewinnstärksten deutschen Landesbank zu Ende.

Winkelmeier galt schon länger als Favorit für die Führung der Bayern-LB, nachdem der Vertrag von Ex-Vorstandschef Johannes-Jörg Riegler zu Jahresanfang nicht verlängert worden war. Riegler hatte sich mit den Eigentümern der Bank überworfen, unter anderem ging es um seine Bezahlung. Der Freistaat Bayern hält 75 Prozent an der Bank; der Rest liegt in Händen der bayerischen Sparkassen. Rieglers Nachfolger Winkelmeier kennt die Bayern-LB gut: Seit Mai 2017 ist er Mitglied des Aufsichtsrats der Landesbank. Von 2010 bis Anfang 2014 war er ihr Finanzvorstand und trug dazu bei, dass das Beihilfeverfahren mit der EU-Kommission beigelegt werden konnte. Brüssel hatte der Bank nach der staatlichen Rettung in der Finanzkrise hohe Auflagen gemacht. Zuvor war der gelernten Bank- und studierte Diplomkaufmann bei der Hypovereinsbank und der Bank Austria tätig. Er bringe damit alle Voraussetzungen mit, um die Bayern-LB in einem "sich grundlegend verändernden Markt- und Wettbewerbsumfeld strategisch weiterzuentwickeln und in eine erfolgreiche Zukunft zu führen", teilte Bayern-LB-Aufsichtsratschef Wolf Schumacher am Mittwoch mit. Bayerns Finanzminister Albert Füracker und die Sparkassen sagten, der Aufsichtsrat habe mit Winkelmeier eine überzeugende Wahl getroffen.

Mit den Eigentümern wird Winkelmeier aber klären müssen, wie die Landesbank künftig aussehen soll. In Finanzkreisen hieß es zuletzt, dass sich das Geldhaus stärker auf das Privatkundengeschäft konzentrieren könnte, das in der gut laufenden Direktbank DKB gebündelt ist. Dass mit Winkelmeier nun ein Risikoexperte, aber kein Privatkunden- oder gar Digitalbanker die Führung übernimmt, spricht eher dagegen, dass es in diese Richtung geht. Die Frage wird auch sein, welche Rolle die Landesbank bei der möglichen Fusion mehrerer Landesbanken spielen soll. Der Sparkassendachverband in Berlin will die Institute zusammenlegen und die Länder als Miteigentümer herausdrängen. Auch eine Privatisierung ist theoretisch denkbar, noch aber lässt sich der Freistaat nicht in die Karten schauen.

Bei der Bayern-LB gibt es jedenfalls mehr zu entscheiden als bei der FMS. Zum Segeln mit seinen zwei Kindern auf dem Chiemsee wird er daher ab August nicht mehr so häufig kommen. Allenfalls den Verkauf der irischen Tochter Depfa wird Winkelmeier zuvor wohl noch anstoßen. Dann geht es bei der Bad Bank dem Ende entgegen. Die letzten Papiere laufen zwar bis 2078. Spätestens 2025 werden diese aber zu anderen staatlichen Abwicklungseinrichtungen verschoben. "Wir haben nicht vor, hier zu sitzen, bis wir alle Verwesungsgeruch haben", kündigte Winkelmeier vor einem Jahr an.