Nahaufnahme:Die Limo-Prinzessin

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Nahaufnahme: "Ich arbeite nach der Schule, wenn die Hausaufgaben fertig sind, an Wochenenden und während der Ferien"

"Ich arbeite nach der Schule, wenn die Hausaufgaben fertig sind, an Wochenenden und während der Ferien"

Die elfjährige Mikaila Ulmer macht als Geschäftsfrau von sich reden: Mit Bienen, Limo und einem Millionendeal.

Von Vivien Timmler

Als sie an der Hand ihres Vaters die Bühne betritt, wirkt Mikaila Ulmer wie ein ganz normales Mädchen: Ein bisschen schüchtern, mit einem verhaltenen Lächeln auf den Lippen und ganz schön aufgeregt. Dabei steckt in der Elfjährigen aus dem US-Bundesstaat Texas eine knallharte Geschäftsfrau: 60 000 Dollar fordert sie von den Juroren der amerikanischen Castingshow "Shark Tank", also "Haifischbecken", bei der Unternehmensgründer versuchen, eine Reihe von Managern dazu zu bringen, in ihre Firma zu investieren.

Mikaila möchte mit dem Geld Limonade produzieren. Ihre Marke "BeeSweet" wird bislang nur in wenigen Biomärkten in ihrer Heimat Austin verkauft, aber das habe großes Potenzial, erklärt sie den Investoren und hört sich dabei an, als habe sie bereits fünf Semester Marketing studiert.

Alles beginnt mit einem Bienenstich

Dass sie die 60 000 schließlich wirklich bekommt, liegt an keinem Kinderbonus, den das dunkelhäutige Mädchen mit der offensichtlichen Vorliebe für zitronengelbe Kleider gegenüber den anderen Kandidaten hat. Die Geschichte ihrer Firma rührt die Investoren von Beginn an. Alles begann vor sieben Jahren: Mikaila war damals vier Jahre alt und spielte gerade mit ihrem Bruder im Garten der Familie, als sie von einer Biene gestochen wurde. "Es tat sehr weh, ich hatte große Angst vor den Insekten", erinnert sie sich. Trotzdem habe ihre Mutter sie dazu ermutigt, mehr über die Tiere herauszufinden. Je mehr sie über Honigbienen las, desto mehr war sie von ihnen fasziniert, aber desto trauriger machte es sie auch, dass viele Arten vom Aussterben bedroht sind. Sie wollte ihnen helfen - und stieß wenige Tage später zufällig auf ein Limonadenrezept ihrer Großmutter.

Ihr kam der Einfall, den Zucker in der Limonade durch Honig zu ersetzen. Das mache die Limo gesünder - und sie könne den Bienen helfen. Die süßen Getränke verkaufte sie zusammen mit bemalten Steinen in einem selbst gezimmerten Stand vor ihrem Haus. "Aber die Limonade war unser Top-Seller", sagt Mikaila.

Millionen-Deal mit Biosupermarkt-Kette

Deshalb gründete sie mithilfe ihrer Eltern "BeeSweet". Aber sie merkte schnell: So eine eigene Firma nimmt viel Zeit in Anspruch. "Ich arbeite nach der Schule, wenn die Hausaufgaben fertig sind, an Wochenenden und während der Ferien", sagt sie in einem Interview mit dem Fernsehsender NBC News. Außerdem arbeite ihre ganze Familie in ihrem Unternehmen mit. Ihre Eltern hatten zuvor beide im Marketingbereich gearbeitet und dürften daher gewusst haben, wie man ein solches Produkt gut vermarktet. Mikaila springt mit ihrer Limonade nämlich gleich auf zwei Trends auf. Das Getränk beinhaltet ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe: Zitrone, Minze, Honig und Leinsamen. Der Bio-Trend also. Außerdem ging von Anfang an ein Teil der Limo-Erlöse an Projekte, die den Schutz von Bienen unterstützen, und an Bienenzüchter - die soziale Komponente.

Das kommt bei den Käufern gut an: In ihrem Online-Shop sind vier von fünf Produkten ausverkauft. Und vor Kurzem landete die Elfjährige ihren ersten großen Millionen-Deal: Whole Foods, die größte Biosupermarktkette Amerikas, will BeeSweet künftig in 55 Filialen in Amerika verkaufen und schloss mit der Familie einen Vertrag über knapp zehn Millionen Euro ab.

Die mit drei Dollar pro 0,35-Liter-Flasche hochpreisige Limo gibt es in vier Geschmacksrichtungen: Minze, Ingwer, Eistee und Kaktusfeige. Besonders stolz ist Mikaila aber auf die neuen Flaschendesigns, denn auf denen ist ihr eigenes Gesicht zu sehen. "Ich fühle mich sehr besonders, es macht mich sehr stolz", so die Sechstklässlerin. Trotz des Deals will sie weiterhin auch in ihrem eigenen Stand Limo verkaufen - und in ihrer restlichen Freizeit hält sie Vorträge, um über das Bienensterben aufzuklären.

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