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Nahaufnahme:Die Leidenschaftliche

"Essen ist Glück, Essen ist Liebe, Essen ist Fürsorge", sagt Jaclyn Schnau.

(Foto: Pumpkin Organics/oh)

Jaclyn Schnau will mit ihrem Start-up die Babynahrung verbessern - und anderen Frauen ein Vorbild sein.

Von Paulina Würminghausen

Man könnte meinen, das Thema des Interviews sei Essen - dabei soll es doch eigentlich um sie gehen: um Jaclyn Schnau, 41 Jahre alt, Gründerin der Babynahrungsfirma Pumpkin Organics. Aber man merkt schnell, dass das beides zusammengehört, Essen und Jaclyn Schnau. Ihre Hobbys? Kochen. Ihre Leidenschaft? Kochen. Das, was sie an Deutschland am meisten mag? Natürlich: das Essen. "Ich glaube ernsthaft, ich sage die ganze Zeit nur eine Sache", sagt die gebürtige Kanadierin auf Englisch und lacht.

Ihre Leidenschaft ist tief verwurzelt, erzählt sie heute: Als sie 13 Jahre alt ist, wird ihre Mutter schwer krank und liegt wochenlang im Krankenhaus. Schnau kocht für sie, um sie aufzumuntern, um ihr zu zeigen, dass sie für sie da ist. "Essen ist Glück, Essen ist Liebe, Essen ist Fürsorge", sagt sie, es klingt fast wie ein Mantra.

Da ist es nicht wirklich verwunderlich, dass Schnau heute auch mit Essen arbeitet. Seit vier Jahren entwickelt sie mit ihrem Unternehmen Essen für Babys und Kinder. Gesund soll es sein, organisch, mit viel Gemüse und wenig Zucker. "Smart food for super babies", steht auf der Twitter-Seite von Pumpkin Organics. Schnau meint: Gerade die ersten Tage und Wochen seien prägend für die weitere Entwicklung des Babys, da werde der Grundstein dafür gelegt, was das Kind in seinem Leben essen werde. Mit ihrer Idee trifft sie vermutlich auf einen Nerv der Zeit: Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, was sie eigentlich essen. Und Schnaus Unternehmen wächst, mittlerweile gibt's die Quetschbeutel mit dem organgefarbenen Schriftzug auch bei dm und Rewe. "2020 war ein großartiges Jahr für uns", sagt sie - und dürfte als Start-up wohl eher alleine mit dieser Aussage dastehen.

Das alles musste sich Jacyln Schnau erst hart erarbeiten. Als Frau sei es in Deutschland nicht leicht zu arbeiten - geschweige denn, sich selbständig zu machen. "Das System ist so aufgebaut, dass immer jemand zu Hause bleiben muss. Und traditionsgemäß ist das die Frau." Dabei hätten Frauen hervorragende Führungsmerkmale. "Wir müssen so viel auf einmal schaffen, Kinder, Familie, Beruf, die Eltern pflegen. Da haben wir keine Zeit zu verlieren, wir müssen produktiv sein", sagt Schnau. Sie hofft, dass sie für andere junge Frauen eine Inspiration sein kann - und stellt selbst viele Frauen ein, sagt sie.

"Wir bewundern, was Herr Hipp getan hat."

Bevor sie Pumpkin Organics gründete, studierte sie in Harvard, sammelte Arbeitserfahrung bei großen Unternehmen wie Pizza Hut und dem Eishersteller Häagen-Dazs. Und mit denen verbinden viele ganz anderes als das, was Schnau heute mit ihrem Start-up repräsentieren will. "Aber ich wollte das Essen auf der ganzen Welt verstehen", sagt sie. Bei Pizza Hut wollte sie zunächst gar nicht arbeiten. Heute ist sie sogar stolz darauf: Sie habe dort ein komplett neues Konzept entwickelt, mit viel Gemüse und neuen Salatkreationen.

Auch die Babynahrungsbranche will sie mit ihrem Start-up neu erfinden. "Wir bewundern, was Herr Hipp getan hat, um diesen Markt überhaupt zu erschaffen", sagt Schnau und meint mit "Herrn Hipp" den verstorbenen Georg Hipp, der sein gleichnamiges Unternehmen zum führenden Hersteller von Babynahrung entwickelte. Sie sei sich bewusst, auf den Schultern eines "Giganten" zu stehen, sagt sie. "Wir wollen es nur modernisieren."

Das macht sie zusammen mit ihrem Ehemann Florian Schnau. Der ist erst später ins Unternehmen eingestiegen und habe seinen gut bezahlten Job aufgegeben, ihr zuliebe. "Er lässt mich strahlen", sagt Schnau. Zusammen haben die beiden eine kleine Tochter. Sie testet alle Produkte. Vielleicht wird sie später auch mal so leidenschaftlich über Essen reden wie ihre Mutter.

© SZ
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