IWF-Chefin Christine Lagarde Die mit Schäuble über Bande spielt

IWF-Chefin Christine Lagarde

(Foto: AP)

Christine Lagarde - mächtige Chefin des Internationalen Währungsfonds' - ist mit Finanzminister Schäuble auf Augenhöhe. Beide spielen auf vermintem Gelände.

Von Cerstin Gammelin

Nicht nur rein optisch sticht Madame Christine Lagarde aus den Herrenrunden der Euro-Retter heraus. Edle, feminine Kleidung, Kurzhaarschnitt, aufrechter Gang - das sind die Ingredienzien, mit denen sich die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds in Washington inszeniert. Doch sie fällt nicht nur deswegen auf, sondern auch, weil sie überaus erfolgreich in diesen Runden mitspielt. Beispiel Griechenland.

Am Montag dieser Woche, kurz nach der vorläufigen Einigung im griechischen Schuldenstreit, ließ sie durchsickern, Griechenlands Schuldenberg sei jetzt aber wirklich viel zu hoch, das Land brauche schnell und dringend Schuldenerleichterungen, "die über alles hinausgehen, was in Europa bisher dazu angeboten wurde". Mit diesem in bester diplomatischer Manier formulierten Halbsatz begab sich Lagarde auf das lange politisch verminte Gelände eines möglichen Schuldenschnitts für Griechenland. Vermint, weil Deutschland einen solchen Schuldenschnitt bislang kategorisch ausgeschlossen hatte.

Lagarde konnte das Gelände dennoch relativ gefahrlos betreten - dafür hatte zuvor Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gesorgt. Schäuble und Lagarde sind Juristen und Freunde; und sie können über Bande spielen. Wie jetzt: Als Lagarde den diplomatischen Halbsatz formulierte, hatte Schäuble längst das Minengelände geräumt, indem er selbst einen Schuldenschnitt in Aussicht stellte. Allerdings nur dann, wenn Griechenland zuvor einen Antrag auf Austritt aus der Euro-Zone stelle.

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Schäuble und Lagarde spielen auf Augenhöhe

Für dieses Spiel auf Augenhöhe hat die Französin einen langen Weg zurückgelegt. Die französische Zeitung Le Monde hat am 6. Juni 2013 einen Brief von Lagarde an Nicolas Sarkozy abgedruckt, der außerhalb des französischen Sprachraums als peinlich beschrieben wurde. Das undatierte Schreiben wurde während richterlich angeordneter Hausdurchsuchungen zum Adidas-Deal zugunsten von Bernard Tapie gefunden und öffentlich gemacht. Es dokumentiert, wie schwer es für die in New York tätige Wirtschaftsanwältin war, einen politischen Chefposten zu bekommen. In einem Tonfall, der allgemein als unterwürfig empfunden wurde, bittet Lagarde Sarkozy um einen Platz in seinem Team - und versichert ihm dafür unbegrenzte Loyalität. Sie habe "nicht den Wunsch, ein dienstfertiger Ehrgeizling zu werden wie viele in deinem Umkreis, deren Loyalität neueren Datums und oft nicht von Dauer ist", schreibt sie. Und: "Benutze mich so lange, wie es dir passt und wie es deiner Aktion und deinem Casting entspricht. Wenn du mich brauchst, benötige ich deine Führung und Unterstützung: ohne Führung wäre ich ineffizient, ohne Unterstützung wäre ich nicht sehr glaubwürdig. Mit meiner immensen Bewunderung, Christine L.".

Nach dieser Loyalitätserklärung wurde Lagarde 2007 Ministerin für Landwirtschaft und Fischerei, später Chefin des Wirtschafts- und Finanzministeriums. Als Dominique Strauss-Kahn 2011 wegen des Verdachts der Vergewaltigung zurücktrat, schlug der französische Präsident seine Finanzministerin als dessen Nachfolgerin vor. Sie bekam den Posten. Seither steht sie loyal den Euro-Staaten bei der Rettung Griechenlands zur Seite. Streng genommen, hätte der Fonds aufgrund des Statuts seine Finanzhilfe längst einstellen müssen. Die Juristin Lagarde fällt allerdings inzwischen auch dadurch auf, dass sie den Griechenlandkurs hält.