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Nahaufnahme:Die Beschleunigerin

Alexa Gorman: "Diverse Teams sind bessere Teams"

(Foto: OH)

Alexa Gorman sucht für SAP die besten Software-Start-ups - und achtet dabei besonders auf diverse Teams.

Alexa Gorman weiß, was ein gutes Start-up ausmacht, trotzdem wollte sie selbst nie gründen. Das liegt daran, dass sie seit 20 Jahren einen Job bei SAP hat, der ihr "super viel Spaß macht". Und davor war die Start-up-Welt noch eine andere. "Damals gab es keine Gründerkultur, keine Acceleratoren, kein Ökosystem", sagt die 46-Jährige. Heute gibt es sie, die Inkubatoren und Acceleratoren - zu Deutsch: Beschleuniger, die Jungunternehmern helfen, zu starten und zu wachsen. Einer davon ist SAP.iO. Gorman ist Leiterin der Foundries, der lokalen Ableger, in Europa und Israel. 141 Start-ups haben die weltweit acht Foundries seit der Gründung 2017 gefördert. Die durchlaufen ein dreimonatiges Programm und dürfen am Ende ihre Software über eine SAP-Plattform anbieten. So bekommen die Start-ups Zugang zu SAP-Kunden und das Software-Unternehmen ein breiteres Angebot und eine Provision.

Ob eine junge Firma erfolgversprechend ist, erkennt Gorman vor allem an drei Fragen: Ist das Team gut? Löst es ein Problem, das tatsächlich viele Firmen haben? Und wird die Lösung auch in Zukunft gebraucht? Das herauszufinden und die Start-ups gezielt zu fördern, mache ihr mehr Spaß, als selbst zu gründen. "Durch meine lange Erfahrung bei der SAP und mein Netzwerk kann ich mit einem Anruf viel bewegen für ein Start-up", sagt sie. Das ist es wohl, was SAP mit dem kryptischen Namen iO meint: Das kleine "i" steht für einen kleinen Input, das große "O" für einen großen Output.

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Gorman führt durch die Räume der Münchner Foundry. Viele Schreibtische stehen für die Start-ups bereit, ein paar Gründer tauschen sich an einem Stehtisch aus. Meistens arbeitet Gorman von Berlin aus, doch sie schaut regelmäßig in den anderen Foundries in Paris, Tel Aviv und eben München vorbei. Öfter mal Ort und Sprache zu wechseln, ist Gorman gewohnt. Sie kam direkt nach dem BWL-Studium zu SAP, war zwei Jahre für den Konzern in New York, zwölf in Paris, sie spricht fließend Deutsch, Englisch und Französisch. Schon ihre Kindheit verbrachte die Tochter eines Iren und einer Deutschen auf verschiedenen Kontinenten: Mit vier Jahren zog sie mit ihrer Familie auf die Karibikinsel Saint Lucia. Später lebte sie vier Jahre in Irland, bevor sie mit 16 zurück nach Deutschland kam. "Mein Englisch ist stärker als mein Deutsch", sagt sie in akzentfreiem Deutsch. "Ich rede auch mit meinen Kindern englisch." Und noch etwas hat Gorman ihren drei Kindern weitergegeben: ihr Interesse für Technik und IT. Die Tochter lernte zu coden, als sie sechs Jahre alt war - in einer Programmiersprache, für die man nicht schreiben und lesen können muss. Die Kinder haben eigene Laptops, auf denen sie programmieren.

Sie selbst habe es nie gestört in einer Branche zu arbeiten, in der sie meist zwischen Männern sitzt. Auch in der Broschüre mit den sieben Start-ups, die gerade in München das Förderprogramm durchlaufen, sieht man fast nur Männerköpfe. "Es gibt weniger Gründerinnen als Gründer in diesem Bereich", sagt Gorman. Zudem geht ein Großteil des Risikokapitals an rein männliche Teams, wie Studien zeigen. Um dem entgegenzuwirken, hat sich SAP.iO Anfang des Jahres verpflichtet, bis zu 40 Prozent des eigenen Fonds - des zweiten Beins neben den Foundries - in Start-ups von Personen zu stecken, die bei Investments unterrepräsentiert sind. Dazu gehören neben Frauen etwa ethnische Minderheiten. Bis 2023 sollen 200 diverse Start-ups finanziell oder durch das Foundry-Programm gefördert werden. "Diverse Teams sind bessere Teams", sagt Gorman. Die Initiative zeigt Wirkung: Lag der Anteil diverser Start-ups bei der Foundry Anfang 2019 noch bei 30 Prozent, machen sie jetzt mehr als die Hälfte aus.

© SZ vom 06.12.2019
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