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Adrian Kapsalis: "Es war uns wichtig, dass wir keinen Profit daraus schlagen."

(Foto: Loewi)

Adrian Kapsalis, Mitgründer des Start-ups Loewi, hilft im Kampf gegen Corona - und stellt Antikörpertests bereit. Verdienen will er daran nicht.

Loewi hat ein gutes Timing. Das Münchner Start-up hatte Mitte Februar gerade eine Finanzierungsrunde abgeschlossen - zu einer Zeit also, in der sich noch kaum jemand vorstellen konnte, dass das Coronavirus schon einen Monat später ganz Deutschland lahmlegen würde. Auch wenn Adrian Kapsalis nicht glaubt, dass die Investoren zu einem späteren Zeitpunkt abgesprungen wären. Dafür ist der 28-Jährige zu überzeugt von dem Produkt seines Unternehmens, das er zusammen mit einem Sportmediziner, einem Datenwissenschaftler und einem IT-Experten im Januar 2019 gründete.

Loewi bietet seinen Kunden etwas, das zuvor überwiegend Profisportlern vorbehalten war: Mithilfe von Bluttests und einer Anamnese ermittelt das Start-up, mit welchen Nährstoffen man wie gut versorgt ist, gibt individuelle Ernährungstipps und stellt ein darauf abgestimmtes Nahrungsergänzungsmittel bereit. Und seit Anfang Mai bietet das Start-up auch Antikörpertests für das Coronavirus an. Damit lässt sich circa zwei bis drei Wochen nach einer Erkrankung feststellen, ob es tatsächlich das gefährliche Virus war.

Für 69 Euro können sich Kunden den Antikörpertest nach Hause bestellen. Wie bei einem Diabetestest entnimmt man sich selbst ein paar Tropfen Blut und schickt sie per Post zurück. In einem zertifizierten Labor in Deutschland werden die Proben dann untersucht und man erhält das Ergebnis per E-Mail. Die Idee für den Test kam nicht von ungefähr: Von einem Bekannten, dessen Familie in Wuhan lebt, hätten sie schon früh von dem Virus gehört, erzählt Kapsalis. Auch deshalb seien sie besonders aufmerksam gewesen und hätten bereits Anfang März ins Home-Office gewechselt, deutlich bevor die Ausgangsbeschränkungen erlassen wurden. Erneut ein gutes Timing. Bald darauf hatten sie selbst einen Corona-Fall in ihrem 15-köpfigen Team, konnten aber weiterarbeiten, weil der Erkrankte schon lange von zu Hause aus arbeitete. Doch es dauerte eine Weile, bis klar war, dass sich der Mitarbeiter angesteckt hatte. Ein erster Corona-Test fiel negativ aus. Mit einem solchen Test kann nur untersucht werden, ob jemand aktuell mit dem Erreger infiziert ist. Erst ein zweiter Corona-Test und schließlich ein Test auf Antikörper brachte Gewissheit. Danach hätten sich einige Mitarbeiter gefragt, ob sie möglicherweise auch schon erkrankt waren, sagt Kapsalis.

Manche hätten im Frühjahr verdächtige Symptome gezeigt und sich vorsichtshalber in Quarantäne begeben, hatten aber keine Möglichkeit, sich testen zu lassen. Ende April nahm Loewi dann an dem "EU vs Virus"-Hackathon teil, einer Art digitalem Ideenwettbewerb, der von der Europäischen Kommission zur Bekämpfung des Virus ausgerufen wurde. Loewi schlug vor, Antikörpertests einer breiten Masse zugänglich zu machen, und landete mit der Idee prompt auf einem der vorderen Plätze. Durch ihr Kerngeschäft hätten sie bereits viel Erfahrung mit Bluttests für zu Hause, sagt Kapsalis. "So konnten wir unsere bestehende Lieferkette und Infrastruktur nutzen und die Antikörpertests schnell integrieren." Daran verdienen möchten sie aber nicht, sie kämen ungefähr bei null raus. "Es war uns wichtig, dass wir keinen Profit daraus schlagen", so Kapsalis.

Wie lange Loewi die Antikörpertests bereitstellen will, das weiß der ehemalige BWL-Student noch nicht. Je nachdem, wie sich die Nachfrage entwickle. Das Kerngeschäft, die Ernährungsoptimierung, laufe ja weiter. Und das erhole sich gerade wieder, sagt Kapsalis. Kunden seien nicht nur Profifußballer und andere Sportler. Mittlerweile seien die Hälfte Privatkunden. Insgesamt spüre Kapsalis einen "positiven Push im Gesundheitsbereich". Auch wieder gutes Timing.

© SZ vom 26.05.2020

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