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Nahaufnahme:Der perfekte Duft

„Wir beobachten seit etwa sieben Jahren, dass der Trend hin zum Layering geht“, sagt Stefanie Hanssen.

(Foto: oh)

Stefanie Hanssen kreiert Parfums, die zum Typ passen. "Wir beobachten seit etwa sieben Jahren, dass der Trend hin zum Layering geht." Damit meint sie die Kombination aus mehreren Komponenten zum individuellen Parfum.

Als Stefanie Hanssen 2009 ihr Unternehmen Frau Tonis gründete, hatte sie eine "Odyssee in Berlin" hinter sich, wie sie sagt. Alles begann mit einer Frau, die unglaublich gut duftete. Hanssen war entschlossen, herauszufinden, welches Parfum die Frau trug. "Hätte ich sie einfach gefragt, hätte ich wohl nie gegründet", sagt Hanssen heute, im zehnten Jahr ihrer Selbständigkeit. Doch das tat sie nicht, stattdessen machte sie sich auf die Suche: Sie ging in Parfümerien und beschrieb Verkäufern den Duft, der sie nicht mehr losließ. "Man hat mir gar nicht zugehört", sagt sie. Ihr wurde angeboten, was der Markt gerade hergab: Parfums von der Stange. Sie selbst würde das anders machen, dachte sich Hanssen damals.

Heute bietet sie mit ihrer Parfummanufaktur Frau Tonis hochwertiges Eau de Parfum und Eau de Cologne und ein Portfolio an Düften jenseits des Mainstreams an. Zusammen mit ihrem Geschäftspartner versucht sie so, den traditionellen Markt aufzubrechen. Konkurrenten seien für sie weniger Douglas und Co. als vielmehr Parfümerien und Manufakturen im Premiumbereich. "Nischenparfums boomen", weiß Hanssen.

Der perfekte Duft soll im Kopf bleiben, sagt die Unternehmerin, er müsse aber nicht "sexy" wirken, wie das so manche Werbung andeute. Für sie selbst ist das im Frühling ein "sanfter und beruhigender" Duft mit Freesien, im grauen Berliner Winter Orange. Um eine Ahnung davon zu bekommen, wie man selbst gerne riechen möchte, bietet das Unternehmen auf seiner Homepage einen Dufttest an, der aus fünf Fragen besteht. Der Test ermittelt, welche Duftnote im Vordergrund stehen soll, zum Beispiel orientalisch oder blumig, oder ob man sich selbst als modernen, extravaganten oder klassischen "Dufttyp" bezeichnet. Mit den Vorschlägen, die am Ende herauskommen, kann man im Store noch einmal proberiechen oder direkt online bestellen. Viele Kunden bevorzugten einen individuellen Duft durch die Kombination aus mehreren. "Wir beobachten seit etwa sieben Jahren, dass der Trend hin zum Layering geht", sagt sie.

Im ersten Jahr wäre sie fast gescheitert, weil sie sich die falsche Lage für ihr Geschäft ausgesucht hatte. Nach dem Umzug liegt die Parfümerie heute direkt am Checkpoint Charlie. In dem minimalistisch gehaltenen Store fällt ein großes altes Foto über der Ladentheke sofort ins Auge: Es zeigt Hanssens Großmutter, die heute 90 Jahre alt ist, und die die Gründerin zum Geschäft mit den Gerüchen inspirierte: Bei ihr ist Hanssen aufgewachsen, im wenig mondänen Wanne-Eickel. Die Großmutter habe jedoch statt "4711" immer besondere Düfte getragen. Ihr widmete sie den Duft "Rose".

In den vergangenen zehn Jahren hat die 50 Jahre alte Betriebswirtin Erfahrung gesammelt und aus Fehlern gelernt: In einem Berliner Gründerzirkel, wo es eigentlich um den Erfahrungsaustausch gehen sollte, war sie die einzige Frau. Sie habe das viele Testosteron im Raum förmlich riechen können. "Die wollten sich gegenseitig mit ihren Leistungen ausbooten und übertrumpfen", sagt Hanssen heute. Deshalb appelliere sie an junge Frauen, sich zusammenzutun und eigene Netzwerke aufzubauen. "Manche Labels bestehen aus ein oder zwei Leuten und der Praktikantin."

Viele junge Gründer seien deshalb nach ein paar Monaten ausgebrannt. Um nicht unterzugehen angesichts der großen Anzahl von Mitbewerbern, setzt sie mit Frau Tonis auf ausgewählte Kooperationen: "Miteinander statt gegeneinander", wie sie sagt. Auch mit der Kadewe-Group arbeitet sie zusammen. Als große Parfümerieketten anfragten, lehnte sie jedoch ab. "Das wurde mir plötzlich eine Nummer zu groß", sagt Hanssen. Ihre Flakons zwischen all den Parfums von der Stange spräche gegen ihre Philosophie.