Nahaufnahme Der Netzwerker

"Es gibt auch einen Beruf nach der Politik." Steffen Kampeter.

(Foto: dpa)

CDU-Staatssekretär Steffen Kampeter wird Cheflobbyist der Arbeitgeber. Der CDU-Staatssekretär im Bundesfinanzministerium startet im nächsten Jahr.

Von Ulrich Schäfer

Die meisten Menschen kennen Reinhard Göhner nicht, aber Reinhard Göhner kennt so ziemlich alle Menschen, die in Berlin wichtig sind. Kein anderer Lobbyist in der Hauptstadt ist so gut vernetzt wie der Hauptgeschäftsführer der BDA, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. 19 Jahre hat Göhner, einst Staatssekretär im Bundesjustiz- und im Bundeswirtschaftsministerium, diesen einflussreichen Job ausgeübt; und er wird ihn, wie die BDA am Dienstag bekannt gab, im Juli 2016 an jemanden übergeben, der - wenn man die Lebensläufe vergleicht - geradezu prädestiniert ist dafür.

Auch Steffen Kampeter, 52, ist Parlamentarischer Staatssekretär; auch er gehört der CDU an und saß viele Jahre, genauer genommen: ein Vierteljahrhundert, im Bundestag; auch er wurde in Ostwestfalen geboren: nicht in Bünde, so wie Göhner, aber nur 35 Kilometer entfernt in Minden. Und noch etwas hat Kampeter mit seinem Vorgänger gemein: Er ist bestens vernetzt; in der Politik, in der Wirtschaft, in den Medien; er ist einer, der seine Kontakte hegt, sie pflegt und sie zu nutzen weiß.

Kampeter fällt auf mit seiner kräftigen, manchmal dröhnenden Stimme. Ein jovialer Typ, der ständig unter Strom steht. Einer, der die Dinge verändern, etwas bewegen will und der immer für einen flotten Spruch gut ist, einen Witz samt Seitenhieb. Als er im Herbst 2009 unter Finanzminister Wolfgang Schäuble Parlamentarischer Staatssekretär wurde, nach fast zwei Jahrzehnten im Bundestag, in denen er sich als Umwelt- und Haushaltspolitiker profiliert hatte, kündigte er zum Beispiel an: "Ich bin kein Briefmarken-Mann." In dem Spruch fand sich sein Spott wieder über jene Vorgänger, die wenig Einfluss hatten (außer bei der Vorstellung von neuen Briefmarken); in dem Spruch wurde aber auch sein Anspruch deutlich, als Parlamentarischer Staatssekretär (der ja zugleich auch Abgeordneter ist) die Macht nicht den Beamteten Staatssekretären überlassen zu wollen, den hauptamtlichen Dienern des Ministers. Kampeter zog deshalb viele Themen an sich, gerade in der Finanzkrise: Rettungspakete, Landesbanken - überall mischte er sich ein; die beamteten Staatssekretäre Jörg Asmussen (später Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank) und Werner Gatzer (zuständig für den Haushalt) sahen es nicht immer gern.

Kein Zweifel: Kampeter strebte nach Höherem; er wäre wohl gern selber Minister geworden. Aber vor ihm steht Schäuble; und der macht keine Anstalten, sich zu verabschieden - vielleicht auch nicht nach der nächsten Wahl. Geht er also im Frust? "Nein, ganz und gar nicht", betont er. Warum aber dann? "Weil die Aufgabe bei der BDA gelebte soziale Marktwirtschaft ist - eine spannende Herausforderung in einem spannenden Verband." Und weil es, wie nicht nur seine Frau meine, nach 25 Jahren auch mal guttue, was anderes zu machen: "Es gibt auch einen Beruf nach der Politik."

Kampeter hätte - davon kann man ausgehen - durchaus andere, lukrativere Optionen gehabt. Angebote aus der Wirtschaft soll es mehrere gegeben haben, vor allem aus der Finanzbranche, in der er gut vernetzt ist; er hat sie alle abgelehnt. Auch den Job bei der BDA kann Kampeter nicht sofort antreten. Wenn ihn der Arbeitgeber-Vorstand im Juni wählen sollte, wird er sein Amt als Staatssekretär aufgeben und dann zwölf Monate warten, ehe er den neuen Posten antritt: So sieht es das neue Gesetz für Politikerwechsel in die Wirtschaft vor. "Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit", sagt Kampeter. Und im Juli nächsten Jahres wird der Ostwestfale dann auch sein Abgeordnetenmandat aufgeben - anders übrigens als Göhner, der als BDA-Mann noch mehr als zehn Jahre im Bundestag saß.