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Nahaufnahme:Der Geburtshelfer

„Wir haben dafür 15 Jahre gebraucht, wir hatten kein Venture-Capital und haben unser eigenes Geld mehrmals verbraten“, sagt Manfred Tropper.

(Foto: OH)

Manfred Tropper betrieb schon mit 16 eine kleine Webagentur. Jetzt unterstützt er Firmen bei der Digitalisierung. Aber auf eine ungewöhnliche Art und Weise.

Das Beste an der Uni? "Dass ich dort meine beiden Mitgründer getroffen habe", sagt Manfred Tropper. Der 35-Jährige will das nicht als Kritik an der TU München verstanden wissen. Wer sich mit dem Seriengründer unterhält, merkt schnell, dass er nicht der Typ ist, der zehn Semester studiert und dann in einem Großunternehmen bis zur Pension arbeitet. Dass ihm der Sinn nach anderem stand, hat sich bei dem Münchner früh gezeigt. Bereits mit 16 betrieb er eine kleine Webagentur, die kleine Internetpräsenzen für ein paar Kunden baute.

Heute, mit 35, ist der "Techie at heart" mit seinen beiden Freunden von der TU Chef der Firma Mantro, der er auch ihren Namen gab. Mantro könnte man bezeichnen als Geburtshelfer für digital getriebene Unternehmen. Die Münchner arbeiten meist mit größeren Firmen zusammen. Die hätten zwar eigentlich die Power, das selbst zu machen. "Aber oft trauen sie es sich nicht zu", und viele steckten auch nicht zu 100 Prozent drin im Digitalen.

Also passiert Folgendes: Mantro entwickelt mit dem größeren Unternehmen eine Idee und gründet, falls die Anklang findet, ein Joint Venture. Dies allerdings nicht mit dem Ziel, es wieder abzustoßen, sondern die Anteile zu halten. Wie kommt man auf so etwas? "Wir haben dafür 15 Jahre gebraucht", erzählt Tropper schmunzelnd, "wir hatten kein Venture-Capital und haben unser eigenes Geld mehrmals verbraten." Auch heute, die Firma macht längst Millionenumsätze, beträgt die Eigenkapitalquote 95 Prozent.

Aber warum nun die Sache mit den Joint Ventures? Mantro muss nicht für jedes neue Start-up ein komplettes Team zusammenstellen, sondern nutzt Potenzial, das schon im Hause ist. Haus darf man dabei ganz wörtlich nehmen. Denn nicht nur alle 60 Mitarbeiter der Mutterfirma arbeiten in einem Gebäude im Münchner Stadtteil Sendling. Auch die 220 weiteren Mitarbeiter aus den Joint Ventures sind dort untergebracht - wer zu irgendeiner Frage also Expertise braucht, hat es nicht weit. Außerdem muss Mantro nicht teure Geräte wie professionelle 3-D-Drucker oder ein Testlabor für Geräte aus dem Internet der Dinge mehrmals anschaffen.

Immerhin neun Semester hatte es Tropper ausgehalten im Studium der Wirtschaftsinformatik, doch es zog ihn einfach mehr an, sich um seine Firma zu kümmern, die er kurz vor Beginn des ersten Semesters gegründet hatte. Es war eine Software für Unternehmen, eine Art SAP also für kleine und mittlere Firmen. Doch dann fanden Tropper und seine Mitstreiter Markus Ortmann und Benjamin Schüdzig das schlicht zu langweilig: "Das war ja keine richtige Digitalisierung."

Digitalisierung, das ist für ihn ein Produkt wie Oilfox. Oilfox ist zunächst ein Gerät, das man auf den Öltank der Heizung montiert, mittels Ultraschall misst es den Ölstand und gibt ihn über eine Funkverbindung weiter an eine Smartphone-App. Diese wiederum macht es möglich, nach den besten Angeboten für Heizöl zu suchen und den Brennstoff auch gleich zu ordern. Haustechnik ist auch sonst ein Schwerpunkt von Mantro. Ein größeres Projekt, bei dem öffentliche Gebäude wie etwa Schulen mit Sensoren vernetzt werden, die unter anderem Temperatur, Luftqualität und Feuchtigkeit messen, läuft gerade an. "Wir machen viel zur effizienten Nutzung von Gebäudeflächen", sagt Tropper.

Natürlich: Nicht jedes Projekt wird ein Erfolg. Am liebsten ist es Tropper, wenn er über Joint Ventures mit seinen Kunden verbunden bleibt. Im Falle des Lichtkonzerns Osram lief es anders. Die fanden die Idee von Mantro zur intelligenten Gebäudeüberwachung so gut, dass sie Mantro auszahlten und sie alleine machten. Tropper kann es verschmerzen: "Manchmal wird es halt nix."