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Nahaufnahme:Der ganz normale Wahnsinn

Eigentlich sei er doch ganz normal, sagte Stroll einmal. "Die meisten Jungs lieben doch Autos. Ich habe mich in jungen Jahren in sie verliebt."

Wie der kanadische Investor und PS-Junkie Lawrence Stroll die Aktie der Sportwagenikone Aston Martin beflügelt.

Was er so für ein Typ ist? Nun ja, "ein ganz normaler Typ". So hat es Lawrence Stroll vor einem guten Jahr in einem Interview ausgedrückt. Wenn jemand eine Rennstrecke besitzt, Anteile an einem Formel-1-Team sowie eine ganze Garage voller Ferraris und anderer Sportwagen, erscheint diese Aussage vielleicht anmaßend, zumindest aber erklärungsbedürftig. Stroll hat dann auch erklärt, wie die Sache mit dem "normalen Typen" gemeint war. "Ich glaube einfach, dass ich ein ganz normaler Typ bin", wiederholte er. "Die meisten Jungs lieben doch Autos. Ich habe mich in jungen Jahren in sie verliebt."

Stroll und die Autos. Das kann man durchaus als so etwas wie eine große Liebe bezeichnen. Zwar hat der Kanadier, dessen Vermögen von Forbes auf 2,6 Milliarden Dollar geschätzt wird, sein Vermögen einst mit Beteiligungen an Klamottenmarken gemacht, darunter Tommy Hilfiger, Ralph Lauren und Michael Kors. Heute gehören Herz und Budget des 60-Jährigen aber auch und vor allem jenen Dingen, die fahren. Von seiner Garage in der kanadischen Provinz Québec existieren Fotos, die jedem, der noch nicht völlig automobilverdrossen ist, ein bisschen neidisch machen werden. Und auch im Familienleben spielt das Autofahren eine große Rolle. Seinem Sohn Lance hat Lawrence Stroll den Weg in die Formel 1 mitfinanziert. Gemeinsam mit Geschäftspartnern übernahm der Vater im vergangenen Jahr die Überbleibsel des insolventen Rennstalls Force India, der nun Racing Point heißt. Lance Stroll ist einer der Fahrer. Und sein Vater vermutlich ziemlich stolz.

Am Ziel scheint er damit aber noch längst nicht zu sein. Lawrence Stroll plant offenbar schon sein nächstes Autogeschäft. Der Kanadier, so berichten es mehrere britische Automagazine, soll Interesse an einem Einstieg beim britischen Sportwagenhersteller Aston Martin haben.

Zwar hat Stroll die Berichte bislang nicht bestätigt, und auch Aston Martin wollte sie nicht kommentieren. Doch allein die Gerüchte reichten schon aus, um die Aktie von Aston Martin in die Höhe zu treiben. In der vergangenen Woche stieg der Wert der Papiere binnen weniger Tage um 25 Prozent auf zeitweise mehr als sieben Euro (wenngleich er Anfang dieser Woche wieder leicht fiel). Verglichen mit dem Preis, zu dem die Aktie im vergangenen Jahr ausgegeben wurde - es waren umgerechnet mehr als 22 Euro - ist der aktuelle Kurs aber nach wie vor läppisch.

Dem langjährigen Mobilitätsdienstleister des berühmten Doppel-0-Agenten James Bond geht es mal wieder nicht so gut. 2018 schrieb das Unternehmen, das der US-Konzern Ford im Jahr 2007 an Finanzinvestoren verkaufte, einen Verlust von 67 Millionen Euro. Unter anderem setzt der bevorstehende Brexit dem Hersteller zu. Aston Martin hat für die möglichen Folgen 35 Millionen Euro beiseite gelegt. An den Finanzmärkten scheint man nun zu hoffen, dass ein Investor namens Stroll die Misere lösen könnte. Ein PS-Junkie als Retter einer Sportwagenlegende, das wäre ja auch eine schöne Geschichte. Ob sie gut geht? Oder überhaupt zustande kommt? Noch ist das ungewiss.

Was sich aber sagen lässt: Es wäre nicht das erste Mal, dass Aston Martin Hilfe gebrauchen kann. Seit ihrer Gründung im Jahr 1913 ging die Firma sieben Mal pleite. Und das, obwohl sie seit jeher sehr schöne Autos baut. Autos wie den DB5, der zu den gefragtesten Modellen in der Oldtimerszene gehört.

In der Gegenwart soll nun ein Modell namens DBX beim Geldverdienen helfen. Ein SUV, den die Auto Motor und Sport als "Wald-und-Wiesen-Aston-Martin" bezeichnet hat. Wie so eine klobige Karre sich in der Garage neben dem Ferrari 250 GTO macht, den Stroll besitzen soll? Na ja, lassen wir das.

© SZ vom 11.12.2019
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