Nachruf:Ein Vater des Euro

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Nachruf: Alexandre Lamfalussy (1929-2015) war Chef des Europäischen Währungsinstituts (EWI), dem Vorgänger der EZB.

Alexandre Lamfalussy (1929-2015) war Chef des Europäischen Währungsinstituts (EWI), dem Vorgänger der EZB.

(Foto: Antoine Antoniol/Bloomberg)

Seinen Namen kennen viele Menschen heute nicht mehr. Dabei hat Alexandre de Lamfalussy den Alltag von Millionen von Menschen in Europa geprägt.

Von Nikolaus Piper

Sein Name ist heute nur noch Fachleuten geläufig. Dabei hat der belgische Baron Alexandre Lamfalussy den Alltag von Millionen Menschen in Europa geprägt. Er gehörte zu den Vätern des Euro und zwar in dem Sinne, dass er die Regeln für die praktische Geldpolitik und für den Alltag der Währungsunion formulierte.

Alexander Lamfalussy wurde in Kapuvar (Ungarn) als Sohn eines Universitätsprofessors geboren, nach einer der stalinistischen Terrorwellen verließ er seine Heimat jedoch 1949. Er studierte an der Katholischen Universität Löwen (Belgien) und schloss mit einem Doktor für Ökonomie in Oxford ab. Von 1955 bis 1975 arbeitete er bei der Banque de Bruxelles, zuerst als Chefökonom, später als Vorstandsmitglied.

Danach wechselte er zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) nach Basel. Die BIZ war nach dem Ersten Weltkrieg gegründet worden, um die Reparationen des Deutschen Reiches abzuwickeln. Heute ist sie die Zentralbank der Zentralbanken und befasst sich mit der Stabilität des Weltfinanzsystems. So wurden die Regeln für das Eigenkapital der Banken ("Basel I, II und III) bei der BIZ formuliert. In Basel war Lamfalussy zunächst Berater, zuletzt General Manager der BIZ. 1988 bis 1989 gehört er einem vom damaligen Präsidenten der europäischen Kommission, Jacques Delors einberufenen Ausschuss an, der konkrete Schritte zu einer europäischen Währungsunion formulieren sollte. Das war noch vor der deutschen Wiedervereinigung, als die Gemeinschaftswährung plötzlich sehr schnell auf die Tagesordnung der Politik kam.

So war es nur konsequent, dass Lamfalussy 1994 zum Präsidenten des Europäischen Währungsinstituts (EWI) in Frankfurt wurde, der Vorgängerorganisation der Europäischen Zentralbank, EZB, die die praktische Umsetzung der Pläne für die Einführung des Euro verantwortete. 1997 wurde er von Wim Duisenberg abgelöst, dem späteren ersten Präsidenten der EZB. Nach seinem Rückzug vom EWI war Lamfalussy in verschiedenen Gremien als Berater tätig. Der belgische König erhob Lamfalussy in den Adelsstand. Die ungarische Notenbank stiftete 2014 zu seinen Ehren einen Preis. Am Samstag ist Alexander Lamfalussy in Brüssel im Alter von 86 Jahren gestorben.

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