Es war liebevoll, wie Klaus Schäfer über den Anfang seiner Firma sprach: Als der Eon-Konzern seine Gas- und Kohlekraftwerke ins neue Unternehmen Uniper abspaltete, sei das wie die Trennung von eigenen Kindern gewesen. "Jeder weiß, wie es ist, irgendwann nicht mehr abends ins Elternhaus zu kommen, sondern in die eigene Wohnung", sagte Schäfer damals, 2016. "Das ist eine einmalige Chance."
Der gebürtige Regensburger wurde erster Chef von Uniper, der Kraftwerksfirma, die als Resterampe galt und mit einem Kurs von zehn Euro begann. Heute ist eine Uniper-Aktie gut 27 Euro wert. Und doch kam so vieles tragisch anders, als Schäfer es sich wünschte.
Der Betriebswirt hatte, nach einer Station als Analyst in London, 1996 beim Eon-Vorläufer Viag angefangen. Schäfer machte Karriere in München, Mailand, Essen, stieg zum Finanzchef auf. Dann wechselte er zur neuen Uniper. Er warb vor allem für seine Gaskraftwerke als sichere Bank, "wenn Sonne und Wind nicht ausreichen".
Der Segler und Familienmensch, der zwischen Düsseldorf und Bayern pendelte, brütete gerade an einem Wachstumsplan, als Eon 2017 alle überraschte: Der Konzern verkaufte seine Uniper-Restbeteiligung am Stück an den finnischen Energiekonzern Fortum, hinter Schäfers Rücken. Fortum unterbreitete ein Übernahmeangebot.
Schäfer sah die Unabhängigkeit, die ihm so kostbar war, bedroht. Er nannte die Offerte "feindlich", Fortum einen "Wolf im Schafspelz". Beschäftigte fürchteten die Zerschlagung von Uniper. Die Finnen blieben lange knapp unter der Schwelle von 50 Prozent der Anteile; doch es stiegen auch Hedgefonds ein, die auf Folgeofferten wetteten. Der Kämpfer Schäfer stand ihnen im Weg. "Wer kräftig die Tür eintritt, der muss nicht mit einem Willkommen rechnen", begründete er seine kämpferische Linie. Der Streit mit Fortum sei aber nie persönlich geworden; wichtig sei: "Man muss sich hinterher immer noch in die Augen schauen können."
Doch von 2018 an bremste eine schwere Krebserkrankung den Oberpfälzer aus. Schäfer ließ seinen Posten zunächst ruhen, 2019 gab er ihn ab. "Für mich war und ist es eine echte Herzensangelegenheit, die Zukunftsfähigkeit von Uniper zu sichern", sagte er und zog sich in seine Heimat zurück.
Intern galt Schäfer als offen, ehrlich, empathisch, als echter Typ mit hohen Wertvorstellungen. Der Gründungschef sei ein "bleibendes Vorbild", sagt sein Nachfolger Andreas Schierenbeck. Wie Uniper nun bekannt gab, starb Schäfer am Mittwoch an den Folgen der Erkrankung. Er wurde 53 Jahre alt.
