Nachruf Ein Europäer

Der engagierte Wirtschaftspolitiker, CDU-Abgeordnete, Historiker und Ökonom Fritz Hellwig ist im Alter von 104 Jahren gestorben.

Von Marc Beise

"Na Hellwig, sind Sie endlich mal zufrieden mit mir?" Fragte ihn öffentlich der alte Kanzler Konrad Adenauer, und für Fritz Hellwig, den engagierten Wirtschaftspolitiker, war das der Ritterschlag. Von 1953 bis 1959 gehörte der gebürtige Saarländer als CDU-Abgeordneter dem Deutschen Bundestag an, ab 1956 als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag. In dieser Funktion war er an führender Stelle an der Gesetzgebung zur wirtschaftlichen und sozialen Gestaltung der Bundesrepublik beteiligt. Insbesondere das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) trägt seine Handschrift. Darin spiegelt sich seine Überzeugung wider, dass der Staat als Garant des unternehmerischen Leistungswettbewerbs auf offenen Märkten sorgen muss. Als sich die Politik im Herzen Europas institutionalisierte, wechselte er nach Luxemburg zur Hohen Behörde für Kohle und Stahl (Montanunion), aus der später die Europäische Gemeinschaft (EG) wurde; von 1967 bis 1970 war Hellwig Vizepräsident der Kommission. Bereits 1951 hatte er, mit großer intellektueller Neugierde und breiter akademischer Bildung ausgestattet, in Köln das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gegründet. Im großen SZ-Interview vor sechs Jahren kritisierte er eine kurzatmige Europapolitik, warf der heutigen Politikergeneration fehlende Weitsicht vor, bekannte sich aber unverdrossen zur Integration. Am Samstag ist Fritz Hellwig, wie gestern bekannt wurde, kurz vor Vollendung des 105. Lebensjahres gestorben.