Gratis-Werbegeschenke :Was nichts kostet, kann auch schaden

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Badeenten mit Schutzhelm als Werbegeschenk (Foto: imago/Frank Sorge)

Kugelschreiber, Badeenten, Trinkflaschen: In fast jedem Haushalt finden sich Produkte, die Firmen kostenlos als Werbegeschenke verteilen, zum Beispiel auf Messen. An Nachhaltigkeit denkt die Branche bisher kaum.

Von Katharina Bews

Der Weg zum Karrieretag in München ist nicht schwer zu finden. Flyer bedecken die Gehwege, und die Abfalleimer an der Messehalle Zenith sind voll mit Werbemüll. An die 5000 Besucher und 77 Aussteller hat die Karrieremesse Mitte Mai. Die Ausbeute fällt groß aus: sieben Kugelschreiber, sechs Tragetaschen, drei Schlüsselanhänger, zwei Stressbälle, eine Badeente und ein Dutzend weiterer Produkte. An die 30 Goodies, kostenlose Werbeartikel, kommen da pro Person zusammen. Multipliziert mit 5000 Messebesuchern macht das einen Haufen Werbematerial. Multipliziert mit zehn Millionen, der Zahl aller Messebesucher in Deutschland in einem Jahr, ergibt sich eine Menge, deren Gewicht man sicherlich in Tonnen messen müsste.

Die Goodies sind weitverbreitet. 98 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre besitzen mindestens einen Werbeartikel im Haushalt, das geht aus einer Untersuchung des Gesamtverbandes der Werbeartikelwirtschaft hervor.

Die Deutsche Umwelthilfe sieht die kostenlosen Werbeartikel kritisch. Sie werden meist in Asien hergestellt, was mit langen Transportwegen verbunden ist. Außerdem ist die Qualität oft gering und viele der Goddies landen im Müll.

Branchenkenner gehen davon aus, dass es etwa 100 000 verschiedene Produkte gibt, die Firmen als kostenlose Werbemittel nutzen. Der von der Anzahl her meistverkaufte Artikel ist der Einkaufswagenchip, während Hoodies und Trinkflaschen jene Artikel sind, die für die Werbemittelhersteller relativ lukrativ, weil im Vergleich zu anderen Werbemitteln eher hochpreisig sind.

Nachhaltige Werbeartikel sind deutlich teurer

Durchweg nachhaltige Produkte bietet jedoch kaum ein Werbeartikelhersteller an. Die Firmen, die die Werbeartikel in Auftrag geben, sind nicht bereit, viel Geld dafür auszugeben. So erzählt auf der Münchner Karrieremesse ein Mitarbeiter des Zahnmedizingeräte-Herstellers EMS, dass er nur ein Budget von weniger als einem Euro pro Goodie habe. Andere Firmenvertreter berichten Ähnliches. Und so verschenkt das Hotel Kranzbach auf der Messe neben Schreibblöcken, die immerhin aus Recyclingpapier bestehen, und Kugelschreibern aus Bambus auch Badeenten aus Gummi.

Dass bei den Goodies vor allem ein günstiger Preis ausschlaggebend ist, liegt auch am Steuerrecht. Denn sowohl für den Schenkenden als auch für den Beschenkten sind sogenannte Streuwerbeartikel im Wert von bis zu zehn Euro steuerfrei. Nachhaltigkeit erhöht die Preise, sie ist für die Hersteller teuer.

Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe ist skeptischer, was die Fortschritte in Bezug auf Nachhaltigkeit in der Werbeartikelbranche angeht. Goodies, die als nachhaltig angepriesen werden, seien es in Wirklichkeit oft nicht. Etwa der Kugelschreiber Bio Clear, der zwar zu 75 Prozent aus kompostierbaren Materialien bestehe, aber wegen der darin enthaltenen Mischmaterialien dennoch nicht recycelt werden könne. Ein Produkt, das Papierfasern enthält, sei ökologisch zwar leicht vorteilhafter, aber in einer Stückzahl von 10 000 alles andere als nachhaltig. Für Fischer gilt: Nachhaltig wäre es, gar keine Goodies herauszugeben. Denn, wirklich „good“ sind sie für die Umwelt nicht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes wurden Zitate eines Gesprächspartners verwendet, die in dieser Form aus dem Zusammenhang gerissen waren. Dafür bitten wir um Entschuldigung. Die entsprechenden Zitate haben wir entfernt.

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