Nachhaltige Messen Grün ist sexy

Wie man Gärten und Grünanlagen naturnah plant und pflegt, erfahren Besucher auf der GaLaBau in Nürnberg.

(Foto: Thomas Geiger / NuernbergMesse)

Immer mehr Veranstalter setzen bei ihren Messen auf das Thema Nachhaltigkeit. Doch die Unternehmen müssen sich auch selbst bei der Durchführung ihrer Veranstaltungen um mehr Umweltschutz bemühen.

Von Helga Einecke

Möchten Sie wissen, woher das Holz des Tisches stammt, an dem Sie mit Freunden und Ihrer Familie zusammenkommen? Diese Frage stellt Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Karlsruher Messe- und Kongress GmbH. Sie wirbt so für eine neue Fachmesse, die sich um nachhaltige und ökologische Materialien für den Bau und die Einrichtung von Gebäuden dreht. Architekten, Planer, Bauträger, Baustoffhersteller, Schreiner sollen auf der Veranstaltung namens SBM Expo um nachhaltige Werkstoffe wetteifern. Das Datum ist der 18. bis 19. Juni 2020.

Die Karlsruher liegen mit ihrer Expo im Trend, denn immer mehr Messen schmücken sich mit dem Prädikat nachhaltig. Etwa die E-World Energy & Water, die Ideen für effizientere Städte sammelt und vom 5. bis 7. Februar 2019 in Essen stattfindet. Schon die Galabau in Nürnberg zeigte im September ihren Besuchern, wie man Gärten, Parks und Grünanlagen für lange Zeit naturnah plant, baut und pflegt. Auf der Messe für Umwelttechnologie Ifat in München konnten Besucher erleben, wie man Mikroplastik filtert, Kunststoffe recycelt, und zwar möglichst digital. Wasser, Abwasser, Abfall und Rohstoffe spielten die Hauptrolle. Es ging um Lösungen für Energiekonzepte der Zukunft.

Manche Messen sprechen weniger die Fachwelt, sondern gleich die Verbraucher an. Sie sammeln Ideen für nachhaltigen Konsum und alternative Lebensweisen. Sie nennen sich Heldenmarkt, Fairgoods, Green World Tour. "Wenn du mal vier Kinder hast, denkst du anders über die Zukunft nach", sagt etwa Messeveranstalter Michael Lülf, der die Entwicklung zu einer nachhaltigen Gesellschaft beschleunigen will. Das heißt, nicht nur Tesla fahren und vegane Döner essen.

Heldenmarkt-Gründer Lovis Willenberg will Leute mit Visionen zusammenbringen. Nachhaltigkeit bedeute keineswegs Verzicht, sondern sei richtig sexy und stylish, sagte er dem Econeers Blog. Daniel Sechert leitet die Ecoventa-Agentur für ökologische Veranstaltungen, hat fünf Kinder. Er plädiert für fleischlose Kost der Umwelt und dem Tierschutz zuliebe. Mit ungewöhnlichen Veranstaltungsorten wie dem ehemaligen Schlachthof in Dresden, der Zeche Zollverein in Essen oder dem alten Postdepot in Köln kontrastiert er gern sein Motto "Bio, fair und nachhaltig". Ähnlich ticken Veranstalter und Besucher der Messe Veggie & frei, die in Stuttgart dieses Mal den Schwerpunkt auf null Müll (Zero Waste) setzten.

Für die im Verband Auma zusammengeschlossenen Messen hat das Thema Nachhaltigkeit zwei Aspekte. Zum einen gibt es immer mehr Veranstaltungen, die sich diesem Thema ganz oder teilweise verschreiben. Zum Beispiel gibt es auf Modemessen immer mehr speziell auf Wiederverwertung oder auf Kleidung ohne Chemie spezialisierte Anbieter. Auf der Grünen Woche in Berlin werden in einer Sonderschau nachwachsende Rohstoffe ebenso gezeigt wie der nachhaltig bewirtschaftete Wald. Zum anderen müssen sich die etablierten Veranstalter in Deutschland bei der Durchführung ihrer Messen um mehr Nachhaltigkeit bemühen. Dabei geht es um den Verkehr, der durch die Anreise vieler Besucher entsteht. Es geht um die Energie, die für die Veranstaltungen gebraucht wird. Berater halten eine ganze Reihe an Ratschlägen bereit, wie man die Messestände nachhaltig baut. Da geht es um Lösungsmittel und Lacke, Materialien und Drucke, aber auch um Wiederverwertung und Einlagerung. Sogar die Wissenschaft hat sich mit dem Thema Messe und Nachhaltigkeit beschäftigt, weil diese Branche sehr viele Ressourcen auf einmal bindet.

Auma-Geschäftsführer Harald Kötter hält eine generelle Kritik an Messen mit Hinweis auf die Nachhaltigkeit für abwegig. "Die Konzentration von Geschäftskontakten auf Messen führt zu einer deutlich besseren Umweltbilanz als Tausende Gespräche an unterschiedlichen Orten und Terminen", sagt Kötter. Kaum ein Unternehmen kaufe technische Verfahren für viel Geld, die nur online vorgeführt werden. Während einer Messe mit 100 000 Besuchern und 1000 Ausstellern finden nach Angaben der Auma innerhalb weniger Tage durchschnittlich ein bis zwei Millionen Gespräche statt. Auch unter dem Aspekt der Kosten seien Messen die bessere Alternative. Längst gebe es bei den Messeständen bestimmte Standards. Auch in der Messegastronomie habe sich viel getan.

Die Messe Düsseldorf lädt Bürger bei der "Langen Nacht der Industrie" regelmäßig in ihre "Unterwelt" ein. Die Führung zeigt die Versorgungsgänge unter den Messehallen, bei der die Besucher Einblicke in den sparsameren Umgang mit der Energie erhalten. "Wer langfristig Erfolg haben möchte, muss wirtschaftlich, ökologisch und sozial Stellung beziehen", betont Werner Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf. Dank moderner Infrastruktur und systematischen Energiemanagements spare man pro Jahr rund 5000 Tonnen CO₂. Nachhaltigkeit sei seit vielen Jahren fester Bestandteil seiner Unternehmensstrategie. Dazu zählen Konzepte für die Lastwagen-Logistik und die Entsorgung sowie fünf Elektroautos für die Belegschaft und eine eigene U-Bahn-Haltestelle.

Auch bei der Weltausstellung 2020 in Dubai geht es um Nachhaltigkeit. Kreativdirektor Andreas Horbelt von der Agentur Facts and Fiction, der das Ausstellungskonzept für den Campus Germany verantwortet, erläutert: "In Dubai wollen wir zeigen, dass der Mensch nicht nur zerstörerisch auf den Planeten wirkt, sondern auch Fähigkeiten hat, dank seiner Intelligenz und Kreativität die Entwicklung wieder ins Positive zu drehen, wenn wir - wie es das Expo-Motto nahelegt - die Kräfte bündeln." Deutschland wird etwa mit einem riesigen Bällebad vorgestellt. Jeder der 155 000 Bälle erzählt eine Geschichte, präsentiert eine Zahl oder stellt einen Menschen in Deutschland vor, der sich für Nachhaltigkeit engagiert. Wer einen Ball auf ein Lesegerät legt, erhält eine kurze Präsentation. "Hier kann man etwas lernen - und hat Spaß dabei", sagt Horbelt. Billig ist der gesamte deutsche Pavillon mit dem Thema Nachhaltigkeit nicht. 50 Millionen Euro sind für das Projekt im Bundeshaushalt eingestellt.