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Nachhaltige Fonds:Öko läuft

Windenergie im Sonnenaufgang

Anleger sollten sich die Zusammensetzung der Fonds ansehen. Reine Themenfonds wie Windenergie bedeuten mehr Risiko als breit gestreute.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Grüne Fondsinvestments sind so beliebt wie nie. Doch längst nicht überall, wo "nachhaltig" draufsteht, ist auch Nachhaltigkeit drin. Anleger sollten sich daher die Produkte genau ansehen.

Von Andreas Jalsovec

Von diesem Wachstum können Anbieter auf anderen Märkten nur träumen: Bei gut 63 Milliarden Euro lag das Anlagevolumen für nachhaltige Investmentfonds in Deutschland Ende 2019. Das ist nach Angaben des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) zehn Mal so viel wie zehn Jahre zuvor. "Es gibt ein sehr starkes Wachstum in diesem Bereich", sagt FNG-Geschäftsführerin Angela McClellan. Daran sind zunehmend auch Privatanleger beteiligt: Deren Anteil habe sich im vergangenen Jahr verdoppelt, berichtet McClellan.

Immer mehr Anleger setzen bei der Geldanlage auf nachhaltige Produkte. Und sie können dabei auf ein wachsendes Angebot zurückgreifen: Rund 800 Investmentfonds mit nachhaltiger Ausrichtung gibt es mittlerweile in Deutschland, so die Fonds-Ratingagentur Scope. Doch wie finden Anleger den richtigen Fonds? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie funktionieren nachhaltige Fonds?

Sie fügen Anlagezielen wie der Rendite oder der Sicherheit eine nachhaltige Strategie hinzu. Dafür legen die Fondsanbieter ethische und ökologische Kriterien fest. Nachhaltige Aktienfonds etwa investieren dann in börsennotierte Unternehmen, die die Kriterien erfüllen. Als Standard hat sich dabei das Kürzel "ESG" etabliert. Es steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Nachhaltige Fonds setzen also auf Firmen und Branchen, die ökologische und soziale Aspekte besonders beachten und Wert auf eine gute Unternehmensführung legen.

Fast alle Fonds arbeiten dabei nach dem Ausschlussprinzip: Unternehmen oder Branchen, die die Nachhaltigkeits-Standards nicht erfüllen, sind tabu. Das betrifft etwa Waffenhersteller, Tabakproduzenten oder Energiefirmen, die Atomkraftwerke betreiben. "Die Ausschlusskriterien der Fonds sind allerdings unterschiedlich streng", sagt Karin Baur, Expertin für nachhaltige Geldanlagen bei der Stiftung Warentest. So finden sich auch in nachhaltigen Fonds Firmen, die ihr Geld mit fossilen Energieträgern verdienen, also Kohle oder Öl. Das schadet dem Klima. "Alleine aus dem Begriff Nachhaltigkeit kann man daher nicht ersehen, was genau der Fonds macht", sagt Karin Baur. Dabei können die Unterschiede groß sein - sowohl zwischen aktiv gemanagten Fonds als auch zwischen aktiven Fonds und passiven ETF.

Was unterscheidet einen aktiv gemanagten nachhaltigen Aktienfonds von einem nachhaltigen ETF?

Bei einem aktiv gemanagten nachhaltigen Aktienfonds sucht ein Fondsmanager die Titel aus, die in den Fonds kommen. Ein ETF dagegen, also ein börsengehandelter Indexfonds, bildet einen nachhaltigen Index ab. "Welche Firmen der ETF enthält, hängt daher davon ab, wie der Indexanbieter seine Aktienauswahl trifft", sagt Jörg Weber, Leiter des Branchendienstes Ecoreporter, der regelmäßig nachhaltige Geldanlage bewertet. Viele Anbieter gehen dabei nach dem "Best-in-Class"-Prinzip vor: Aus jeder Branche werden die nachhaltigsten Firmen herausgefiltert. So landen aber auch Firmen aus nicht nachhaltigen Branchen im ETF, also etwa Erdöl-, Luftfahrt- oder Kohlekonzerne. "Vieles, was als nachhaltiger ETF empfohlen wird, ist daher oft gar nicht so nachhaltig", sagt Weber. Anleger sollten sich deshalb die Zusammensetzung des Fonds anschauen.

Auch aktive Fonds arbeiten häufig nach dem Best-in-Class-Prinzip. Sie haben neben dem Fondsmanager aber oft noch einen Nachhaltigkeitsbeirat. "Darin sitzen unabhängige Experten, die bei der Aktienauswahl mitreden", sagt Jörg Weber. Die Auswahl nachhaltiger Firmen kann daher gezielter und strenger ausfallen. Allerdings: Je strikter die Nachhaltigkeitskriterien sind, "desto kleiner wird die Auswahl an Titeln", gibt Angela McClellan zu bedenken: "Damit steigt auch das Risiko der Anlage." Hinzu kommt: Aktive Fonds haben deutlich höhere Kosten als passive ETF.

Wie schneiden nachhaltige Fonds bei der Rendite ab?

Die Stiftung Warentest ist dieser Frage in ihrer jüngsten Analyse zu nachhaltigen Fonds nachgegangen. Fazit: "Nachhaltige Fonds-Anleger müssen nicht auf Rendite verzichten", sagt Karin Baur. So zeige etwa ein Vergleich des weltweiten Aktienindex MSCI World mit seinem nachhaltigen Pendant, dem MSCI World Socially Responsible Investing (SRI): Der nachhaltige Index schneidet seit einigen Jahren regelmäßig besser ab. Ein Grund dafür seien die Öl-Aktien im herkömmlichen Index, die zuletzt ziemlich schlecht liefen.

Nachhaltige Fonds zeigen sich darüber hinaus oft krisenresistenter als herkömmliche. So konnten nach einer Analyse der Ratingagentur Scope nachhaltige Fonds im Corona-Crash im Durchschnitt ihren Vergleichsindex schlagen. Konventionelle Fonds schnitten dagegen schlechter ab. Auch nach der Untersuchung der Stiftung Warentest haben Öko-Fonds die Corona-Krise an den Aktienmärkten besser überstanden. "Es ging allerdings auch bei den nachhaltigen Fonds in der Krise zum Teil kräftig nach unten", sagt Karin Baur.

Wie finden Anleger den richtigen Fonds?

Bei der Auswahl nachhaltiger Fonds oder ETF können Fondsdatenbanken helfen. So hat etwa das Forum Nachhaltige Geldanlagen für zahlreiche Fonds Nachhaltigkeitsprofile erstellt. Außerdem vergibt das FNG ein Nachhaltigkeitssiegel, das bislang gut 100 Fonds tragen. In der Basis-Version verlangt das Siegel Mindeststandards wie den Ausschluss von Waffen, Rüstung, Kernkraft, Kohle oder der Verletzung von Menschenrechten. Zusätzliche Siegel-Sterne gibt es für Glaubwürdigkeit oder besonders nachhaltige Produktstandards.

Auch die Stiftung Warentest hat für ihre Fondsdatenbank jüngst eine Nachhaltigkeitsbewertung eingeführt. Generell sollten Anleger bei der Auswahl darauf achten, das Risiko möglichst breit zu streuen, sagt Warentesterin Karin Baur. ETF seien dafür geeignet aber meist weniger streng bei der Nachhaltigkeit. Sie rät daher zu einer Kombination aus ETF und aktivem Fonds. Wer nur aktive Fonds wähle, dem empfiehlt sie, sich zwei oder drei Produkte zuzulegen: "Es kann immer einmal passieren, dass ein Fondsmanager ein unglückliches Händchen hat."

© SZ vom 21.10.2020
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