Nachfolge geklärt:Mediziner Kim wird Weltbank-Präsident

Der US-Mediziner Jim Yong Kim wird im Sommer die Nachfolge von Robert Zoellick als Weltbank-Präsident antreten. Das wurde am Montag in Washington bekannt. Der 52 Jahre alte Kim war vor gut drei Wochen von US-Präsident Barack Obama nominiert worden, obwohl er kein Finanzfachmann ist.

Der US-Mediziner Jim Yong Kim wird neuer Weltbank-Präsident. Der 52-Jährige solle die Nachfolge von Robert Zoellick antreten, der sein Amt im Sommer nach fünf Jahren abgibt, teilte die internationale Organisation am Montag in Washington mit.

Kim leitet derzeit die Elite-Universität Dartmouth im Staat New Hampshire. Er war vor gut drei Wochen überraschend von US-Präsident Barack Obama nominiert worden.

Die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala hatte ihre Kandidatur noch vor der Ernennung Kims zurückgezogen. Der dritte Anwärter, Kolumbiens ehemaliger Finanzminister José Antonio Ocampo, hatte dies bereits am Wochenende getan.

Signal an die Schwellen- und Entwicklungsländer

Aufgabe der Weltbank ist es, die Armut in der Welt mit den Mitteln der Ökonomie zu bekämpfen. Seit ihrer Gründung wird sie traditionell von einem Amerikaner geführt, während der Internationale Währungsfonds als Schwesterorganisation stets eine europäische Spitze bekommt. Kritiker bemängeln diese ungeschriebene Regel als unfair gegenüber Kandidaten aus Entwicklungs- und Schwellenländern.

Kims Wahl verstehen die USA nun als ein Signal an die weniger finanzstarken Länder. Der in Südkoreas Hauptstadt Seoul geborene Kim, dessen Eltern mit ihm in die USa auswanderten, als er fünf Jahre alt war, wird der erste Weltbank-Präsident mit asiatischen Wurzeln sein.

Jim Yong Kim gilt als Multitalent - er hat zwei Doktortitel in Medizin und Anthropologie, ist sportbegeistert und steht in dem Ruf, ein exzellenter Manager zu sein. Doch in Finanzfragen ist der künftige Chef der Weltbank bisher noch unerfahren.

Dass US-Präsident Barack Obama den 52-Jährigen dennoch zum neuen Herrn über milliardenschwere Kredite und Bürgschaften für arme Länder ernannte, muss andere Gründe haben. "Jims persönliche Erfahrung und sein jahrelanger Dienst machen ihn zum idealen Kandidaten für den Job", sagte der Präsident bei der Nominierung.

Fokussierung auf Gesundheitsthemen

Der Lebenslauf des Arztes lässt erkennen, was Obama damit meint: Seit etwa 25 Jahren setzt sich Kim für die Gesundheitsversorgung der Menschen in armen Ländern ein. Nach seinem Studium an den Eliteunis Brown und Harvard gründete er mit Kollegen die humanitäre Einrichtung "Partners in Health".

In Peru entwickelte er ein Behandlungsprogramm gegen Tuberkulose, das speziell auf Entwicklungsländer zugeschnitten ist, wie es in seiner offiziellen Biografie heißt. Mittlerweile werde es in 40 Ländern angewendet, um die Krankheit zu bekämpfen.

Ähnliche Erfolge feierte er laut dem Weißem Haus auch als Direktor der Aids-Abteilung bei der Weltgesundheitsorganisation, wo er eine Initiative ermöglichte, durch die drei Millionen HIV-Infizierte behandelt worden seien. Das Magazin Time ernannte ihn einst zu einem der "100 einflussreichsten Menschen in der Welt".

Später lehrte Kim als Professor am medizinischen Institut von Harvard, bis er 2009 die Leitung des renommierten Dartmouth College übernahm und sich dort weiter für die globale Gesundheitsfürsorge einsetzte.

Seine Fokussierung auf Gesundheitsthemen zeigt, welche Vision Kim bei der Weltbank-Führung verfolgen könnte. Kritiker bemängeln daher, dass er der Idee, armen Ländern vor allem durch Konjunkturmaßnahmen zu helfen, skeptisch gegenüberstehe. Diesen Eindruck versuchte er bei einer Vorstellungstour durch acht Länder in zwei Wochen zu mindern. "Ökonomisches Wachstum ist wichtig, um Ressourcen für Investitionen in Gesundheit, Bildung und öffentliche Güter zu schaffen", sagte er.

© Süddeutsche.de/dpa/ros
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