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Nachbarschaftsrecht:Zoff am Gartenzaun

Fallende Blätter, qualmende Kamine, Gartenzwerge in aggressiven Posen: Irgendwann bekommen sich fast alle Nachbarn in die Haare. Die häufigsten Streitgründe.

Im Heimatort von Detlef Stollenwerk leben nette Menschen: "liebenswert", "herzlich" und ausgestattet mit "unverkennbarer Mundart". So steht es in der Selbstdarstellung der kleinen rheinland-pfälzischen Gemeinde. Gelegentlich jedoch lernt Stollenwerk seine Mitbürger auch von einer weniger liebenswerten Seite kennen. Als stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes hat er öfter mit Bürgern zu tun, die ihm ihr Leid über missliebige Nachbarn klagen.

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Unter Nachbarn: Wer wird denn gleich sauer?

(Foto: ag.ddp)

Stollenwerks Erfahrungen mit Streitigkeiten unter Nachbarn sind so reichhaltig, dass er für die Verbraucherzentralen darüber einen Ratgeber verfasst hat. "Die Räume sind dicht besiedelt. Die Menschen sitzen sich auf der Pelle", weiß er. "Irgendwann bricht das aus." Auch jetzt im Herbst wieder: Da qualmen Kamine, röhren Laubbläser, fallen Blätter - und böse Worte zwischen Nachbarn. Die wichtigsten Gründe für den herbstlichen Zwist am Gartenzaun.

1. Fallende Blätter

Jedes Jahr derselbe Ärger: Von Nachbars Baum fällt massig Laub aufs eigene Grundstück, verschmutzt die Terrasse, verstopft die Regenrinne. Woche für Woche greifen daher Tausende Grundstücksbesitzer zu Rechen und Besen - und fragen sich: Müsste das nicht der Nachbar machen, dem der Baum gehört - oder zumindest den Arbeitsaufwand ersetzen? Keine Chance, meint Experte Stollenwerk: "Laubfall muss man hinnehmen." Gerichte sehen darin keine "wesentliche Beeinträchtigung", zumal es nur einmal im Jahr auftritt. Im Blick haben die Richter dabei auch den Naturschutz: Gestehe man laubgeplagten Nachbarn Ausgleichsansprüche zu, wäre mancher Baum geliefert. Stollenwerk: "Es gibt genug Leute, die lieber den Baum fällen, als dem Nachbarn etwas zu zahlen."

2. Röhrende Laubbläser

Immer öfter pusten Grundstückseigentümer Blätter mit dem Laubbläser zusammen. Die Geräte machen Krach. "Sie dürfen daher nur zu bestimmten Uhrzeiten benutzt werden", erläutert Detlef Stollenwerk. Meist bestimmt die Kommune die Zeiten. In der Regel müssen Nachbarn Lärm von 7 bis 13 Uhr und 15 bis 19 Uhr dulden. In Wohngebieten darf es dabei nicht lauter als 55 Dezibel werden. Das entspricht einer Unterhaltung mehrerer Personen. Diese Grenze ist aber ein Durchschnitt über den Tag hinweg. "Wird der Bläser nur kurz benutzt, kann er lauter sein", sagt Stollenwerk. Die Mittagsruhe müssen nur Privatleute einhalten. Gewerbetreibende oder Mitarbeiter der Kommune dürfen - mit einer Ausnahmegenehmigung - auch mittags laut sein.