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Nach Segelregatta: Kritik an BP-Chef Hayward:"Gipfel der Arroganz"

Gerade war er aus dem Katastrophengebiet im Golf von Mexiko abgezogen worden, schon unternimmt BP-Chef Tony Hayward daheim in Großbritannien eine Segelregatta mit seiner Luxusyacht. Die Amerikaner sind angesichts der Bilder entrüstet.

BP-Chef Tony Hayward kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus. Obwohl ihn der Ölkonzern aus der Krisenregion am Golf von Mexiko abgezogen hat, gelingt es ihm, seinen Ruf als Buhmann zu verfestigen. Schon wieder hat sich Hayward den Zorn des Weißen Hauses zugezogen.

TONY HAYWARD, BP'S PUBLIC FACE, FOR BETTER OR WORSE

BP-Chef Tony Hayward sorgt schon wieder für Entrüstung.

(Foto: afp)

Stabschef Rahm Emanuel kommentierte am Samstag mit beißendem Spott Berichte, nach denen Hayward in Großbritannien eine Segelregatta besuchte. "Ich glaube, wir kommen alle zu dem Schluss, das Tony Hayward nicht vor einer Zweitkarriere als PR-Berater steht", sagte Emanuel in einem Interview des US-Fernsehsenders ABC, das am Sonntag ausgestrahlt werden sollte.

"Das ist nur ein weiterer aus einer ganzen Reihe von PR-Ausrutschern und Fehlern", fügte der enge Vertraute von Präsident Barack Obama an. "Nun, um Tony Hayward zu zitieren - er hat sein Leben wieder, wie er sagen würde", sagte er. Emanuel spielt damit auf eine Äußerung des BP-Chefs an, der inmitten der Umweltkatastrophe erklärt hatte, er wolle "sein Leben wiederhaben". Später entschuldigte er sich dafür.

Richard Shelby, Senator aus Alabama, dessen Bundesstaat besonders mit den Folgen der Ölpest zu kämpfen hat, nannte Haywards Teilnahme an der Regatta im TV-Sender Fox News "den Gipfel der Arroganz". Die Umweltschutzorganisation Greenpeace prangerte das "verletztende" Verhalten des BP-Chefs an. "Das streut Salz in die Wunden", sagte Sprecher Charlie Kronick.

Hayward war in einer Anhörung vor dem US-Kongress am Donnerstag äußerst scharf angegangen worden und hatte schwere Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Ölunfall im Golf von Mexiko eingestanden. Am Freitag wurde er dann von dem Konzern aus der Schusslinie genommen. Das Tagesgeschäft im Kampf gegen die Ölpest wird nun von Bob Dudley übernommen, seit vergangenem Jahr geschäftsführender Direktor des Ölkonzerns. Dies bedeute aber nicht, dass Hayward zurücktrete, betonte eine Unternehmenssprecherin.

104 Millionen Dollar an Entschädigungen

Wie die Sunday Times berichtet, will sich BP nun stärker für die explodierenden Kosten der Ölpest im Golf von Mexiko wappnen. Der Konzern will laut dem Zeitungsbericht 50 Milliarden US-Dollar (40 Mrd Euro) eintreiben. Direktoren des Konzerns hätten dem Plan zugestimmt, um ausreichend Barreserven für mögliche Schadensforderungen zur Verfügung zu haben.

Die Summe setzt sich dem Bericht zufolge aus drei Posten zusammen. Ein Verkauf von Anleihen soll 10 Milliarden Dollar in die Kassen spülen. Der finanziell angeschlagene Konzern will außerdem Darlehen in Höhe von 20 Milliarden Dollar aufnehmen. Durch den Verkauf von Vermögenswerten in den kommenden zwei Jahren sollen weitere 20 Milliarden Dollar eingenommen werden.

Der Ölmulti wollte den Bericht nicht kommentieren. Er hatte bislang immer wieder gesagt, der Konzern sei finanziell stark genug. Aufsichtsratschef Carl-Henric Svanberg verwies mehrfach darauf, dass die Firma "einen außergewöhnlich soliden Kassenstand" benötige.

Am 20. April war die Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem strömen Millionen Liter Öl aus dem lecken Bohrloch in 1500 Metern Tiefe ins Meer. Die Ökosysteme im Küstengebiet von mehreren US-Bundesstaaten und die Fischereiindustrie haben bereits schweren Schaden genommen.

BP musste am Samstag wegen einer technischen Panne das Absaugen des ausströmenden Öls im Golf von Mexiko unterbrechen. Der Tanker Discoverer Enterprise musste seinen Pumpbetrieb für zehn Stunden einstellen, sagte eine Unternehmenssprecherin am Sonntag in London. Grund sei ein technischer Defekt gewesen. Er trat nach einem Brand auf dem Schiff vor einigen Tagen auf, vermutlich nach einem Blitzeinschlag. Ein weiteres Gewitter habe den Neustart der Bordtechnik nun verzögert.

Der Ölkonzern zahlte nach eigenen Angaben bereits 104 Millionen Dollar (knapp 84 Millionen Euro) an Entschädigungen. Das Unternehmen teilte mit, man habe bereits 64.000 Klagen erhalten. Es sei das Ziel des Konzerns, dass all diejenigen, "die wegen der Ölpest kein Geld verdienen konnten", entschädigt würden, hieß es in der Erklärung. Dies betreffe vor allem Fischer und Garnelenfischer.

© dpa/AFP/segi/mel

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