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Nach Pannenserie:General Motors muss 35 Millionen Dollar Strafe zahlen

"Wir werden GM weiter beobachten": Die US-Verkehrsbehörde verhängt nach einem Skandal um defekte Zündschlösser die Höchststrafe an die Opel-Mutter. Für den Konzern wird es dabei kaum bleiben.

Ein technischer Defekt in Fahrzeugen von General Motors führte zu Unfällen, bei denen mindestens 13 Menschen starben. Für sein Krisenmanagement wurde der Automobilkonzern kritisiert - jetzt wird er zur Reaktion gezwungen: General Motors muss 35 Millionen Dollar (25,5 Mio Euro) Strafe zahlen. Dies ist der Mitteilung des Verkehrsministeriums der Vereinigten Staaten zufolge die Maximalstrafe, die die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA verhängen kann. Die Behörde warf dem Hersteller vor, den Mangel zu spät gemeldet zu haben.

General Motors hat wegen des Defekts weltweit 2,6 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten gerufen. Bei älteren Modellen, die vor allem in den USA verkauft wurden, kann der Zündschlüssel wegen eines zu schwach ausgelegten Schalters während der Fahrt in die "Aus"-Position zurückspringen. Dadurch wird nicht nur der Motor abgeschaltet, sondern auch Airbags, Servolenkung und Bremskraftverstärker. GM führt Unfälle mit 13 Toten auf den Defekt zurück, Verbraucherschützer kommen jedoch auf weit höhere Zahlen.

Im Rahmen der Einigung habe GM zudem einer bislang einmaligen Überwachung zugestimmt, hieß es von Seiten der Behörde. GM müsse bei seiner Überprüfung von Sicherheitsproblemen "erhebliche und weitreichende" Änderungen vornehmen. Außerdem wird GM der Regierung vollen Einblick in die Ergebnisse einer internen Untersuchung des Rückrufs gewähren. GM teilte mit, hart daran zu arbeiten, um in Zukunft Sicherheitsprobleme früher erkennen und besser darauf reagieren zu können.

Schadensersatzklagen und die Reaktion der Börse

Der Opel-Mutterkonzern muss sich schon länger den Vorwurf anhören, das Problem ein Jahrzehnt lang ignoriert zu haben. Die ältesten betroffenen Autos sind aus dem Modelljahr 2003. Der Rückruf begann aber erst Anfang des Jahres unter der neuen Konzernchefin Mary Barra. Sie will Vertrauen zurückgewinnen und hat deshalb wegen diverser Mängel eine gigantische Rückruf-Aktion angestoßen. Weltweit müssen inzwischen 12,8 Millionen Wagen in die Werkstätten.

File photo of CEO  Barra testifying before the Senate Commerce and Transportation Consumer Protection Product Safety and Insurance subcommittee in Washington

Mary Barra, Konzernchefin von General Motors.

(Foto: Reuters)

"Wir haben sehr viel aus diesem Rückruf gelernt", wird Barra nach der Bekanntgabe der Millionenstrafe zitiert, in die GM eingewilligt hatte. Die NHTSA hatte bereits eine Strafe von 7000 Dollar pro Tag gegen den Konzern verhängt, weil dieser eine Anfang April abgelaufene Frist für die Beantwortung von Fragen zu den Zündschlössern verstreichen ließ. Dieses Geld komme noch zu den 35 Millionen Dollar hinzu, hieß es nun. "Wir werden die Bemühungen von Seiten GMs weiterhin offensiv beobachten", zitiert die Behörde US-Verkehrsminister Anthony Foxx.

Dennoch dürften die Strafen General Motors' geringste Sorge in finanzieller Hinsicht sein. Unfallopfer und Besitzer betroffener Wagen haben zahlreiche Klagen eingereicht und verlangen Schadenersatz. Zudem gehen die Reparaturen für die gesamte Rückruf-Serie ins Geld. Die veranschlagten Kosten liegen bei 1,5 Milliarden Dollar. GM musste deswegen im ersten Quartal bereits einen merklichen Gewinnrückgang hinnehmen.

Doch Börsianer hatten sich offenbar auf ein deutlich härteres Urteil der Behörden eingestellt. Die Aktie drehte nach der Ankündigung ins Plus, nachdem sie zuvor zwischenzeitlich fast zwei Prozent an Wert eingebüßt hatte.

© Süddeutsche.de/dpa/Reuters/ebri/jhal
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