Nach Korruptions-Anklage:Früherer MAN-Vorstand zeigt Staatsanwälte wegen Verleumdung an

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Der Vorwurf lautet: Beihilfe zur Bestechung. Von Mitte August an muss sich der frühere MAN-Vorstand Weinmann vor Gericht verantworten. Nach SZ-Informationen wirft er nun aber den Staatsanwälten Verleumdung vor - und zeigt sie deshalb an.

In der Korruptionsaffäre beim Lastwagen- und Bus-Hersteller MAN hat nach Informationen der Süddeutschen Zeitung der frühere Vorstand Anton Weinmann nach einer Korruptionsanklage gegen ihn mehrere Staatsanwälte wegen Verleumdung angezeigt.

Weinmann steht vom 16. August an wegen Beihilfe zur Bestechung vor dem Münchner Gericht. Er soll von Korruption beim Verkauf von Lastwagen nach Belgien und Bussen nach Slowenien gewusst, aber nichts dagegen unternommen haben.

Der Ex-Manager sieht das völlig anders. Statt seiner gehörten die Ermittler selbst auf die Anklagebank. Weinmann und sein Anwalt haben ein Gutachten anfertigen lassen, in dem sogar massive Hinweise an das Gericht stehen sollen. Das Gutachten besagt, die Anklage gegen den Ex-Vorstand enthielte unwahre, beleidigende und ehrverletzende Behauptungen. Die Verfasser der Anklageschrift hätten sich wegen Verleumdung strafbar gemacht.

Und sollte die für den Fall zuständige sechste Strafkammer des Münchner Landgerichts zulassen, dass die falschen Vorwürfe verlesen würden, dann könnten unter Umständen auch die Richter wegen Mitwirkung an einer Beleidigung Probleme bekommen. Das Gericht möge gewarnt sein, hat Weinmanns Anwalt an die Justiz geschrieben.

Weinmann war nach Vorstandschef Hakan Samuelsson die Nummer zwei im MAN-Konzern, dem weltweit führenden Hersteller von Lastwagen und Bussen. Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte bei MAN ein groß angelegtes, internationales Schmiergeldsystem aufgedeckt. MAN zahlte 150 Millionen Euro an die Justiz, die damit Gewinne aus illegalen Geschäften abschöpfte.

Weinmanns Anwalt hat dem Gericht mitgeteilt, wichtige Details der Anklage seien nachweislich wahrheitswidrig. Zeugen seien grob falsch wiedergegeben worden, und manche Behauptungen habe die Staatsanwaltschaft sogar frei erfunden. Der ehemalige MAN-Vorstand will zudem mit Einsprüchen beim Münchner Verwaltungsgericht verhindern, dass die Justizpressestelle den Kern der Anklage an die Medien gibt, wie das sonst üblich ist. Weinmann fürchtet eine Vorverurteilung in der Öffentlichkeit.

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