Nach Insolvenz Hedgefonds macht Prokon-Anlegern Hoffnung

Für die Anleger des insolventen Ökostrominvestors Prokon klingt es zunächst wie eine gute Nachricht: Für ihre Genussscheine gibt es einen ersten Interessenten. Ein niederländischer Hedgefonds will Anteile übernehmen. Mit viel Geld dürfen die Kunden allerdings nicht rechnen.

Das Schlimmste für die etwa 75.000 Prokon-Anleger ist wohl auch zwei Tage nach der Pleite des Ökostrominvestors das Warten. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin bekräftigte noch einmal, dass gekündigte Genussrechtsscheine während des Insolvenzeröffnungsverfahrens nicht ausgezahlt werden dürften. Das kann mehrere Monate dauern. Und auch wenn das Verfahren dann eröffnet wird, habe die Sanierung des Unternehmes Vorrang, machte Penzlin klar.

Für die Leute, die Prokon etwa 1,4 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt hatten, dürfte es daher zunächst wie eine positive Nachricht klingen, dass sich nun bereits Schnäppchenjäger in Stellung bringen. Der niederländische Hedgefonds Exchange Investors hat Interesse an den Genussscheinen der Prokon-Anleger bekundet. "In etwa zwei Wochen wollen wir ein konkretes Angebot vorlegen", sagte Frank Scheunert, der den Fonds als Vorstand von Dubai aus verwaltet.

Das Problem für die Kunden: Viel werden sie nicht für ihre Genussrechte bekommen, das stellte Scheunert gleich klar. Exchange Investors werde wohl zunächst für die bereits gekündigten Genussrechte bieten. Da es für die Scheine keine Börsenkurse gebe, bereiteten Broker den Handel vor.

Unklar, ob Verkauf überhaupt möglich ist

Auch für das Unternehmen selbst gibt es bereits Interessenten. Der Hamburger Solarpark- und Windkraftbetreiber Capital Stage hat Interesse an einem Kauf von Prokon-Anlagen bekundet. "Die Übernahme von Bestandsparks gehört zu unserem Geschäft", sagte ein Sprecher. Man wolle abwarten, bis das Insolvenzverfahren eröffnet sei und dann Kontakt zum Verwalter aufnehmen.

Prokon-Chef und Firmengründer Carsten Rodbertus hatte am Donnerstag angekündigt, einen Teil der Windkraftanlagen zu verkaufen, um Geld in die Kasse zu bekommen. Darüber habe er bereits Gespräche mit mindestens fünf Marktteilnehmern geführt. Es sei juristisch jedoch ungeklärt, ob in der Phase des Insolvenzeröffnungsverfahrens überhaupt Sachwerte verkauft werden könnten, erklärte Insolvenzverwalter Penzlin.

Prokon hatte mit hohem Werbeaufwand im Fernsehen, auf Bussen und Straßenbahnen oder durch Postwurfsendungen Käufer für seine Papiere angelockt. Das Geld steckte der Konzern in Windkraftanlagen. Jährlich flossen sechs bis acht Prozent Zinsen. Die Stiftung Warentest hatte allerdings bereits vor der Insolvenz vor den Scheinen gewarnt. Als viele Anleger ihre Papiere kündigten und das Investment zurückforderten, meldete Prokon schließlich Insolvenz an.

"Die Windräder drehen sich ja weiter"

In einem Krisengespräch diskutierte Penzlin am Freitag unter anderem mit Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) über die Zukunft des Unternehmens. Er sei verhalten optimistisch, "dass wir auf einem guten Weg sind", sagte Penzlin anschließend. So kurz nach dem Insolvenzantrag lasse sich die Situation aber noch nicht verlässlich einschätzen.

Minister Meyer sagte: "Jetzt geht es darum, dass der vorläufige Insolvenzverwalter eine Strategie entwickelt und wir ihn dabei begleiten." Land, Kreis und Stadt wollten Flagge zeigen, "dass wir uns kümmern und Hilfe anbieten". In einem Monat ist das nächste Treffen geplant.

Um die Liquidität des Unternehmens mache er sich aber "mittelfristig" keine Sorgen: "Die Windräder drehen sich ja weiter."