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Nach der Insolvenz:Vorentscheidung für die Lufthansa im Streit um Air Berlin

Air Berlin

Die Zukunft von Air Berlin bleibt ungewiss: Noch bis zum 12. Oktober soll weiter verhandelt werden.

(Foto: dpa)
  • Die Lufthansa soll offenbar die größten Teile von Air Berlin übernehmen - diese Vorentscheidung traf der Gläubigerausschuss der insolventen Fluglinie.
  • Demnach könnten weitere Teile an Easyjet und Condor gehen.
  • Bis zum 12. Oktober soll jedoch weiter verhandelt werden.

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin soll zerschlagen und der größte Teil des Unternehmens von der Lufthansa übernommen werden. Diese Vorentscheidung traf am Donnerstag der Gläubigerausschuss von Air Berlin, wie die Süddeutsche Zeitung aus Verhandlungskreisen erfuhr. Weitere, weniger wichtige Teile der Airline sollen nach dem Willen der Gläubiger an den britischen Billigflieger Easyjet und die Ferienfluggesellschaft Condor gehen. Langstreckenflüge fallen weg.

Allerdings müssen dazu noch zahlreiche Detailfragen geklärt werden. Deshalb sollen die Verhandlungen über die Aufspaltung von Air Berlin bis zum 12. Oktober weitergeführt werden. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Verhandlungen schon in den nächsten Tagen beendet werden und der Aufsichtsrat von Air Berlin am Montag den Verkauf besiegelt.

Die Vorentscheidung zugunsten der Lufthansa kommt nicht überraschend. Zugleich aber zeigten sich Beobachter im politischen Umfeld irritiert darüber, das die Sache sich nun weiter in die Länge ziehen soll. Es wurde auf die angespannte Liquidität bei Air Berlin verwiesen. Das Unternehmen hatte am 15. August Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, nachdem der frühere Haupteigner Etihad die finanzielle Unterstützung aufgekündigt hatte.

Nach der Sitzung des Gläubigerausschusses sind somit unter anderem Angebote von British Airways-Muttergesellschaft International Airlines Group (IAG) sowie den beiden Unternehmern Hans Rudolf Wöhrl und Utz Claassen vom Tisch. Wöhrl und Claassen hatten Air Berlin insgesamt kaufen wollen, ihre Angebote waren aber nach Angaben aus Verhandlungskreisen "mangelhaft." Insgesamt sind nach SZ-Informationen bis zum Fristende am vergangenen Freitag 15 Angebote für Air Berlin oder Teile davon eingegangen.

Sollten auch noch die letzten offenen Punkte geklärt werden, wird Lufthansa insgesamt knapp 80 der einst 140 Air Berlin-Maschinen übernehmen können. 38 davon fliegen bereits heute für ihre Billigtochter Eurowings. Knapp 30 Flugzeuge würden zwischen Easyjet und Condor aufgeteilt und etwa die gleiche Anzahl nicht mehr weiter betrieben werden. In Branchenkreisen hieß es, die Angebote von Lufthansa und Easyjet würden sich nicht überschneiden. Hingegen hat Condor wie Lufthansa auch für die Air Berlin-Tochter Niki geboten und muss sich nun wohl mit einem Teilerfolg zufrieden geben. Condor will mit Hilfe der Air Berlin-Jets ihr europäisches Feriennetz stärken, Easyjet erwägt dem Vernehmen nach auch den Einstieg in den innerdeutschen Luftverkehr.

Hinter dem Condor-Angebot stehen nach Informationen aus der Branche noch die größten Fragezeichen, denn die Bieter müssen den Flugbetrieb von Air Berlin von Ende Oktober bis zum Übergang zu den neuen Eigentümern finanzieren. Mit einer wettbewerbsrechtlichen Genehmigung wird erst gegen Jahresende gerechnet, der Übergangskredit der Bundesregierung reicht dem Vernehmen nach aber höchstens bis Ende Oktober.

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