Nach Brexit-Referendum George Soros wettet 100 Millionen Euro gegen Deutsche Bank - und gewinnt

Investor George Soros: Vor dem Brexit-Referendum hat er zwar nicht gegen das Pfund, dafür aber gegen die Deutsche Bank gewettet.

(Foto: REUTERS)
  • Der berühmte Investor George Soros hat nach dem Brexit-Referendum etwa 100 Millionen Euro gegen die Deutsche Bank gewettet.
  • Seine Investmentgesellschaft Soros Fund Management LLC ging eine Leerverkaufsposition in Höhe von 0,51 Prozent des Aktienkapitals der Bank ein.
  • Die Aktie der Deutschen Bank hat seit dem Brexit-Votum extrem am Wert eingebüßt und erreichte gestern ein Rekordtief.
Von Vivien Timmler

Mit einer Wette gegen das britische Pfund war der legendäre Investor George Soros im Jahr 1992 berühmt geworden. Im Zuge des Brexit-Votums hat er allerdings nicht gegen das Pfund gewettet.

Soros wettete vielmehr gegen Deutschlands größtes Geldinstitut, die Deutsche Bank. Laut Bundesanzeiger hat seine Investmentgesellschaft Soros Fund Management LLC am Freitag eine Leerverkaufsposition in Höhe von 0,51 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals der Deutschen Bank eingegangen. Der Fonds hat also etwa sieben Millionen Aktien im Wert von 100 Millionen Euro geliehen und sie danach gewinnbringend wieder verkauft.

Soros dürfte bereits gut verdient haben

Bei Leerverkäufen setzen die Investoren darauf, dass der Kurs der geliehenen Aktie nach dem Verkauf sinkt und sie diese so später günstig wieder zurückgeben können. Die Differenz zwischen dem Preis, zu dem die Aktien von Soros' Fonds verkauft wurden, und dem im Idealfall niedrigeren Preis, für den sie die Papiere zurückgekauft haben, bleiben als Gewinn beim investierenden Fonds.

Soros dürfte mit seiner Wette gegen die Deutsche Bank bereits jetzt gut verdient haben. Die Aktie der Deutschen Bank hat an den beiden vergangenen Handelstagen seit Bekanntwerden des Brexit-Votums zwischenzeitlich mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Am Montag fiel die Aktie auf den tiefsten Stand seit Bestehen des Dax. Der Gewinn des Investors dürfte also beträchtlich ausgefallen sein.

Am Freitag, also an dem Tag, an dem Soros' Fonds den Leerverkauf platzierte, fiel der Kurs der Deutsche Bank-Aktie zu Handelsbeginn von 15,52 Euro auf 13,01 Euro. Am Montagabend bei Börsenschluss hatte sich die Aktie bei 12,53 Euro eingependelt. Sofern Soros bereits am frühen Montagmorgen bei Börsenstart investierte, ist das ein Gewinn von mehr als 20 Prozent. Der Investor hätte demnach bereits einen Gewinn von mehr als 10 Millionen Euro gemacht.

Es ist jedoch nicht klar, ob Soros seine Position bei der Deutschen Bank am Freitag komplett neu aufgebaut hatte. Die Veröffentlichungspflicht im Bundesanzeiger kann auch dadaurch ausgelöst worden sein, dass der Investor seinen Anteil von einem Wert unter 0,5 Prozent auf nun 0,51 Prozent erhöht hat.

Wohl keine erneute Wette gegen das Pfund

Gleichzeitig mit Soros' Investmentgesellschaft ging am Freitag auch der Londoner Hedgefonds Marshall Wace eine Leerposition gegen die Deutsche Bank in nahezu gleicher Höhe ein. Damit summieren sich die Netto-Leerverkaufspositionen der Hedgefonds derzeit auf mindestens 1,01 Prozent der Deutsche-Bank-Aktien.

George Soros hatte noch wenige Tage vor dem Referendum vor den massiven Folgen eines Brexit gewarnt und einen Fall des Pfund gegenüber dem Dollar um mindestens 15 Prozent vorhergesagt. Trotzdem hat er nach eigenen Angaben nicht gegen die britische Währung gewettet. Er habe vor dem Referendum sogar auf das Pfund gesetzt, sagte ein Sprecher.

Damit gestand auch Soros indirekt ein, dass er die Situation verkannt hat. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten fielen aus deshalb so gewaltig aus, weil sich viele Investoren auf die Quoten der Buchmacher verließen. Und die sagten mehrheitlich voraus, dass Großbritannien der EU erhalten bleiben wird.

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