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Mynaric:Laser-Terminals vom Fließband

Bulent Altan beim SZ-Wirtschaftsgipfel in Berlin, 2019

Der frühere Space-X-Manager Bulent Altan ist seit 2019 Vorstandschef des Herstellers von Laserkommunikations-Terminals.

(Foto: Johannes Simon)

Das börsennotierte Start-up Mynaric eröffnet eine Fabrik und will damit in die Serienproduktion gehen.

Von Dieter Sürig

Bei den Start-ups der Raumfahrtbranche herrscht Aufbruchstimmung. Im Herbst hat der Kleinraketenhersteller Isar Aerospace seine Fabrik in Ottobrunn bei München eröffnet, im Februar folgte der Konkurrent Rocket Factory in Augsburg, nun der Hersteller von Laserkommunikations-Plattformen, Mynaric, in Oberpfaffenhofen mit einer 1600 Quadratmeter großen Produktionshalle.

Das börsennotierte Unternehmen, das von Ex-Space-X-Ingenieur Bulent Altan geführt wird, will dort in Serie Terminals herstellen, die Daten per optischem Lasersignal senden können. "Wir befinden uns an der Schwelle zum Industriezeitalter dieser Technologie", sagt Altan. Diese wird im Kommunikationsbereich immer wichtiger, um große Datenmengen abhörsicher hin- und herschicken zu können.

Mynaric fertigt sogenannte Terminals, etwa 60 mal 30 Zentimeter große Geräte, die in den Satelliten verbaut werden, unter dem Namen Condor. Sie können aus dem All zu einer Bodenstation, aber auch innerhalb einer Satellitenkonstellation kommunizieren - Reichweite bis zu 8000 Kilometer. Außerdem Hawk Air-Terminals, die von Flugzeugen aus 500 Kilometer weit senden können. Mittelfristig will das Start-up 2000 Terminals im Jahr bauen, 2022 soll die Stückzahl im dreistelligen Bereich liegen. Dies sei die erste Serienproduktion dieser Art, sagt Altan. Airbus-Tochter Tesat in Backnang plant aber auch bald dreistellige Stückzahlen. Analysten erwarten bis Ende 2029 etwa 3,8 Milliarden Dollar Marktvolumen bei diesem Geschäft.

Mynaric ist unter dem Namen Vialight aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hervorgegangen und seit 2017 an der Börse Frankfurt. Die Aktie notiert bei 75 Euro - 20 Euro über dem Ausgabekurs; die Firma hat somit einen Börsenwert von 310 Millionen Euro. Im April hat das Unternehmen angekündigt, per Kapitalerhöhung auch an eine US-Börse zu gehen. Reuters zufolge könnte es die Technologiebörse Nasdaq werden, was Mynaric nicht bestätigt. Bei der Eröffnung war zumindest von der Wall Street die Rede.

Die Firma hat Aufträge aus US-Regierungsprogrammen, betreibt Büros in Los Angeles und Washington. Ein Büro in Shanghai musste Mynaric 2020 schließen, weil die Bundesregierung untersagt hatte, Laserterminals nach China zu liefern.

Die Gründer beteiligen sich auch an einem Konsortium von Start-ups, das ein Breitband-Satellitennetz aufbauen möchte. Zunächst als Reaktion auf eine entsprechende Studie, die EU-Kommissar Thierry Breton 2020 nur an große Konzerne vergeben hatte. Nun womöglich auch mit ihm, weil er gerade eine weitere Studie mit drei Millionen Euro Volumen für New-Space-Firmen ausgeschrieben hat, um "innovative und disruptive Ideen" zu sammeln.

© SZ vom 19.06.2021
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